Wie die schnellste Frau der Welt ihr Publikum begeisterte

Sarmenstorf Als Einstimmung auf das Biblio-Weekend veranstaltete die Bibliothek Sarmenstorf eine Lesung. «Worte verbinden Welten» war das Motto in diesem Jahr.

Seinen ersten Roman stellte Steven Schneider vergangenen Donnerstag in Sarmenstorf vor. 
         
         
            Foto: Verena Schmidtke

Seinen ersten Roman stellte Steven Schneider vergangenen Donnerstag in Sarmenstorf vor. Foto: Verena Schmidtke

Der erste Roman von Steven Schneider.
         
         
            Foto: Verena Schmidtke

Der erste Roman von Steven Schneider. Foto: Verena Schmidtke

Sind zufrieden mit dem Abend: Bibliotheksleiterin Christina Eppisser, Autor Steven Schneider und Bibliothekarin Simone Bolliger. Foto: Verena Schmidtke

Sind zufrieden mit dem Abend: Bibliotheksleiterin Christina Eppisser, Autor Steven Schneider und Bibliothekarin Simone Bolliger. Foto: Verena Schmidtke

Worte verbinden Welten» war das Motto in diesem Jahr. In die Welt des Rennsports, die 1920er Jahre und in das Leben einer bemerkenswerten Frau entführte der bekannte Journalist und Autor Steven Schneider seine Zuhörerinnen und Zuhörer mit seinem ersten Roman «Die schnellste Frau der Welt». Bibliotheksleiterin Christina Eppisser berichtete kurz vor dem Anlass: «Mit dem Thema wollten wir sowohl Frauen als auch Männer ansprechen.» Ein Blick in den Raum zeigte, der Plan war aufgegangen.

Mit einem breiten Lächeln erinnerte sich Steven Schneider an seine besondere Beziehung zu Eliska Junek. Sie ist die Protagonistin in seinem Roman «Madame Bugatti – Die schnellste Frau der Welt». «Wir haben uns so kennen gelernt, wie das heute so üblich ist», sagte er amüsiert, «übers Internet.» Denn er interessiere sich sowohl für den Autorennsport als auch für Geschichte – und so sei er auf eine Seite über Rennsportpilotinnen gestossen. «Ich stelle mir schon lange die Frage, was treibt Menschen an, für eine sportliche Disziplin an ihre Grenzen zu gehen.» Dazu kam der Aspekt der Frauen in einer sehr männlich geprägten Sportart.

Herausforderungen im frühen Rennsport

Interessanterweise war es in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg gar nicht unüblich gewesen für Frauen, Autorennen zu fahren – und zu gewinnen. Eine faszinierte Steven Schneider besonders: Eliska Junek. «Diese Pilotin war gerade einmal 1,50 Meter gross», stellte Steven Schneider sie genauer vor. «Sie musste mit einem Kissen im Rücken im Bugatti sitzen. Die Pedalen wurden extra für sie verlängert.» Dazu unterstrich er, wie anstrengend es damals war, ein schweres Automobil ohne Servolenkung und den heute üblichen technischen Komfort zu lenken. Sicherheitsgurten habe es ebenfalls nicht gegeben. «Bis zu siebeneinhalb Stunden konnte so ein Rennen dauern», führte er aus. Ein leises Raunen ging durch die Bibliothek. Mitunter sei es wahrhaftig um Leben und Tod gegangen. In dieser Domäne gelang es der zierlichen Eliska Junek, sich durchzusetzen – sie galt als die schnellste Frau der Welt.

Geboren wurde die Rennfahrerin im Jahr 1900 in Olmütz im heutigen Tschechien als Alzbeta Pospisilova. Schon als junges Mädchen träumte sie vom Reisen, etwa nach Marokko.

Dafür arbeitete sie, machte eine Ausbildung bei einer Bank und verliebte sich in ihren Vorgesetzten Vincent Junek. Doch ihr Freiheitsdrang siegte, Alzbeta verliess den Verlobten, um fremde Länder zu entdecken. Allerdings konnte die unkonventionelle junge Frau nicht alle ihre Wünsche verwirklichen – zu dieser Zeit war das kaum möglich. Schliesslich kehrte sie zu Vincent zurück, heiratete ihn und nannte sich ab da Eliska Junek. Ihr Mann war erfolgreich mit seiner eigenen Bank und fuhr Autorennen. Eine teure Leidenschaft, für die sich Eliska ebenfalls schnell begeisterte. «Es war ein Weg, ihren Freiheitsdrang auszuleben», so der Autor. «Auf der anderen Seite befand sie sich in einem goldenen Käfig.» Und es gab weitere Probleme, die schwer auf der Rennfahrerin lasteten. Das Rennen am Nürburgring im Jahr 1928 sollte enorm wichtig für sie werden.

Der Weg zum Roman

Als er Eliska Junek kennen lernte, fasste Steven Schneider einen Plan: «Zunächst hatte ich vor, eine Biografie über diese aussergewöhnliche Frau zu schreiben.» Doch schnell musste er feststellen, dass sich nicht besonders viel über ihr Leben finden liess. Zu Zeiten des Eisernen Vorhangs wurde in der damaligen Tschechoslowakei wenig dafür getan, das Andenken an die unkonventionelle Eliska zu bewahren. «So entwickelte sich das Vorhaben, einen Roman über sie zu schreiben», erklärte der Autor. Für ihn sei es der erste Roman – eine spezielle Erfahrung, betonte er lachend. «Die Kolumnen, welche meine Frau und ich schreiben, sind sozusagen ein Sprint», führte er aus. «Ein Roman ähnelt eher einem Marathon.» Zudem gebe es viel zu bedenken, wie beispielsweise der Zeitrahmen, die Erzählperspektive oder der Spannungsbogen. Insgesamt nahm das Schreiben gut fünf Jahre in Anspruch. «Es gab da ja noch meine Arbeit und die Familie sollte nicht zu kurz kommen», berichtete er. Inzwischen sind gut eineinhalb Jahre ins Land gezogen, in der Zeit erfolgten die Suche nach einem Verlag und der Druck des Buches.

«Jetzt auf der Lesereise habe ich das Gefühl, Eliska noch einmal neu kennen zu lernen. Und ich freue mich unheimlich darauf, sie dem Publikum vorstellen zu können», sagte Schneider, dem die Bewunderung für die Rennfahrerin deutlich anzumerken war. Der Funke sprang über: Nach der Lesung tauschten sich die Besucherinnen und Besucher noch angeregt mit dem Autor und untereinander über die mutige Eliska Junek aus.

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