Winterruhe
tipp zum Alltag
Ich gebe es zu. Ich liebe es. Ich liebe es, wenn es schneit. Ich meine nicht den «Pflotschschnee», der uns beim Gehen auf der Strasse nasse Füsse beschert. Nein, ich meine den Schnee, den wir in den letzten Wochen geniessen durften. Eine weisse Pracht, die den Boden sanft bedeckt. Klirrende Kälte, die den Schnee liegen lässt und diese ganz spezielle Stimmung erzeugt: Stille, Ruhe, Reinheit und sogar einen gewissen Frieden. Die Natur, die schläft und sich erholt.
Auch bei uns geht es dann etwas langsamer, gemächlicher und ruhiger zu – so, wie es in dieser Jahreszeit vorgesehen ist. Die Natur macht es uns ganz genau vor: Rückzug, Schlaf und Erholung sind nötig, bis im Frühling das Erwachen folgt. Wachgeküsst von warmen Sonnenstrahlen, beginnt alles wieder zu spriessen, zu wachsen und zu blühen.
Und wie geht es Ihnen gerade jetzt, während Sie diese Zeilen lesen? Machen Sie es der Natur gleich und ziehen sich immer wieder zurück – wenigstens in Ihrer freien Zeit? Oder ändert sich bei Ihnen mit den Jahreszeiten nicht viel, nach dem Motto: «Alltag ist Alltag»?
Resilienz bedeutet auch, sich in Phasen der Ruhe zu stärken, um wieder voller Kraft zu sein, wenn wir besonders leistungsfähig sein müssen. Würde die Natur im Winter nicht ruhen, hätte sie im Frühling keine Kraft zum Blühen. Warum sich also nicht hie und da die radikale Erlaubnis zur Langsamkeit gönnen? Gerade in dieser dunkleren Jahreszeit dürfen wir das Bedürfnis nach mehr Schlaf und Rückzug als biologische Notwendigkeit akzeptieren – und nicht als Faulheit missverstehen.
Lassen Sie uns den Winter nicht als verlorene Zeit betrachten, sondern als stille Einladung, die eigenen Wurzeln zu stärken, damit wir im kommenden Frühjahr wieder aus voller Kraft strahlen können.
«Tipp zum Alltag». Hier schreiben Dozenten des CAS-Studienlehrgangs Achtsamkeit in Lenzburg jeweils einmal pro Monat über psychologische Aspekte im Alltag. Die Autoren wechseln sich ab.







