Dem Abfall gehts an den Kragen

Der Rentner Kurt Born aus Holderbank sorgt seit zwei Jahren aus Eigeninitiative mit seinem Güselwagen dafür, dass achtlos Weggeworfenes dort entsorgt wird, wo es auch hingehört.

Einsammel-Prozedere: Erst kommt der Abfall in eine Tragtasche, dann wird er auf dem Güselwagen sortiert.

Einsammel-Prozedere: Erst kommt der Abfall in eine Tragtasche, dann wird er auf dem Güselwagen sortiert.

«Güselmaa» Kurt Born: Auf seinen Touren, hier beim Schümel, findet er vor allem PET-Flaschen, Alu-Dosen und Papier.Fotos: cfr

«Güselmaa» Kurt Born: Auf seinen Touren, hier beim Schümel, findet er vor allem PET-Flaschen, Alu-Dosen und Papier.Fotos: cfr

Meine letzte grosse Güsel-Sammel-Tour, die mich jeweils bis nach Wildegg führt, musste ich wegen des Sturms Burglind abbrechen», sagt Kurt Born. Der pensionierte Feinmechaniker ist seit zwei Jahren aus Eigeninitiative als «Güselmaa» in Holderbank und Umgebung unterwegs. «Dass ein heftiger Sturm aufzieht, war mir bewusst, deshalb wollte ich vorher noch all den Unrat einsammeln, der jeweils am Strassenrand und in den Sträuchern herumliegt», sagt er. Der Sturm war dann etwas schneller als Kurt Born. Als Blitz und Donner am Himmel aufzogen, brach er die Tour unverzüglich ab. «Auf dem Rückweg geriet ich in einen heftigen Hagelschauer. Ich wurde bis auf die Haut klatschnass. Da half nur noch eine heisse Dusche», erinnert sich der 70-Jährige.

«Bin kein Sauberkeitsfanatiker»

Achtlos weggeworfenen Sachen begegnet Kurt Born auf seinen Spaziergängen, die er mit seiner Frau Rosmarie macht, immer wieder. «Wir nahmen schon früher jeweils mit, was möglich war, um es dann korrekt zu entsorgen», sagt Born. Er sei kein Sauberkeitsfanatiker, aber es mache mehr Spass, unterwegs zu sein, wenn man nicht überall Abfall begegne.

Deshalb sah er sich vor zwei Jahren veranlasst, dem Übel anders zu Leibe zu rücken. Ein Bollerwagen wurde unverzüglich aus dem Keller geholt und zu einem Güselwagen umfunktioniert. Damit wurde Platz geschaffen für drei Güselsäcke, eine Greifzange, einen Laubrechen und einen Besen. Mit diesem Gefährt ist der Pensionär immer wieder mal unterwegs, um entweder die grosse Tour oder aber kleinere Routen, etwa im Schümel oder Richtung Schloss, abzulaufen. Was er an Abfall findet, wird sogleich sortiert und später bei der Entsorgungsstelle deponiert. «Seit ich das mache, wird offenbar nicht mehr so viel achtlos weggeworfen», freut sich Born.

Für seinen Einsatz wurde er sogar ein wenig entschädigt. «Eine zerknüllte Zehnernote habe ich mal gefunden.» Zudem werde er immer wieder auf seine Aktion angesprochen, die gut ankomme. «Mit meiner Arbeit möchte ich meinen ökologischen Fussabdruck möglichst klein halten», betont er.

«G¨üselmaa» und Tüftler

Der rüstige 70-Jährige ist jedoch nicht nur als «Güselmaa» unterwegs, sondern auch ein leidenschaftlicher Tüftler. «Am liebsten kreiere ich praktische Hilfsmittel, die das Leben einfacher machen. Etwa einen Deckelöffner oder eine Ventilgabel zum Öffnen der Ventile von Saftboxen.» Mit vier seiner Produkte, davon drei eigene Entwicklungen, wurde er bei der Stiftung arwo in Wettingen vorstellig. «Sie waren so begeistert von meinen Prototypen inklusive Konstruktionsplan, dass sie nun in Erwägung ziehen, diese in grösserer Menge zu produzieren», sagt der 70-Jährige.

Nicht genug. Kurt Born fotografiert auch für sein Leben gerne und verfasst immer wieder einmal Leserbriefe. Und wenn immer möglich, verbringen er und seine Frau viel Zeit mit ihren drei Enkelinnen. «Ich bin vielseitig interessiert, mir gehen die Ideen nie aus. Langeweile kenne ich nicht.» Sagts und macht sich auf, um in seiner Werkstatt an weiteren Erfindungen zu feilen.

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