Doppeltes Fest im Möriken-Wildegg
Knapp sieben Monate dauerten die Arbeiten, um die reformierte Kirche Möriken zu erneuern und den heutigen Bedürfnissen anzupassen. Am Reformations-Sonntag wurde die Kirche wieder eingeweiht.

Festgottesdienst mit Abendmahl, Pop-Chor, Apéro mit Festakt, Führungen durch die Kirche, Kinderprogramm, «Elternhort» mit Kaffee und Kuchen, Klangerlebnis mit den Kirchenmusikerinnen Christina Ischi und Tabea Plattner und schliesslich das musikalische Schlussbouquet. Die Kirchenpflege der Reformierten Kirchgemeinde Holderbank-Möriken-Wildegg präsentierte am Reformations-Sonntag zur Einweihung der renovierten Kirche ein würdiges Fest-Programm. «Das isch en dänkwürdige Tag. Weli Chilegmeind schafft das scho: DErneuerig vo ihrer Chile am gliiche Tag zfiire wies 500-Johr-Refor-mationsjubiläum?», fand Pfarrerin Ursula Vock und sprach von einem doppelten Fest der Erneuerung.
«Wir besinnen uns auf die Quelle des Evangeliums und wollen uns dadurch erneuern lassen. Wir feiern da und in der reformierten Kirche zusammen mit allen Kantonen in den vier Landessprachen mit dem gleichen Ablauf und den gleichen Gebeten.» Ein starkes Zeichen der Zusammengehörigkeit und der Verbundenheit in Jesus Christus. Der 20-köpfige Ad-hoc-Chor mit Tabea Plattner bereicherte den Gottesdienst.
Predigt als Gespräch auf der Kanzel
Trotz Veränderungen sei es unverkennbar immer noch die Möriker Kirche, fand das Seelsorgeteam auf der Kanzel. Also immer noch das Gleiche, aber doch verändert? Pfarrerin Ursula Vock und Pfarrer Martin Kuse gingen der Frage nach «Was heisst erneuern?». «Wir hatten eine schöne Kirche und wollten sie bewahren und zu ihr Sorge tragen. Wir wollten den Kirchenraum und seine Nutzungsmöglichkeiten weiterentwickeln, ohne dass es zum Bruch mit dem Alten, Vertrauten kommt», äusserten die beiden. Martin Kuse spannte einen Bogen zur Reformationszeit.
Wie hätten erst da Menschen gerungen mit ihrer Zeit, mit sich selber, mit Gott, bis sie zum Neuen gefunden haben. Die Erneuerung der Kirche gehe weit über die Erneuerung des «Gebäudes» Kirche hinaus. Nun müsse das renovierte Gebäude mit Leben gefüllt werden. Und wie damals müsse sich die Kirche auch heute reformieren und sich neu bilden als Gemeinschaft von Gottsuchenden, von Gottbegeisterten, von Zweifelnden und Bittenden, von Distanzierten und Interessierten.
Das Bauwerk ist erneuert von A wie Abendmahltisch bis Z wie Zifferblatt. Um den Kirchenraum multifunktionaler zu nutzen, liess Architekt Fred Zimmerli insgesamt fünf Bankreihen entfernen und durch Stühle ersetzen. Im Kirchenschiff wurden eine Teeküche und ein Stuhlmagazin eingebaut. Der neue Abendmahltisch mit dem goldenen Vorhang ist fahrbar und der Taufstein ist versetzt worden. Baukommissionspräsident André Gretler blickte zurück auf den Baubeginn am Dienstag nach Ostern und auf das dichte Bauprogramm. Da dürfen auch Steine vom Herzen fallen. Beispielsweise wenn wieder der erste Glockenschlag klappt oder wenn die erste Orgelpfeife ertönt.
Mit dabei am reichlichen Apéro auch Ernst Renold, bald 90-jährig. Er erinnert sich noch gut daran, als im Jahre 1950 die Kirche erbaut wurde. Als Schreiner hat er damals die Kirchentüren hergestellt, die nun auch aufgefrischt daherkommen. Ernst Renold findet die Erneuerung des Bauwerks in allen Teilen gelungen. Ein Kompliment von Herzen aus berufenem Munde. Sicherlich stellvertretend für die ganze Gemeinde.



