Böse Erben und spukende Geister
Die Theatergemeinschaft «Tangram», Rupperswil, zeigt ihre neuste Inszenierung im Aarehaus Rupperswil: die Komödie «Diä spukendi Erbschaft» in drei Akten von Martina Worms. Premiere ist am 2. März.

Das Spiel ist simpel. Die Regeln überschaubar. Und dennoch ist Tangram mehr als blosser Zeitvertreib. Denn hinter den sieben Einzelteilen des chinesischen Lege- und Denkspiels verbirgt sich ein ganzer Kosmos, eine Weltsicht, eine Philosophie. Einer alten chinesischen Legende nach machte sich ein Mönch auf die Reise, um das Wesen der Schönheit dieser Welt auf einer Tontafel festzuhalten. Doch da zerbrach die Tafel in sieben Einzelteile. Bei dem Versuch, die Tafel zu einem Ganzen zusammenzusetzen, entstanden alle erdenklichen Formen und Figuren. Und sie alle waren voller Schönheit.
Tangram: Das steht für Freude, Flexibilität, Veränderung, den Mut, neue Wege zu gehen, Vielfalt und Kreativität. Und genau das haben sich die Schauspieler der Theatergemeinschaft «Tangram», Rupperswil, auf die Fahne geschrieben. Denn auf dieselbe Weise, wie die sieben Teile sich zu den verschiedensten Figuren formieren lassen, ergänzen sich die Charaktere, Schauspieler, Requisiten, Kulissen und Stücke zu immer neuen Gebilden. Dabei verpflichte der Name auch alle Beteiligten, offen zu bleiben für diverse Formen des Theaters, erklärt Vereinspräsidentin Ursula Rapolani.
In ihrer neusten Inszenierung der Theaterkomödie «Diä spukendi Erbschaft» in drei Akten von Martina Worms in schweizerdeutscher Bearbeitung werden die Schauspieler von «Tangram» ihrem Namen mehr als gerecht und wissen das darstellerische Spektrum bis auf den letzten Podiumswinkel auszukosten.
Die verfeindeten Geschwister Max, Kristina und Ursula Leutenegger erben ein altes Schloss und die Mittel, daraus ein komfortables Hotel zu machen. Doch nur unter einer Bedingung: Sie müssen zusammen vierzehn Tage im Schloss verbringen, ohne sich zu streiten. Als sei das noch nicht genug, mischt sich nun auch noch das bereits vor 400 Jahren verstorbene Geisterpärchen Ferdinandus und Jolanthe ins Geschehen, denn: Auf gar keinen Fall darf aus dem Anwesen ein gewöhnliches Hotel werden.
Disziplin und Herzblut
Seit mehr als zehn Jahren hält Regisseurin Monika Weber die Fäden des Laienensembles in der Hand und stellt bei der Rolleneinteilung ihre Menschenkenntnis sowie das Gespür für ihre Protagonisten unter Beweis, ohne dabei den Blick fürs harmonische Ganze aus den Augen zu verlieren.
«Das habe ich einfach in mir», gesteht die Regisseurin, die selbst viele Jahre als Schauspielerin im Ensemble mitwirkte. «Am meisten fasziniert mich am Inszenieren, praktisch aus dem Nichts heraus etwas zu schaffen, was sodann für alle erlebbar wird.» Und Weber spricht eine klare Sprache: «Ich erwarte Disziplin, Textsicherheit und Herzblut von den Schauspielern.»
Trotz allen Aufwands, den eine Inszenierung für alle Beteiligten mit sich bringt, ist es die Freude am Spiel und der Begegnung, die das Ensemble motiviert, sich den Herausforderungen zu stellen. «Ich spiele gerne bei ‹Tangram›. Mir gefällt es, in andere Rollen zu schlüpfen, und wir haben auch auf menschlicher Ebene immer viel Freude zusammen. Es geht um gemeinsame Zeit, den Spass und die Liebe zum Theater. Genau das ist es, was die Zuschauer sehen», erklärt der 25-jährige Dominik Hochuli.
Dominik Hochuli gehört zusammen mit Jens Barth (20) und Sarah Brügger (30) zu den jüngsten langjährigen Mitgliedern von «Tangram», dessen Gründung bereits auf das Jahr 1991 zurückgeht. Die junge Besetzung verhilft dem gesamten Ensemble zu der nötigen Frische.
Auf der Bühne im Aarehaus Rupperswil, bis in die kleinsten Ecken bespielt, schöpfen die zwölf Schauspieler während rund hundert Spielminuten durchwegs mit grossen Kellen aus dem Krug theatralischer Finesse und inszenieren ein Mundarttheater mit viel Feinsinn und Humor.
Infos und Aufführungsdaten findet man unter www.theater-tangram.ch
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