Der ruhige Turm im Sturm

Othmarsingen Am Auffahrtsdonnerstag steht 2.-Ligist FC Othmarsingen erstmals seit 2003 wieder im Final des Aargauer Cups. Den Erfolg möglich machen sollen auch die Tore von Knipser Gezim Zeqiraj. Ein Porträt des 33-jährigen Torschützen vom Dienst.

<em>Könnte mit seinem Bart auch als Gitarrist der Rock-Combo ZZ Top durchgehen: </em>FCO-Sturmtank Gezim Zeqiraj. Foto: Ruedi Burkart<em/>
<em>Könnte mit seinem Bart auch als Gitarrist der Rock-Combo ZZ Top durchgehen: </em>FCO-Sturmtank Gezim Zeqiraj. Foto: Ruedi Burkart<em/>

Er ist zweifellos eine imposante Erscheinung auf dem Platz. Durchtrainierter Körper, wild spriessender Bart, fokussierter Blick, entschlossenes Auftreten. Und immer das gegnerische Tor im Visier. Neben dem Rasen jedoch ist Gezim Zeqiraj ein anderer Mensch. Der zweifache Familienvater lächelt und spricht mit fast schon leiser Stimme. Er wirkt besonnen, scheint die Worte abzuwägen. «Ich bin zufrieden, wie es läuft», sagt er. Und meint damit nicht nur den Fussball. Gesundheitlich ist er wieder auf dem Damm. Das war nach seiner schweren Schulterverletzung vor zwei Jahren ganz anders. Im letzten Meisterschaftsspiel des Jahres 2017 gegen Spreitenbach passierte das Malheur. Zeqiraj renkte sich bei einem Zusammenstoss mit einem Gegenspieler die Schulter aus und musste vom Platz weg ins Spital gebracht werden.

«Fussballspielen geht immer noch gut», sagt er schmunzelnd. Beruflich hatte der Vorfall indes gravierende Konsequenzen. Nach 16 Jahren in seinem Beruf als Metalldrücker musste sich Zeqiraj plötzlich neu orientieren. «Ich konnte mit meiner Schulter diese Arbeit nicht mehr ausführen, ich brachte schlicht die Kraft nicht mehr auf.» Ein Wechsel in einen Bürojob war für ihn keine wirkliche Option. Da tat sich plötzlich eine neue Möglichkeit auf. Zeqiraj machte sich selbstständig und verkauft nun Türen und Fenster. Er arbeitet mit einer Firma in der Region zusammen und scheint zufrieden zu sein, wie sich die geschäftlichen Dinge entwickeln. «Danke der Nachfrage, es läuft nicht schlecht.»

Mit Gegner auf Augenhöhe

Zurück zum Fussball. In einer Woche steht das grosse Spiel an, der Cupfinal gegen Ligakonkurrent Mutschellen. «Wir sind mit dem Gegner auf Augenhöhe, jeder Ausgang der Partie ist möglich», sagt Zeqiraj. In der laufenden 2.-Liga-Meisterschaft wurden die Punkte mit den Freiämtern geteilt, es gewann jeweils die Auswärtsmannschaft mit 1:0. «Wenn wir wollen, gewinnen wir gegen jede Mannschaft», sagt er. Mal wollen die Othmarsinger und gewinnen mit 3:2 gegen Leader Kölliken, mal wollen sie nicht und gehen gegen den Tabellenletzten Mellingen mit 2:4 unter. Am Donnerstag werden sie wollen – und gewinnen? Schliesslich ist der Aargauer Cupsieger automatisch für die erste Hauptrunde des nächstjährigen Schweizer Cups qualifiziert. Ein wenig Losglück vorausgesetzt winkt im Sommer ein Spiel gegen den FC Basel oder die Young Boys.

129 Tore in fünf Saisons

Seit 2014 und dem Aufstieg mit dem FC Othmarsingen versetzt Zeqiraj in der 2. Liga die gegnerischen Abwehrreihen mit schöner Regelmässigkeit in Angst und Schrecken. Sagenhafte 129 Meisterschaftstore erzielte er seither in knapp fünf Saisons. Dreimal durfte er an der Gala des Aargauischen Fussball-Verbands (AFV) den Pokal für den besten 2.-Liga-Torschützen entgegennehmen. Warum klappte es nie mit der ganz grossen Karriere? Der Kosovare lächelt und denkt ein paar Sekunden nach. «Wissen Sie, ich glaube, ich war als Junge einfach zu wenig bereit. Es gab für mich schon damals noch anderes als nur Fussball.» Wie auch für seine beiden sieben- und neunjährigen Söhne, bliebe noch anzufügen. Die sollen momentan laut ihrem Papa keine übermässig grosse Leidenschaft für den Fussball verspüren.

Der doppelte Final

Dem FC Othmarsingen winkt am Auffahrtsdonnerstag auf der Windischer Anlage Dägerli der zweifache Triumph. Um 17 Uhr greift das Fanionteam im 2.-Liga-Duell gegen Mutschellen nach den Sternen. Bereits um 12.30 Uhr spielen die Senioren 30+ des FCO gegen die Alterskollegen aus Würenlingen um den Cupsieg. «Wenn wir clever sind, kommts gut», sagt Beat Dünki, der beide Othmarsinger Teams coachen wird. (rubu)<em/>

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