Rang 11 bei Olympia:Möriken-Wildegg feiert Ramona Härdi
Möriken-Wildegg Mehr als 150 Einwohnerinnen und Einwohner, ein bis auf den letzten Platz gefüllter Gemeindesaal und minutenlanger Applaus: Möriken-Wildegg bereitete seiner Olympionikin Ramona Härdi am Dienstagabend einen begeisterten Empfang
Mit dem Final im olympischen Massenstart ging für Ramona Härdi am vergangenen Samstag in Milano Cortina eine intensive Zeit zu Ende. Wochen voller Rennen, Trainings, Besprechungen und gemeinsamer Erlebnisse kulminierten in einem Wettkampf, der für das Schweizer Eisschnelllaufen bereits vor dem Start historische Bedeutung hatte: Erstmals standen zwei Schweizerinnen im olympischen Final.
Gemeinsam mit Kaitlyn McGregor startete Ramona Härdi im Frauen-Massenstart über 6400 Meter. Beide gingen mit Aussenseiterchancen ins Rennen – versteckten sich aber nicht. Schon früh positionierten sich die beiden Schweizerinnen aktiv im Feld und griffen bei den Zwischensprints an. Als sich das Tempo im letzten Rennabschnitt deutlich erhöhte, konnten sie nicht mehr eingreifen. Olympiasiegerin wurde die Niederländerin Marijke Groenewoud vor der Kanadierin Ivanie Blondin und der US-Amerikanerin Mia Manganello.
McGregor sicherte sich insgesamt fünf Punkte und lief auf Rang sechs, was ein Olympiadiplom bedeutete. Härdi holte ebenfalls Punkte und klassierte sich auf Rang elf. «Ich war zuerst überglücklich, den Final erreicht zu haben. Die Nervosität war dort nicht mehr so gross wie noch im Halbfinal. Trotzdem war es sehr unruhig im Feld und ich hatte Mühe, in den ultimativen Fokus zu kommen – mein Kopf war voller Gedanken. In erster Linie konnte ich aber geniessen und einfach mein Ding durchziehen.»
Endspurt nicht wie geplant
Dass der geplante Angriff im Schlusssprint nicht wie vorgesehen funktionierte, sei schade gewesen. «Der Plan war, in der Hälfte des Rennens gemeinsam mit Kaitlyn anzugreifen. Leider habe ich ihren Anschluss im hektischen Feld verloren. Ich bin aber stolz, dass ich mir trotzdem noch zwei Sprintpunkte holen konnte.» Trotzdem überwiegt die Zufriedenheit. «Allein, dass wir erstmals mit zwei Schweizerinnen im Final standen, bedeutet mir sehr viel.»
Die Tage in Italien waren geprägt vom Miteinander. Das Schweizer Team verbrachte viel Zeit gemeinsam – auch mit Athletinnen und Athleten, die selbst nicht im Final standen. Gerade in einer kleinen Sportart entstehe daraus eine besondere Dynamik, sagt Härdi. Nicht nur die Kolleginnen und Kollegen vor Ort, sondern die gesamte Eisschnelllauf-Mannschaft, auch jene ohne Olympiaeinsatz, trage den Zusammenhalt. Umso schwerer traf Härdi und McGregor der Halbfinalsturz von Teamkollegen Livio Wenger. Der Luzerner hatte taktisch alles auf den Final ausgerichtet und lag kurz vor Schluss in aussichtsreicher Position, ehe er stürzte und ausschied – nach den knappen Entscheidungen bei früheren Spielen eine weitere Enttäuschung.
Neben den Wettkämpfen prägten viele kleine Augenblicke die Spiele: Begegnungen im olympischen Dorf, das gemeinsame Verarbeiten nach den Rennen, das Beobachten anderer Disziplinen und das Warten auf den eigenen Start. «Da ich nur für den Massenstart im Eisschnelllauf da war, musste ich lange warten, was zusätzlich Druck aufgebaut hat», so Härdi. Dieser Druck habe sich spätestens im Halbfinal aufgelöst. «Die Wochen im olympischen Dorf gaben mir unglaublich viele Eindrücke, neue Bekanntschaften und Erlebnisse. Die Schwierigkeit bestand darin, auch einmal herunterzufahren. Ich habe es sehr genossen, das alles mit meinem Team erleben zu dürfen.» Gern erinnert sie sich auch an die Schlussfeier am Sonntag in Verona: «Der perfekte Abschluss dieser unvergesslichen Spiele – einfach atemberaubend und emotional.»
Feierlicher Empfang zuhause
Knapp zwei Tage später versammelten sich am Dienstagabend mehr als 150 Einwohnerinnen und Einwohner zum Empfang. Der Gemeindesaal war zum Bersten voll, frenetischer Applaus begleitete den Einzug der Olympionikin.
Gemeindeammann Jeanine Glarner würdigte in ihrer Ansprache die Leistung und den Weg der Athletin: «Diesen Empfang in deinem Möriken hast du dir mehr als verdient, liebe Ramona.» Sie erinnerte auch an eine frühere Begegnung: «2022 haben wir uns zufällig in St. Moritz getroffen. Damals hast du den Sprung nach Olympia knapp verpasst. Wir haben abgemacht, dass du 2026 wieder dabei sein wirst, und du hast es geschafft. Du bist unsere Olympionikin, du hast geschafft, wovon viele träumen – herzliche Gratulation.» Nach der Ansprache folgte ein herzliches und humorvolles Gespräch mit SRF-Sportkommentator Calvin Stettler. Er führte mit viel Humor durch den Olympiarückblick – von der Reise über das Olympiadorf bis zum Wettkampftag selbst. Und zum Schluss natürlich der Blick auf die Zukunft: Wird Härdi 2030 wieder dabei sein? «Ich glaube nicht», sagte die Mörknerin. Sie möchte nach dem Studiumabschluss an der HF und einer Ferienreise Ende März ihre sportliche Karriere langsam ausklingen lassen und sich neuen Aufgaben widmen.
Nach dem offiziellen Teil nutzten Kinder, Familien und Sportinteressierte die Gelegenheit für Gespräche, Fotos und Autogramme. Fahnen wurden unterschrieben, Fragen gestellt, Erinnerungen festgehalten. «Ich wohne schon mein ganzes Leben in Möriken – es ist meine Heimat. Ich freue mich sehr, diesen Meilenstein meiner Karriere mit meinem Dorf und meinen Liebsten zu feiern, und bin unglaublich dankbar für diesen Empfang.»
Mit dem Empfang fand die unmittelbare Olympiaphase für Ramona Härdi ihren Abschluss. Die Rennen sind gefahren, die Resultate stehen fest – geblieben sind Eindrücke, Emotionen und ein Teamgefühl, das über die Wettkampftage hinausreicht. Zwischen internationaler Bühne und Dorfplatz zeigt sich: Die olympischen Momente entstehen auf dem Eis – ihre Bedeutung entfaltet sich zuhause. Eines ist klar: Möriken-Wildegg feiert seinen Olympiastar – und das zu Recht.











