Achtsam ohne Klagen?

tipp zum Alltag

Horst Hablitz

Horst Hablitz

 Illustration: zvg

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Meine Partnerin hat es hart getroffen: Vor eineinhalb Jahren wurde ihr die Stelle als Buchhändlerin mit den Worten gekündigt (O-Ton): «Um 17 Uhr schliessen Sie den Laden ab. Morgen brauchen Sie nicht mehr wiederzukommen.» Insolvenz – einen Tag vor Lohnauszahlung! Nach kurzer Arbeitslosigkeit findet sie eine adäquate Stelle in einer neu eröffneten Buchhandelfiliale. Sie ist glücklich, kann sich schnell einarbeiten, findet ihren Platz in einem sehr angenehmen Arbeitsteam.

Vor drei Wochen erhielt sie erneut die Kündigung: Die Konzernpolitik setzt nun gänzlich auf den Online-Handel; alle Buchhandelfilialen werden im Laufe des Jahres geschlossen werden.

Mit 60 Jahren steht meine Partnerin wieder vor den Toren des RAV. «Traurige Geschichte», denken Sie jetzt vielleicht, liebe Leserin und lieber Leser. «Ein weiteres Opfer der Digitalisierung. – Aber: Was hat die Geschichte mit Achtsamkeit zu tun?»

Diejenigen Menschen, die sich dazu entschlossen haben, ihrer Mitwelt und sich selbst mit Achtsamkeit zu begegnen, dürfen die eigentlich klagen? Sich gar beschweren? Protestieren? Haben die sich eigentlich nicht dazu «verpflichtet», die Lebensereignisse in geradezu stoischer Gelassenheit so anzunehmen, wie sie nun einmal sind? Bei dieser Frage suche ich einmal mehr Zuflucht bei meiner Lieblingsdefinition des Begriffes Achtsamkeit: «Bemerken, was geschieht – und erinnern, was hilft und heilt» (Sylvia Wetzel).

Ja, ich bin der festen Überzeugung, dass es Zeiten gibt, da wir unser Schicksal – wie Hiob im Alten Testament – beklagen und uns sogar «in der Asche unserer Trauer wälzen» (Steve Biddulph) dürfen. Nach dieser Zeit stehen wir wieder auf – wie der Phoenix aus der Asche – und erinnern uns, was uns kräftigt: das vertrauensvolle Gespräch mit anderen Menschen, soziales Engagement für die Menschen, die am Rande unserer Gesellschaft stehen, und gelebte Spiritualität.

«Tipp zum Alltag». Hier schreiben Dozenten des CAS-Studienlehrgangs Achtsamkeit in Lenzburg jeweils über psychologische Aspekte im Alltag. Die Autoren wechseln sich ab.

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