Ein Steinfest beendet die Umplatzierung eines Findlings

Der höchste Punkt der Gemeinde Niederlenz wird durch einen Findling markiert. Dieser stammt aus Othmarsingen. Ein Steinfest diente als symbolische Abgeltung.

Handschlag über dem Corpus Delicti: Der Niederlenzer Gemeindeammann Jürg Link und der Othmarsinger Vizeammann Hans Rätzer reichen sich im strömenden Regen die Hände über dem Findling, der den höchsten Punkt der Gemeinde Niederlenz markiert, ab
Handschlag über dem Corpus Delicti: Der Niederlenzer Gemeindeammann Jürg Link und der Othmarsinger Vizeammann Hans Rätzer reichen sich im strömenden Regen die Hände über dem Findling, der den höchsten Punkt der Gemeinde Niederlenz markiert, aber aus den Waldungen Othmarsingens stammt. Foto: Fritz Thut

Es ist kein Stein, den man seinem Nachbarn so einfach in den Garten wirft. Es ist ein gut drei Tonnen schwerer Findling, der am Rand des Waldes rund um die Autobahn-Einfahrt Lenzburg nun den höchsten Punkt der Gemeinde Niederlenz markiert.

Eine Sitzbank, bereits auf dem Boden der benachbarten Stadt Lenzburg, lädt zum Verweilen. Eine kleine Metalltafel vermeldet die Höhe von 431 Metern über Meer. Beim Stein handelt es sich laut Hans-Peter Müller, ehemaliger SWL-Direktor und studierter Geologe, um einen Quarzit, den einst der Reussgletscher aus dem Alpenraum hierher transportiert hat. Müller schätzt das Alter des extrem harten erratischen Blocks auf etwa 180 Millionen Jahre.

Späte Entschädigung

Die jüngste und letzte Reise des Felsbrockens erfolgte unter nahezu undurchsichtigen Rahmenbedingungen und war vorgestern Abend Anlass für ein Steinfest. Der Findling stammt aus dem benachbarten Lindwald, und zwar einem Abschnitt, der zur Gemeinde Othmarsingen gehört.

«Nun wird zu Recht hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, dass die Niederlenzer den Othmarsingern den Stein noch nicht entschädigt haben», stand in der Einladung zum Steinfest, mit dem diese Unterlassung gut gemacht werden sollte. Alle Beteiligten, die Forst- und Ortsbürgervertreter sowie Gemeinderäte von Niederlenz, Othmarsingen und Lenzburg, waren geladen. Gut zwei Dutzend Personen nahmen trotz strömendem Regen die Einladung zu diesem Anlass an.

Bevor in der Römersteinhütte zum gemütlichen Teil übergegangen werden konnte, wurden die Tatorte angewandert: Der Ort, wo der Findling lange lag, und dort, wo er heute den höchsten Niederlenzer Punkt markiert.

Willi Bürgi von der Niederlenzer Landschaftskommission schilderte nochmals die Geschichte, wie er – als aus Othmarsingen kein klares Nein zu vernehmen war – den Transport des Findlings schnell veranlasste. Nach vollbrachter Tat gab es noch einige diplomatische Verstimmungen, doch die sind mit dem Steinfest verraucht. «Es ist wichtig, dass das Ganze nun zu einem guten Abschluss gekommen ist», freute sich der Niederlenzer Gemeindeammann Jürg Link.

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