«Am laufenden Band» in die Oberegg
Mit dem nun offiziell eingeweihten, über zwei Kilometer langen Förderband zwischen dem Zementwerk Wildegg und dem Steinbruch Oberegg wollen die Jura-Cement-Fabriken (JCF) der Bevölkerung die Natur wieder zurückgeben.

Das Grossprojekt rückt die Rekultivierung sowie Renaturierung der Oberegg in Griffnähe und beschleunigt die angestrebte Verkleinerung der offenen Steinbruchflächen, ohne die regionalwirtschaftlich bedeutende Kalkgewinnung zu gefährden.
Das grösstenteils per Bahn angelieferte Material stammt überwiegend aus Tunnelbauten und weiteren Grossprojekten in der Region. Ab nächstem Frühjahr wird hauptsächlich Gesteinsmaterial aus dem Bözbergtunnel in die Oberegg gelangen, später auch Material aus dem geplanten Tunnelbau am Gubrist.
Für dieses ambitionierte Projekt lässt die JCF das Material bis zu fünfmal täglich mit der Bahn in das Zementareal anliefern. Die ersten Anlieferungen, die noch weiteren Tests der Förderanlage dienen, kommen aus dem Eppenbergtunnel, der jetzt im Bau ist.
Oberegg wird intakter Naturraum
Die Förderbandanlage kann künftig stündlich bis zu 600 Tonnen Material von der neu erstellten Lagerhalle im JCF-Areal über die Aare und quer durch den Steinbruch Jakobsberg befördern.
Am Donnerstag, 22. Juni, wurde dieses kostenintensive Vorhaben – die JCF hat rund 15 Millionen Franken investiert – Vertretern der umliegenden Gemeinden und im Beisein von Grossrätinnen und Grossräten sowie zahlreichen Gästen und Partnerfirmen vorgestellt.
«Wir betreten mit dieser Anlage Neuland», gestand Hans-Peter Meyer, Managing Direktor JCF, «in der Branche löste dieses Vorhaben Kopfschütteln und Unverständnis aus. Der Glaube an den Produktionsstandort Wildegg bestärkt uns aber, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben.»
Marcel Bieri, Leiter Produktion Zement Schweiz, schaute geschichtlich mehrere Millionen Jahre zurück. Aber speziell erwähnte er die letzten 125 Jahre, in denen die JCF in Wildegg Zement produzierte. «Schauen wir aber auch 125 Jahre in die Zukunft – was ist dann?», fragte er die geladenen Gäste.
«Kann JCF dann noch Zement produzieren? Brauchen wir dann überhaupt noch Zement oder werden Häuser auf einem 4D-Drucker hergestellt?» Und dann zählte Marcel Bieri rückwärts von 10 bis 1 und drückte den grossen roten Knopf, der die Förderanlage Wildegg–Oberegg in Betrieb setzte.
Fussmarsch zum Flying Dinner
Wer keine Höhenangst hatte, fasste einen roten Helm und die gelbe Weste und ging zu Fuss zur Zwischenstation Jakobsberg. Von der Entladehalle gings aufwärts quer durch das JCF-Areal zum ersten Höhepunkt der «Wanderung entlang dem Förderband».
Die Aareüberquerung war pure Faszination: Fast auf gleicher Höhe ging der Blick zum Schloss Wildegg, weiter über Holderbank und den Effingerhort bis zur Habsburg. Auch der Blick hinunter auf die Aare war eindrücklich. Dann gings unter der Auensteinerstrasse hindurch und wieder hinauf in den Steinbruch Jakobsberg, wo die verdiente Stärkung stattfand.
Die Getränke lagerten eisgekühlt in der Dumper-Ladeschaufel, die kulinarische Stärkung kam «am laufenden Band». Anders als beim Gepäckband am Flughafen konnten hier feinste Leckereien ausgewählt werden. Es lohnte sich, auch mal länger stehen zu bleiben – das Angebot war verlockend vielseitig.



