«Vuglbärbaam»

<em>«Vuglbärbaam»:</em> Juli-Motiv der Serie «Lenzburgiana». Illustration: mphs
<em>«Vuglbärbaam»:</em> Juli-Motiv der Serie «Lenzburgiana». Illustration: mphs

Wenn Brunnentröge, Schuelbuebe und -meitli, ja das ganze Städtli im Blumenmeer versinken, die Augen von Jung und Alt erstrahlen und der Gout der Fischknusperli noch am Gaumen haftet, dann wird auch Nicht-Lenzburgern klar: Hier gibt es kein Entkommen. Als würde die Festgesellschaft nochmals aufjubeln – bevor sie im Sommerloch entschwindet und die menschenleere Rathausgasse einem post-apokalyptischen Film entnommen scheint. In Lenzburg herrscht Ausnahmezustand, insbesondere in geraden Jahren, wenn der Schlachtruf zum Auslöser des Tumults und der Gofihügel zum Ameisenhaufen wird. Zweifelsfrei ist der Gipfel der Klimax erreicht, wenn im Rathaussaal der Ohrwurm «Vuglbärbaam» seine volle Kraft entfaltet und das bestickte Sockenpaar mitsamt Vorsänger beschwingt auf der Tafel tanzen. Ein Gesamtkunstwerk, das seinesgleichen sucht…

Gspässig, wie ein Volks- und Heimatlied aus dem entfernten Erzgebirge, wie eine «geschützte Bucht» im Pazifik – das bedeutet nämlich der Freischaren-Schlachtruf «Hono-Lulu» auf Hawaiianisch – zur Lenzburger Tradition wurden. Man schmunzelt und staunt, wenn Kostüm-Chinesen, -Spagnolen und karibische Velopiraten – wie einst Bourbaki – über die Matte ziehen und das 400-jährige Brauchtum des Jugendfests fortführen. Es wird klar, dass die Fremde – auch sichtbar an der maurischen Fassade der ehemaligen «Malaga»-Kellerei oder beim Stoffdruck «à la Indienne», der durch französische Hugenotten zur wirtschaftlichen Blüte Lenzburgs führte – hier Spuren hinterlassen hat. Lebendige Traditionen sind – mit Humor und Ernsthaftigkeit, ob mit oder ohne Vogel – Grundlage für die gemeinsame Gestaltung der Zukunft, denn Kultur wird laufend neu geschaffen, gepflegt und genossen.

Das Museum Burghalde, ehemals «Heimatmuseum», wünscht allen ein bäumiges Jugendfest 2019. (mphs)

Plakat finden und Preise gewinnen. Das Projekt «Lenzburgiana» wurde vom Museum Burghalde lanciert. Während eines Jahres werden monatlich humorvolle Grafiken zu Lenzburger Besonderheiten präsentiert. Das Motiv wird in Plakatgrösse irgendwo im Städtli erscheinen. Der Text dieser Kolumne verrät den Standort. Die witzigsten Selfies vor diesem Plakat werden prämiert. Handyfotos mit Name und E-Mail-Adresse senden an burghalde@lenzburg.ch.

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