Von der Dose auf die Bühne:Gelungene Premiere auf dem Staufberg
Staufen Ravioli im Festzelt, Regen auf der Bühne: Die Premiere von «Hero – Geschichten mit Herz» auf dem Staufberg wurde am vergangenen Donnerstagabend zu einem nassen, aber umjubelten Theaterabend. Während das Publikum unter der gedeckten Tribüne im Trockenen sass, spielte das Ensemble vor ausverkauften Rängen bravourös dem Wetter entgegen.
Wer vor der Premiere von «Hero – Geschichten mit Herz» im Festzelt Ravioli bestellte, bekam gewissermassen schon den ersten Vorgeschmack auf den Abend serviert. Nicht nur kulinarisch, sondern auch thematisch: Das Freilichttheater Staufberg widmet sich in seiner neuen Produktion der Geschichte der Lenzburger Konservenfabrik Hero – und damit einem Stück Industriegeschichte, das in der Region bis heute nachhallt.
Schauspieler trotzten dem Wetter
Am Donnerstagabend feierte das Stück auf dem Staufberg Premiere. Die Ränge waren ausverkauft, die Stimmung erwartungsvoll, das Wetter allerdings alles andere als gnädig. Es goss in Strömen, dazu bliesen Wind und Kälte über den Staufberg. Während das Publikum auf der gedeckten Tribüne im Trockenen sass, hatten die Schauspielerinnen und Schauspieler keine Wahl: Sie spielten während der gesamten Aufführung im Regen. Und sie taten es, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.
Genau darin lag eine der grossen Stärken dieses Abends. Niemand liess sich etwas anmerken, niemand spielte gegen das Wetter an, niemand verlor an Präsenz. Im Gegenteil: Das Ensemble hielt die Spannung, die Spielfreude und den Rhythmus bis zum Schluss hoch. Besonders die Kinder sorgten immer wieder für starke Momente. Sie brachten eine Natürlichkeit und Frische auf die Bühne, die berührte und dem Stück viel Wärme verlieh.
Erzählt wird die Geschichte der Hero, angefangen bei den Anfängen der Lenzburger Konservenfabrik über ihre Entwicklung, ihre Produkte, ihre Mitarbeitenden und die Bedeutung, welche das Unternehmen für Lenzburg und die ganze Region hatte. Im Zentrum stehen dabei nicht bloss Konservendosen, Gemüse und Fabrikmauern, sondern Menschen: jene, die mit anpackten, hofften, lachten, liebten und mit der Firma verbunden waren. Das Stück schafft es, Firmengeschichte nicht trocken abzuhandeln, sondern sie in persönliche Geschichten einzubetten. So wird aus Industriegeschichte ein Heimatstück mit Herz.
Die Inszenierung lebt von vielen liebevollen Details, vom Zusammenspiel der Generationen und von Szenen, in denen Humor und Wehmut nahe beieinanderliegen. Die musikalischen Einschübe verleihen dem Abend eine eigene Farbe und unterstreichen den volkstümlichen Charakter des Stücks. Gerade weil das Ensemble im gesprochenen Spiel so stark ist, hätte man ihm da und dort noch etwas mehr Raum gewünscht. Dem Gesamteindruck tut dies jedoch keinen Abbruch: Getragen wird der Abend von grossem Einsatz, viel Spielfreude und einer spürbaren Leidenschaft für diese Geschichte.
Tosender Applaus und Ravioli
Am Schluss erhob sich das Publikum von den Sitzen. Standing Ovations, tosender Applaus – ein verdienter Lohn für ein Ensemble, das an diesem Abend nicht nur spielte, sondern dem Wetter trotzte. «Hero – Geschichten mit Herz» ist ein sehenswertes Freilichttheater, das bei trockenem Wetter wohl noch mehr Freude macht – auf der Bühne ebenso wie davor. Und weil der Abend konsequent bis ins Detail gedacht war, gab es für alle Zuschauer zum Abschied eine Büchse Ravioli mit auf den Heimweg. Ein passendes Souvenir für ein Stück, das zeigt, dass in einer Konservendose – und in einem Theaterabend – manchmal mehr Geschichte steckt, als man auf den ersten Blick vermutet.



















