Effingerhort – eine Brücke zurück ins Leben

Holderbank Am Samstag wurde der Erweiterungsbau des Rehahauses Effingerhort in Holderbank eingeweiht. Menschen mit chronischer Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit werden dort betreut.

<em>Der Neubau ist eingeweiht: </em>Die Rehaklinik Effingerhort ob Holderbank mit dem 2018 fertiggestellten Neubau (links). Foto: Janine Gloor

<em>Der Neubau ist eingeweiht: </em>Die Rehaklinik Effingerhort ob Holderbank mit dem 2018 fertiggestellten Neubau (links). Foto: Janine Gloor

<em>Blick hinter die Kulissen:</em> Kathrin Leu (r.) erklärt den Besuchern, was sie im Atelier mit den Klienten alles herstellt – vieles aus Recycling-Material. Foto: Carolin Frey

<em>Blick hinter die Kulissen:</em> Kathrin Leu (r.) erklärt den Besuchern, was sie im Atelier mit den Klienten alles herstellt – vieles aus Recycling-Material. Foto: Carolin Frey

Der Neubau sorgt nun dafür, dass 24 zusätzliche Bewohnerplätze geschaffen werden konnten», sagte Landammann Alex Hürzeler am Einweihungsfest. 16 Zimmer seien zugunsten des Wohnheims, 8 zugunsten des Rehabetriebs. «Eine sinnvolle Massnahme, da der Bedarf an Wohnheimplätzen mit Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten auch im Aargau zunimmt.» Die Einweihung des Neubaus böte Gelegenheit, einen Blick zurück zu werfen.

Durch die grossen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen im 19. Jahrhundert stieg der Alkoholkonsum besorgniserregend an. Julie von Effinger auf Schloss Wildegg sah es als ihre Pflicht, sich dieses Themas anzunehmen. «Sie kaufte den alten Kernenberghof und stiftete ihn dem Zweck, «das Laster der Trunksucht zu steuern und dadurch zur sittlichen und sozialen Hebung der von ihm geknechteten Mitmenschen beizutragen».

Der Neubau und die bestehenden Gebäude bieten nun Platz für 60 Menschen. Die neuen Zimmer verfügen über eine eigene Nasszelle und sind mit Bett, Tisch und Stuhl ausgestattet. Alles andere kann von den Bewohnern individuell eingerichtet werden. Nicht fehlen darf auch im Erweiterungsbau ein Gemeinschaftsraum zum Austausch, Lesen, Spielen und Sein. Erfreut über den gelungenen Neubau zeigten sich in ihren Reden Geschäftsleiterin Heidi Sommer, der ausführende Architekt Fred Zimmer, Stiftungsratspräsident Werner Berner sowie Gemeindeammann Herbert Anderegg. Verwaltungsratspräsidentin Martina Sigg schloss mit den Worten: «Wir bilden die Pfeiler, auf denen suchtkranke Menschen ihre Brücke zurück ins Leben bauen.»

Ziel ist totale Abstinenz

Auf dem Rundgang konnten sich die Besucher ein Bild von den Wohnformen und Beschäftigungsmöglichkeiten machen. In der Schreinerei werden unter anderem Anfeuerspriessli gemacht. Im Atelier werden das ganze Jahr über Deko-Artikel für den Adventsmarkt kreiert. Auch gilt es, ProSpecieRara-Setzlinge zu ziehen und die Schweine, Ziegen, Hühner, ein Pferd und einen Esel zu versorgen.

«Tiere sind ein Grundbedürfnis. Sie werden von den Bewohnern gerne mit Äpfeln, Karotten und Brot verwöhnt», sagt Psychologin Julia Hunold, die den Rundgang begleitet. «Wir pflegen im Effingerhort einen ganzheitlichen Ansatz», betont Hunold. Viele Bewohner hätten eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Ziel sei, ihr Selbstvertrauen zu stärken, ihnen alltägliche Dinge wie Einkaufen, Kochen, Putzen, Wäschewaschen wieder vertraut zu machen. Ziel sei zudem die totale Abstinenz und, wenn möglich, eine selbstständige Wohnform. Beim anschliessenden Imbiss konnte man sich stärken und austauschen.

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