Ein Schulhaus erinnert sich

Das Seetalschulhaus in Seon steht seit Frühjahr 2016 leer. Nun hat es sich dank einem Künstlerprojekt und Seoner Primarschülern wieder mit Leben gefüllt. Eine Ausstellung mit Bühnenbildern weckt Anfang Dezember fantastische Erinnerungen eines alten Schulhauses.

Eindrücke: riesenhafte Pulte.

Eindrücke: riesenhafte Pulte.

Ein verlassenes Badezimmer.

Ein verlassenes Badezimmer.

Aufwärmen im noch leeren Schulzimmer: Eine Seener 4. Primar macht sich bereit für den Endspurt bei den Ausstellungsvorbereitungen. (Fotos: MS)

Aufwärmen im noch leeren Schulzimmer: Eine Seener 4. Primar macht sich bereit für den Endspurt bei den Ausstellungsvorbereitungen. (Fotos: MS)

Eifrig türmen die Seener Schülerinnen und Schüler der 4. Primar Schachtel um Schachtel aufeinander, dazwischen lassen sie schmale Gänge frei und beschriften sie mit farbigen Zetteln – «Kochen» steht da beispielsweise. Am Ende der Lektion ist ein Labyrinth entstanden – das «Lernziel-labyrinth», eines der vielen Bühnenbilder im alten Primarschulhaus von Seon. «Das leerstehende Seetalschulhaus war für uns ein Glücksfall», freut sich Nina Knecht, Theaterpädagogin und Leiterin des Kulturprojekts «Als Lewandowski sich die Nase brach – Fantastische Erinnerungen eines alten Schulhauses in Bühnenbildern». Unter der Anleitung von Bühnenbildner Andreas Bächli haben drei Primarschulklassen innerhalb von 7 Wochen im einst leeren Seetalschulhaus eine Ausstellung mit rund ein Dutzend verschiedenen Rauminstallationen erschaffen. Jeder Raum im altehrwürdigen Schulhaus ist derzeit sozusagen ein Setting für ein Drama. Das Projekt wird ermöglicht durch «Kultur macht Schule», einem Programm der Fachstelle Kulturvermittlung des Kantons Aargau.

Schulhaus zum Leben erweckt

Dank den Ideen und Inputs der etwa 70 beteiligten Seener Schüler ist das rund 175 Jahre alte Schulhaus wieder zum Leben erweckt. Wortwörtlich: Im ersten Raum wird man nämlich vom leicht betagten Schulhaus kurzum persönlich begrüsst. Es spricht vom Leben einst in seinen Räumen, den Lehrern und den vielen, vielen Schülern. Besonders ein Schüler hat sich dem Schulhaus ins Gedächtnis eingebrannt: ein Lausbub namens Lewandowski. Der Junge in türkisfarbener Hose begleitet den Besucher wie ein roter Faden durch die ganze Ausstellung. Man begegnet ihm, wie er in einem Zimmer voller Herbstblätter ins Laub taucht, wie er aus Stühlen einen Turm baut, die Wände hochklettert, und immer steht da die Frage im Raum, die das hochbetagte Schulhaus nicht mehr selbst beantworten kann: Wie hat sich Lewandowski wohl die Nase gebrochen?

Eine Antwort darauf kann der Besucher in vielen verschiedenen Räumen suchen: dem Regelzimmer beispielsweise oder dem Zimmer für weggesparte Lehrer, dem Zimmer des weltbesten Hausmeisters, dem Arbeitstumultzimmer oder dem Traumschulzimmer. Wer sich Zeit lässt, kann viele kleine Details entdecken, man stösst beispielsweise auf erste Schulzeitfragmente wie riesenhafte Pulte oder Düfte von Tinte oder «Frisch geduschte Lehrerin».

Schulzeiterinnerungen

Die Inputs für die Realisierung der Installationen kamen unter anderem auch von Personen, die vor langer Zeit im Seetalschulhaus zur Schule gegangen sind, aber auch von den Schülern, die am Projekt mitgearbeitet haben. Hört man sich unter den Schülern um, kam beim Projekt vor allem die Zusammenarbeit mit den Schulkameraden gut an. Das ist eines der Dinge, die der Kunstschaffende Bächli den Schülern auch mitgeben wollte. «In der Schule kommt Kommunikation oft zu kurz, beim künstlerischen Prozess stand es bei uns im Vordergrund.» Ziel des Projekts war es laut Projektleiterin Knecht, den Schülern den Horizont zu erweitern, aber auch Einblick in einen kreativen Beruf zu geben. Und Bächli führt an: «Es braucht nicht immer ein vordefiniertes Lernziel, es kann auch so etwas Tolles entstehen.» Die Ausstellung «Als Lewandowski sich die Nase brach» ist der Beweis dafür.

Freitag, 2. Dezember, 20–21.30 Uhr, Samstag, 3. Dezember, 17–20 Uhr und Sonntag, 4. Dezember, 17–20 Uhr, Seetalschulhaus Seon, Seetalstrasse 26

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