Das Schloss steht in den Startlöchern

Lenzburg Noch scheint Schloss Lenzburg im Dornröschenschlaf zu liegen. Doch der Eindruck täuscht. Hinter den dicken Mauern wird längst geplant, organisiert und vorbereitet, es wird gewerkt, telefoniert und koordiniert. Denn schon bald öffnen sich die Tore wieder – und das Schloss erwacht zu neuem Leben: mit Konzerten, Festivals, Hochzeiten, Schulbesuchen und vielen weiteren Veranstaltungen.

Bestreiten bereits ihre 8. Saison auf Schloss Lenzburg: René Marty und Christine Ziegler.Foto: Romi Schmid
Bestreiten bereits ihre 8. Saison auf Schloss Lenzburg: René Marty und Christine Ziegler.Foto: Romi Schmid

Der Weg hinauf zum Schloss ist vertraut – und doch jedes Mal besonders. Schritt für Schritt führt der Pfad höher, vorbei an Mauern, die seit Jahrhunderten Geschichten erzählen. Oben öffnet sich der Blick weit über die Dächer von Lenzburg. Noch wirkt es ruhig. Doch bald wird hier wieder gelacht, musiziert und gefeiert. Denn die neue Saison auf Schloss Lenzburg steht vor der Tür.

Hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. Nach der Winterpause wird der historische Ort bald wieder zum lebendigen Treffpunkt für Kultur, Begegnung und Veranstaltungen aller Art. «Die Mischung aus Klassik, modernen Formaten, Festivals und Ausstellungen macht die Saison auf Schloss Lenzburg so besonders», sagen Christine Ziegler und René Marty von der Stiftung Schloss Lenzburg.

Zwischen Geschichte und Gegenwart

Die Saison verspricht erneut ein abwechslungsreiches Programm. Schon früh im Jahr finden zahlreiche General- und Mitgliederversammlungen statt – ebenso Privatfeiern und Firmenanlässe. Sie gehören für das Schloss ebenso selbstverständlich zum Leben wie öffentliche Veranstaltungen.

Ein besonderer Moment wird der Pfingstsonntag sein: Dann gastiert das Mundart-Lieder-Festival «Troubadix» erstmals auf Schloss Lenzburg. Nach 25 Jahren an wechselnden Standorten kommt das kleine, feine Festival nun erstmals in den historischen Schlosshof. Über den Sommer hinweg folgt dann ein Höhepunkt auf den nächsten. Veranstaltungen wie die Gothic Night, die Lenzburgiade, der Daydance, Musikalische Begegnungen oder der beliebte Jazz-Brunch sorgen dafür, dass das Schloss zu einem lebendigen Kulturort wird.

Doch die Organisation einer solchen Vielfalt ist anspruchsvoll. «Ein Schloss ist ein historischer Ort mit vielen Möglichkeiten, aber auch mit gewissen Grenzen», erklären Ziegler und Marty. Veranstaltungen, Denkmalschutz, Logistik und Besucherströme müssten sorgfältig aufeinander abgestimmt werden. Gleichzeitig gehe es darum, neue Ideen zuzulassen. «Unser Ziel ist es, die Geschichte des Schlosses zu bewahren und gleichzeitig Raum für neue Angebote zu schaffen.»

Ein Ort für viele Gäste

Wer heute auf Schloss Lenzburg unterwegs ist, trifft auf ein erstaunlich vielfältiges Publikum. Familien besuchen Ausstellungen, Schulklassen entdecken Geschichte vor Ort, Paare feiern Hochzeiten und Musikfans strömen zu Konzerten und Festivals.

«Einen typischen Schlossgast gibt es eigentlich nicht», sagen Ziegler und Marty. «Das Schloss zieht Menschen mit ganz unterschiedlichen Interessen an – das macht den Ort so lebendig.» Besonders gefragt sind weiterhin grössere Veranstaltungen. Hochzeiten und Firmenfeiern gehören zu den häufigsten Nutzungen der Anlage. Rund 35 Trauungen und Hochzeiten fanden 2025 auf Schloss Lenzburg statt – eine Zahl, die über die Jahre relativ stabil geblieben ist. Auch kulturelle Grossanlässe ziehen viele Besucherinnen und Besucher an.

Publikumsmagneten sind etwa die Veranstaltungen rund ums Mittelalter – allen voran der Mittelaltermarkt. Bei den Kulturveranstaltungen liegen die Filmmusikkonzerte und der Daydance regelmässig vorne. Gleichzeitig wird das Angebot immer wieder erweitert. Veranstaltungen wie der Daydance oder die «Topshelf Night» sprechen gezielt auch ein jüngeres Publikum an. Denn eines habe sich in den letzten Jahren verändert: Gäste suchten heute oft mehr als nur eine Veranstaltung. «Viele möchten besondere Orte entdecken, Atmosphäre erleben und ganz spezielle Eindrücke teilen», so die Verantwortlichen.

Hinter den Kulissen

Während Besucherinnen und Besucher das Schloss vor allem im Sommer erleben, ist hinter den Kulissen das ganze Jahr über viel zu tun. Die Wintermonate dienen der Nachbereitung der vergangenen Saison und der Planung der kommenden Monate. Dabei zeigt sich ein Trend: Immer mehr Veranstaltungen werden kurzfristig gebucht. Gerade zu Beginn des Jahres steigen die Anfragen für Anlässe in derselben Saison deutlich an.

Für Christine Ziegler und René Marty ist es inzwischen bereits die achte Saison auf Schloss Lenzburg. Von Routine kann dennoch keine Rede sein. «Nach der Winterpause freuen wir uns darauf, zu sehen, wie aus all den vielen Ideen und Plänen wunderbare Events entstehen», sagen sie. Immer wieder gebe es auch Überraschungen. So sei etwa kürzlich bekannt geworden, dass am 14. August bekannte Comedy-Künstler im Schlosshof auftreten werden. Die Namen dürfen noch nicht verraten werden – doch das Publikum dürfe sich «auf feinste Unterhaltungskunst und frechen Wortwitz im schönsten Schlosshof der Schweiz» freuen.

Eine Saison, die wohl keine Wünsche offen lassen wird. Und was würde sich das Schloss selbst wünschen, wenn es sprechen könnte? Für Ziegler und Marty ist die Antwort klar. «Es würde sich wünschen, weiterhin ein Ort der Begegnung zu sein – ein Ort, an dem Geschichte lebendig bleibt und Menschen zusammenkommen.»

Wer an einem warmen Frühlingsabend den Weg hinauf zum Schloss nimmt, versteht sofort, was sie meinen. Die Mauern leuchten im Abendlicht, Musik klingt über den Hof, Stimmen mischen sich mit Gelächter – und über allem liegt das Gefühl, dass hier Vergangenheit und Gegenwart auf ganz besondere Weise zusammenfinden.

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