Eheberatung erhält frischen Wind

Mitte September trat die ehemalige Stellenleiterin der Eheberatungsstelle Lenzburg-Freiamt-Seetal in den wohlverdienten Ruhestand. Mit der neuen Leiterin soll das Angebot der Beratungsstelle «sanft renoviert» werden.

Praxisfrau mit solider theoretischer Basis: Das ist die neue Stellenleiterin der Ökumenischen Eheberatungsstelle Lenzburg-Freiamt-Seetal, Kathrin Eichenberger Bryner.
Praxisfrau mit solider theoretischer Basis: Das ist die neue Stellenleiterin der Ökumenischen Eheberatungsstelle Lenzburg-Freiamt-Seetal, Kathrin Eichenberger Bryner.

An der Delegiertenversammlung der Ökumenischen Eheberatungsstelle Lenzburg-Freiamt-Seetal von Ende August wurden der Kassier Peter Jäggi nach 20 Jahren und Annamarie Reich, Stellenleiterin der Beratungsstelle während 10 Jahren, verabschiedet. An die Stelle der Leiterin trat bereits im März 2017 in einem 60-Prozent-Pensum die 56-jährige Kathrin Eichenberger Bryner.

Mit der Fachpsychologin für Psychotherapie, Dozentin, Supervisorin und Coach mit Wohnsitz in Möriken-Wildegg erhielt die ökumenische Beratungsstelle eine Praxisfrau mit solider theoretischer Basis, aber auch eine kompetente Ansprechpartnerin. Als ersten offiziellen Auftrag als Leiterin hat Eichenberger an der Delegiertenversammlung die Aufgabe erhalten, ein Argumentarium für die Beratungsstelle zusammenzustellen.

Dieses ist zwar erst in Arbeit, bereits jetzt hat sie aber gute Argumente, warum es die Eheberatungsstelle überhaupt braucht. «Wenn es den Paaren gut geht, geht es auch der Familie gut», sagte Eichenberger. Die Arbeit der Beratungsstelle sei wichtig und werde trotz parallel existierenden behördlichen Angeboten gebraucht. «Bei unserer Arbeit steht das Paar im Fokus, bei den Jugend- und Familienberatungsangeboten beispielsweise eher das ganze System und Fragen der Erziehung.» Ausserdem sei die Hemmschwelle tiefer, sich an eine nicht behördliche Stelle zu wenden, meint Eichenberger. «Wir haben keine Verpflichtung, den Behörden Auskunft zu geben. Wir arbeiten anonym und vertraulich.» An die Eheberatung wenden kann sich jeder, unabhängig der Konfession. Kathrin Eichenberger Bryner bringt einen umfangreichen Erfahrungsschatz in der Sozialpädagogik und der Psychotherapie mit. Bisher ist sie unter anderem auf einer Kriseninterventionsstelle, in der stationären Suchttherapie, als Heimleiterin und in der eigenen therapeutischen Praxis in Brugg und Zürich immer wieder Fragen und Konflikten von Paaren begegnet.

Stelle sichtbarer machen

Bis im Sommer hatte Eichenberger eine Lehrprofessur für Methoden an der Fachhochschule St. Gallen, Fachbereich Soziale Arbeit, inne. Dass sie mit dem Amt als Stellenleiterin und Beraterin nun wieder mehr mit der Praxis in Berührung kommt, freut die Fachfrau. «Besonders über den vermehrten direkten Kontakt mit Ratsuchenden.»

Bereits ihre Ausbildung, ein Werkstudium Psychologie an der Universität Zürich, bezeichnet Eichenberger als sehr praxisbezogen. Als neue Stellenleiterin bringt Eichenberger frischen Wind und neue Ideen in die Beratungsstelle. Sie möchte unter anderem das Angebot der Beratungsstelle anschauen und allenfalls überarbeiten. Eine Evaluation soll zeigen, wo Nachfrage besteht und wo nicht. Aber auch die Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit mit den Kirchgemeinden liegt Eichenberger am Herzen. «Die Beratungsstelle ist noch zu wenig sichtbar, das soll sich ändern.» Bei der therapeutischen Arbeit legt Eichenberger Wert darauf, diese so zu gestalten, dass die Leute einen Nutzen davon haben.

Das breite Spektrum der Beratungsfälle an der Ökumenischen Eheberatungsstelle hat die 56-Jährige überrascht. «Von der akuten Krise bis hin zum präventiven Gespräch ist alles vertreten.»

Für die Zukunft möchte Eichenberger zwar das Angebot und den Auftritt nach aussen überarbeiten, der Kern aber soll gleich bleiben. «Es gibt eine sanfte Renovation», verspricht die neue Stellenleiterin.

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