Aargauer Duo mischt Zürcher Tatort auf

Möriken-Wildegg Der neue Krimi von Gerhard F. Sporis und Urs Scheidegger führt tief in die Abgründe von Zürich – und der menschlichen Seele.

Mischen mit Aargauer Feder einen Zürcher Tatort auf: Urs Scheidegger und Gerhard F. Sporis.Foto: zvg

Ein schäbiger Hinterhof in Zürich, ein Geflecht aus Geheimorganisationen, sechs Tote – und mittendrin zwei Kommissare, die um Gerechtigkeit ringen: In ihrem zweiten gemeinsamen Roman «Mörderisches Refugium» lassen die Aargauer Autoren Gerhard F. Sporis aus Möriken-Wildegg und Urs Scheidegger aus Aarau ihre Figuren erneut durch ein brisantes Spannungsfeld aus Macht, Moral und Menschlichkeit ermitteln. Und das mit einem klaren Anspruch: «Wir wollen aktuelle Themen aufgreifen», sagen die beiden im Gespräch. «Diesmal ist es Migration – ein Thema, das polarisiert, Ängste schürt, aber auch Empathie und neue Sichtweisen wecken kann.»

Tatsächlich wagt sich das Duo an heikle Fragen: Wie geht es Asylsuchenden in der Schweiz wirklich? Wo enden Mitgefühl und Gerechtigkeit – und wo beginnt die Ausnutzung? Die Geschichte spielt im Schatten der Zürcher Gassen, wo ein Verbrechen das nächste jagt und niemand weiss, wem man trauen kann. «Unser Ziel ist es, Vorurteile zu hinterfragen und den Leserinnen und Lesern neue Perspektiven zu eröffnen», sagt Scheidegger.

Pingpong mit Worten

Spannend ist nicht nur der Inhalt des Buchs, sondern auch seine Entstehung. Sporis und Scheidegger schreiben abwechselnd, ohne zu wissen, wie der andere die Geschichte weiterführen wird. «Wir werfen uns den Ball zu, manchmal führt das zu Überraschungen – auch für uns selbst», erzählt Sporis. Der Mord stand fest – doch wer der Täter war, blieb bis zum Schluss auch den Autoren verborgen. Dass dabei unterschiedliche Schreibstile und Sichtweisen aufeinandertreffen – Sporis liebt die Details und das Zwischenmenschliche, Scheidegger bringt das Gesellschaftliche ins Spiel –, macht den Reiz der Erzählung aus.

Der Dialog zwischen den beiden, so schildern sie, sei intensiv – nicht selten werde bei einer Pizza leidenschaftlich diskutiert, wenn ein Ausdruck zu direkt, eine Szene zu harmlos erscheint. Doch gerade aus dieser Reibung entstehe Tiefe. «Die Gegensätze – weiblich/männlich, jung/alt, weltoffen/konservativ – spiegeln sich in den Figuren wider», meint Scheidegger. «Und lassen der Leserschaft die Wahl, mit wem sie sich identifizieren will.»

Ein Roman als Denkanstoss

Trotz aller Spannung: «Mörderisches Refugium» versteht sich nicht nur als Krimi, sondern auch als Einladung zum Reflektieren. «Wir wollen unsere Leser zum Denken anregen», betont das Duo. «Was ist gerecht? Was ist menschlich? Und wie sehr lassen wir uns von Vorurteilen leiten?» Dass dabei auch Kritik an politischen Entscheidungen anklingt, ist gewollt – ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben. Dass ihre Geschichten wirken, zeigt das Feedback: Eine Leserin hielt den Roman für einen Tatsachenbericht. «Das hat uns überrascht – und auch ein bisschen geschmeichelt», so Sporis. Andere lobten die Vielschichtigkeit und die Entwicklung der Erzählweise im Vergleich zum ersten Buch «Banker sterben ungebremst».

Im Eigenverlag veröffentlicht

Wie bereits der erste Roman erscheint «Mörderisches Refugium» im Selbstverlag. Das bedeutet: kein Lektorat, keine Marketingabteilung, keine Buchmesse – dafür viel Eigenverantwortung. Der Aufwand ist gross, der Lohn gering – zumindest finanziell. «Wir verdienen damit kein Geld», sagen beide. «Aber wenn unsere Leser sagen, da muss ein dritter Fall her, dann fühlen wir uns fast verpflichtet, weiterzumachen.» Und tatsächlich: Die Idee für eine neue Geschichte existiert bereits. Wieder soll ein aktuelles Thema im Zentrum stehen. Eines, das bewegt und beschäftigt. Was bleibt, ist ein Buch, das Herz und Verstand zugleich fordert. Ein düsteres Märchen für Erwachsene, das mehr sein will als bloss Krimiunterhaltung. «Unsere Leser sollen nach der letzten Seite nicht einfach abschliessen, sondern etwas mitnehmen – für den Kopf und fürs Herz.»

«Mörderisches Refugium» von Gerhard F. Sporis und Urs Scheidegger, 19 Franken, erhältlich bei der Buchhandlung Otz oder unter gfs-publikationen@gmx.ch.

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