Neue JCI-Schweiz-Präsidentin: «In der Region schlummert Riesenpotenzial»
Lenzburg Der Verein JCI Schweiz ist ein Netzwerk junger Führungskräfte. Die Lenzbur-gerin Bianca Mertens wurde neu als Präsidentin gewählt, sie hat ambitionierte Pläne im Kanton.

Junior Chamber International (JCI) ist ein weltweites Netzwerk mit rund 200000 jungen Führungskräften, Unternehmerinnen und Unternehmern und engagierten Menschen im Alter von 18 bis 40 Jahren. Das Netzwerk will helfen, diese Verantwortungsträger zu vernetzen und sie zu fördern. Auch in der Schweiz gibt es einen Ableger. Die neue Präsidentin Bianca Mertens ist in Lenzburg wohnhaft. Ironischerweise gibt es in jedem Kanton JCI-Gruppen – ausser im Aargau. Für ihr Präsidialjahr hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, das zu ändern. «Ich sehe in der Region um Lenzburg und Aarau ein Riesenpotenzial», erklärt sie. Denn an fleissigen Jungunternehmern fehle es nicht.
«Unsere Stärke ist die Offenheit»
Bianca Mertens ist belgische Staatsbürgerin und seit 13 Jahren JCI-Mitglied. Hinzugekommen ist sie durch Neugier: «Ich war fertig mit dem Studium und suchte ein Netzwerk, wo ich mein theo-retisch erlangtes Wissen praktisch einsetzen konnte.» Das war noch in Belgien. Als sie in die Schweiz zog, wollte sie bei JCI Schweiz mitmachen. Die Faszination der JCI-Vereinsarbeit war für sie schon seit Beginn, dass man mit allerhand Leuten in Kontakt tritt. Es handelt sich nicht um einen weiteren Studi-Verein. «Unsere Mitglieder kommen aus allen Schichten.» Krankenpflegerinnen oder Küchenchefs sind im Verein genau so gerne gesehen wie Bankerinnen oder Hochschulprofessoren. «Unsere Stärke ist die Offenheit. Nur wenn wir uns aus allen Bereichen der Gesellschaft und Branchen heraus austauschen, schaffen wir Veränderung und entwickeln uns weiter», ist sie sich sicher.
Eine Schweiz, aufgeteilt in 62 Kammern
Wundern sich viele über den Kantönligeist der Schweiz, sind Diversifizierung und der darauf abgestimmte Fokus auf Vielfalt auch bei JCI ein Erfolgskonzept. Die Schweiz ist im Verein auf 62 Kammern mit über 3000 Mitgliedern verteilt. Darin gibt es eigene Strukturen und bedürfnisgerechte Aktionen und Programme. Dem Ziel, Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft zu vernetzen, kann so effektiv Folge geleistet werden. Als Präsidentin der Schweiz möchte die Lenzburgerin JCI auch im Kanton Aargau aufbauen. Zwar gab es schon Kammern im Kanton, jedoch sind sie über die Jahre eingegangen. «In Baden orientiert man sich nach Zürich, im Berner Aargau werden Kammern in Olten oder Bern spannend», erklärt Bianca Mertens. Auch Basel sei attraktiv. Sie versteht das, aber: «Der Aargau ist ein interessanter Kanton mit spannenden Menschen und vielen Arbeitsplätzen. Wir müssen uns auf diese Stärke berufen und hier etablieren.» Die Belgierin scheint mehr Aargauerin zu sein als viele Alteingesessene.
«Ich bereue keinen einzigen Tag»
Bianca Mertens meint, die meisten ihrer professionellen Erfolge seien auf das Engagement von JCI zurückzuführen. «Ich habe mich durch die Vereinsarbeit unglaublich weiterentwickelt.» Als Beispiel nennt sie den JCI-Weltkongress 2023. Sie war für die Werbung verantwortlich. «Ich telefonierte und vernetzte mich mit Menschen aus allen Kontinenten. Wer kann das schon von sich sagen?», meint sie und lacht. Mittlerweile ist sie teils selbstständig und meint, das nötige Selbstvertrauen für diesen Schritt habe sie nicht an der Uni, sondern durch JCI gefunden. «Ich bereue keinen Tag im Verein», meint sie. Dennoch sei es wichtig zu verstehen: Wer nur profitieren möchte, der ist bei diesem Verein falsch aufgehoben. Zwar bietet man Netzwerke, Plattformen und Kurse an. Doch man erwartet auch etwas zurück: «Wir wollen, dass unsere Mitglieder ihre Komfortzone verlassen und interne Verantwortung übernehmen und sich Herausforderungen stellen. Denn nur so entwickeln wir uns weiter.» So kommt es, dass es in den Vorständen auch keine Sitzkissenwärmer gibt. «Jedes Amt hat man für ein Jahr inne. Dann kommt jemand Neues», erklärt sie. Und das Rezept bekommt dem Verein gut. Gegründet wurde dieser vor 111 Jahren in St. Louis in Amerika. Seither ist der Verein gewachsen und in über 100 Ländern aktiv. Auch heute könne man sich nicht über Mitgliederschwund beklagen. Es gebe zwar einen Trend, der einen Rückgang bei Neumitgliedern aufzeigt. Jedoch nicht, dass ein Wachstum der Mitgliederzahlen in Gefahr sei. «Junge Menschen vernetzen sich noch immer gerne. Man muss sie nur abholen», meint Mertens zufrieden.



