2700 Zigaretten in sechs Stunden
Holderbank Kurt Born aus Holderbank hat ein spezielles Hobby – er sammelt all den Abfall auf, den andere achtlos zu Boden werfen. Seine letzte grössere Güsel-Sammeltour galt den Zigarettenstummeln.

Meine Tour führte mich der Hauptstrasse entlang, von Holderbank Richtung Wildegg und wieder zurück», sagt Kurt Born, nach der rund 6-stündigen Güseltour. «Auf diesem Streckenabschnitt habe ich nicht weniger als 513 Gramm Zigarettenstummel eingesammelt. Das sieht in der Plastiktüte nicht nach sonderlich viel aus, doch entspricht dies ungefähr 2700 Zigaretten», erklärt der 71-Jährige. Um zu dieser Zahl zu kommen, hat er einfach 100 Kippen gewogen und auf die 513 Gramm hochgerechnet. Die einzelnen Zigarettenstummel hat er mit der Greifzange aufgelesen oder mit dem Besen zusammengewischt. Entsorgt werden sie nun dort, wo sie hingehören, im Kehrichtsack. Wie kam es dazu, dass sich Kurt Born auf seiner aktuellen Tour gerade explizit der Kippen angenommen hat? «Mich hat einfach interessiert, was es für die Natur, die Umwelt bedeutet, wenn Zigarettenstummel weggeworfen werden», sagt er.
Er will kein Moralapostel sein
Dazu hat er im Internet recherchiert und unter anderem diese Aussage von der Umweltberatung Luzern gefunden: «Ein einziger Zigarettenstummel kann 40 Liter Wasser verschmutzen. Die krebserregenden Schadstoffe können sich in Fischen anreichern und landen so auf unserem Teller. Zudem verursachen die Zigarettenstummel enorme Reinigungskosten, welche die Öffentlichkeit und somit der Steuerzahler übernehmen muss. Zigarettenstummel brauchen viele Jahre, bis sie verrotten. Die im Filter zurückgehaltenen Giftstoffe gelangen in die Umwelt und gefährden Mensch und Tier. Wenn Kleinkinder, Wild- oder Haustiere Zigarettenstummel verschlucken, kann das zu schweren Vergiftungen führen. Deshalb die Zigarettenstummel immer im Abfall entsorgen und nicht ins WC oder auf den Kompost werfen.»
Er sei kein Moralapostel, betont Kurt Born, und er wolle den Rauchern das Rauchen nicht vermiesen. Er wolle mit seiner Sammelaktion nur zeigen, dass achtlos weggeworfene Sachen Dimensionen annehmen können, an die man gar nicht denkt. «Die Kippen lassen sich übrigens wunderbar in einem schmucken Aschenbecherdösli für unterwegs verstauen», sagt er.
Der 71-Jährige sammelt normalerweise nicht nur Kippen auf, sondern alles, was ihm auf seinen regelmässigen Güseltouren oder auf den Spaziergängen mit seiner Frau Rosmarie begegnet. «Schon als Kinder wurden wir von unseren Eltern dahingehend erzogen, nach einem Picknick nichts liegen zu lassen. Und auch dazu, gleich noch das mitzunehmen, was andere nicht weggeräumt haben», sagt Born. Diese «Tradition» hat er seiner Familie weitergegeben. «Unsere älteste Enkelin geht in die dritte Klasse. Nach der Schule kommt sie immer etwas später heim als all die anderen. Der Grund – sie ist am Fötzelen», sagt der stolze Grossvater schmunzelnd.
Wenn Kurt Born nicht gerade auf Güseltour ist, ist er gerne mit der Kamera unterwegs. Sein neuestes Sujet ist der Mond, den er in allen Facetten festzuhalten versucht. Und für die älteste Enkelin zimmert er ein Puppenhaus. Zudem tüftelt er immer wieder an neuen Erfindungen herum.
Erfreulich: Der Abfall wird weniger
«Langweilig wird es mir nie, weder mit dem Güsel noch sonst», sagt er lachend und fügt an: «Es ist jedoch schön zu erleben, dass ich auf meinen Touren immer weniger Abfall finde. Auf meiner ersten vor fünf Jahren war dies noch ganz anders.»



