Wolken
Schatzkammer

Wer erinnert sich noch an die Freilichtausstellung vor 20 Jahren, als auf dem Gofi das «Karussell» thronte? Jenes Kunstwerk fand im Rahmen der Neubenennung des Gertrud-Villiger-Platzes 2007 den Weg ins Städtli. Im Ikonenmuseum zeigt sich mit der Ausstellung «Wolken» (bis 1.11.2026) und den teils erstmals öffentlich ausgestellten Arbeiten eine andere Seite der Künstlerin. Interessant ist insofern, als dass sich zu Whites mächtigen Stahlbauten hier filigranere Plastiken, malerische Zeichnungen und poetische Konstruktionen gesellen. Die erstaunliche tänzerische Leichtigkeit durchflutet sie beide – ihre grossen wie die kleinen Werke.
Die Wolke wiederum, als mehrschichtiges Motiv und fluides Element, durchdringt im Denken und Schaffen der Künstlerin die Strukturen, Rahmen und die rationale Ebene. Im sakralen Kontext der Heiligenbilder kommt der Wolke ein symbolischer Gehalt zu – als Sitz des himmlischen Herrschers in Verbindung mit der Taube des heiligen Geistes sowie mit dem Dreieck und dem Auge für die allmächtige Dreifaltigkeit. Wie in Barockkirchen ist bei Ikonen der Himmel als Erscheinungsort Gottes und der himmlischen Heerscharen dargestellt – allein schon deswegen, weil er unendlich gross, nicht messbar, ja in seiner ganzen Dimension nicht begreifbar ist. Und genau hier, in der Transzendenz, berührt Gillian Whites Werk diese geistige Ebene. Auch ihre Schöpfungen drapieren Himmel und Erde, ja spielen mit ihrer Gegensätzlichkeit. Die Dualität ihres Kosmos besteht aus der neblig-durchfliessenden Wolke und dem geometrisch-rationalen Firmament. Der Regenbogen als meteorologisches Phänomen erscheint im biblischen Sinn als göttliches Versöhnungszeichen nach der Sintflut im Zusammenhang mit der Friedenstaube. Bei Gillian White ist das schillernde Farbenspiel Ausdruck ihrer unendlichen Neugier und Faszination für das Schöpferische als Quelle der Inspiration.
Das Wolkenbild im Schulhaus in Obersiggenthal (1974), der Regenbogen-Wolken-Brunnen in Zofingen (1979), das Regenbogenbild im Kantonsspital Ilanz (1985) oder die Wandbilder im Regionalspital Rheinfelden (1985) und in der Klinik Freihof Baden (1989) zeugen von Whites ausdauernder und leidenschaftlicher Suche nach der vollendeten Form.
«Schatzkammer». Hier stellen Mitarbeitende des Museums Burghalde Lenzburg jeweils spannende Geschichten und originelle Fundstücke vor.



