Von Musen und Museen

Schatzkammer

Marc Philip Seidel

Marc Philip Seidel

Die kleine Clara verlor als Kind durch einen Keuchhusten ihre schon auffällig schöne Stimme fast gänzlich. Foto: Museum Burghalde

Die kleine Clara verlor als Kind durch einen Keuchhusten ihre schon auffällig schöne Stimme fast gänzlich. Foto: Museum Burghalde

Was Erinnerungskultur mit Muse(e)n zu tun hat, ist schnell erklärt: «Künstlerische Glanzleistungen gehen in die Kulturgeschichte ein und schaffen als erinnerungswürdige Erzeugnisse Identität.»

Die alten Griechen erklärten das bildhafter: Göttervater Zeug zeugte mit der Göttin der Erinnerung, Mnemosyne, neun Töchter. Jene neun Musen wurden zu Schutzgottheiten der Künste.

Bezogen auf Lenzburg ist der Versuch, neun Musen zu definieren, kläglich gescheitert. Vielmehr fanden sich bis dato deren dreissig. Man kommt ins Staunen, was inzwischen im Historischen Frauenarchiv Lenzburg als neuer Sammlungsschwerpunkt unseres Museums an Archivalien, Fotos und Werken zusammengekommen ist. In einen Zusammenhang gebracht, erwachen längst vergessene Charaktere wieder zu neuem Leben. Ja, Erinnerungskultur entsteht durch eben diese materiellen und immateriellen Erinnerungsstücke. Und je mehr wir forschen, dokumentieren und vermitteln, desto klarer wird, was verschiedenste Stimmen über die Jahrzehnte auf den Punkt brachten: Lenzburg als «Musikstadt», «Musenort» und «Dichter[innen]stadt».

Dazu war vor 120 Jahren in den «Basler Nachrichten» zu lesen: «Aus der Aargauer Musikstadt Lenzburg ist wieder ein Stern aufgegangen. Am 26. Oktober trat im neuen Konzertsaal Fräulein Clara Wyss als Pianistin und Konzertsängerin vor einem erwartungsvollen Publikum auf. Schon die ungekünstelte Bescheidenheit und natürliche Anmut ihres Auftretens müsste ihr die Sympathie aller zusichern.» Der Lenzburger Konservator Edward Attenhofer gedachte ihr im Nachruf 1973: «Erwähnen wir zum Schluss, dass Clara Wyss (1881–1971) ihrer Vaterstadt ihr hohes Können immer wieder als Solistin bei grösseren Aufführungen und auch an Jugendfesten zur Verfügung stellte. Wir aber wollen nicht vergessen, dass sie als Lenzburgerin ihrer Vaterstadt in der weiten Welt grosse Ehre eingelegt hat. […] Neben Fanny Hünerwadel, Frau [Anna] Walter-Strauss und Erika Wedekind wird Clara Wirz-Wyss im kulturellen Bewusstsein unserer Stadt einen unvergänglichen Platz einnehmen.»

«Schatzkammer». Hier stellen Mitarbeitende des Museum Burghalde Lenzburg jeweils spannende Geschichten und originelle Fundstücke vor.

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