Bei einem Notfall zählt jede Sekunde
Möriken-Wildegg Seit Beginn dieses Jahres rückt die neu gegründete First-Responder-Gruppe der Feuerwehr Chestenberg und des Samaritervereins Lenzburg im Notfall aus. Bereits leistete die Gruppe 47 Einsätze.

Obwohl es sie noch nicht lange gibt, hat sich die First-Responder-Gruppe zu einer perfekt funktionierenden Einheit entwickelt. «Man kennt einander, weiss, dass man sich auf den andern verlassen kann und wir lernen auch viel voneinander», lautet die einhellige Meinung. Derzeit zählt die Gruppe 12 Mitglieder, die alle in einer der angeschlossenen Gemeinden – Holderbank, Niederlenz und Möriken-Wildegg – wohnen. Jedes Mitglied ist mit einem Erste-Hilfe-Rucksack und einem Defibrillator ausgerüstet und leistet den Dienst ehrenamtlich.
Die Hauptaufgabe der First Responder besteht darin, bei einem Notfall die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken. Sie sind alle über Pager direkt mit der Notrufzentrale verbunden und werden bei den vier Einsatzstichworten Atemnot, Brustschmerzen, bewusstloser Patient oder lebloser Patient aufgeboten. Bei einem Notfall zählt jede Sekunde, denn die Chancen für eine erfolgreiche Reanimation verringern sich mit jeder Minute.
Positive Reaktionen
Das Erscheinen der First Responder löst positive Reaktionen aus – vor allem Erleichterung, dass jemand kommt, der sich auskennt, aber auch Dankbarkeit, die Verantwortung für den Patienten abgeben zu können. Und manchmal auch Erstaunen: «Wer sind Sie?» Oder: «Sie waren aber schnell da.» Neben der medizinischen Hilfe für den Patienten geht es auch darum, die Angehörigen zu beruhigen. Sobald der Rettungsdienst eintrifft, übernimmt dieser den Patienten, kann dabei jedoch weiterhin auf die Unterstützung durch die First Responder zählen, sei es beim Transportieren von schweren Patienten oder beim Betreuen der Angehörigen.
Nicht immer kommt die Hilfe rechtzeitig. Ein Todesfall lässt auch die First Responder nicht unberührt. «Wenn wir nicht mitfühlen würden, wären wir Maschinen und könnten diese Arbeit nicht tun», sagt Ursi Kühni dazu.
Aus verschiedensten Berufen
Die First Responder stammen nicht alle aus dem medizinischen Bereich, haben jedoch IVR2/IVR3-Kurse absolviert und nehmen regelmässig an Übungen teil. Das älteste Mitglied (64) ist Pensionär, das jüngste (19) Fachmann Betreuung. Weiter gibt es unter anderem einen Rettungssanitäter in Ausbildung, eine Medizinstudentin, eine Hausfrau, einen Maschineningenieur, eine Informatikerin, einen Netzelektriker, zwei Mitglieder arbeiten in der Psychiatrie und im Notfall.
Es gibt keinen Pikettdienst; bei einem Alarm werden alle aufgeboten. Der Erste am Einsatzort beginnt mit der Reanimation, die Nachfolgenden unterstützen ihn nach Bedarf oder weisen auf der Strasse den Rettungsdienst ein.
Anliegen der Rettungskräfte
Damit die Rettungskräfte den Einsatzort schneller finden, äussert Elvira Schärer eine Bitte: «Die Haustüre sollte offen gelassen und beim Anruf in der Notfallzentrale der Name der betreffenden Wohnung angegeben werden. Ausserdem sollte nachts die Aussenbeleuchtung eingeschaltet werden und – dies gilt vor allem in Mehrfamilienhäusern – die Wohnung beleuchtet sein.»
Denn wie gesagt: Bei einem Notfall zählt jede Sekunde.
Nacht der offenen Tore
Zum Anlass des 150-jährigen Bestehens des Schweizerischen Feuerwehrverbandes SFV laden die Feuerwehren der Schweiz die Bevölkerung zu einem Blick hinter die Kulissen ein. Wie viele andere Feuerwehren der Region öffnet auch die Feuerwehr Chestenberg die Tore ihres Feuerwehrmagazins in Möriken am Freitag, 30. August, ab 18 Uhr. Das Programm umfasst Informationen über die Feuerwehr einst und heute, spezielle Attraktionen für die Kinder und Rundfahrten im Feuerwehrauto.
Auch die First Responder werden anwesend sein und die Gäste über ihre Arbeit informieren. Barbetrieb und Verpflegung vom Grill sorgen für eine gemütliche Atmosphäre des Anlasses. Die Feuerwehrleute freuen sich auf zahlreiche Besucher. (do)