Von Fahrwangen zum grossen Rennen um die Welt

Fahrwangen Nicolas Wipf aus Fahrwangen arbeitet an einem Projekt, das ihn nächstes Jahr sportlich und mental an seine Grenzen bringen wird: Am Great World Race will er in sieben Tagen sieben Marathons auf sieben Kontinenten absolvieren.

Den Matterhorn Ultraks SKY absolvierte Nicolas Wipf trotz Seitenstechen.Foto: zvg

Den Matterhorn Ultraks SKY absolvierte Nicolas Wipf trotz Seitenstechen.Foto: zvg

Nicolas Wipf setzt sich als Sportler hohe Ziele und will damit junge Menschen inspirieren.Foto: zvg

Nicolas Wipf setzt sich als Sportler hohe Ziele und will damit junge Menschen inspirieren.Foto: zvg

Am ultimativen Marathon um die Welt werden insgesamt 295,4 Kilometer innerhalb einer Woche gerannt. Das Rennen beginnt in der Antarktis. Danach folgen Afrika, Australien, Asien, Europa, Südamerika und Nordamerika – jeden Tag ein Kontinent. Nach dem jeweiligen Lauf werden die Teilnehmenden mit Charterflügen auf den nächsten Kontinent gebracht. Die ganze Regenerationsphase findet in der Luft statt.

«Wie ist ein Mensch zu so etwas fähig?»

Der 22-jährige Extremsportler erzählt, dass das Aussergewöhnliche und Extreme ihn reize. Er suche den Kick. Seine Begeisterung begann als Kind, als er mit seinen Eltern in der «Tagesschau» einen Ausschnitt eines Ironman-Triathlons sah. Er fragte sich: «Wie ist ein Mensch zu so etwas fähig?» Mit seinem Projekt will er herausfinden, wie weit er gehen kann und was möglich ist, wenn man nicht aufgibt.

Der Kopf entscheidet über den Sieg

Das Great World Race entdeckte Wipf durch Werbung in den sozialen Medien. Zunächst interessierte ihn die Logistik: Wie lassen sich sieben Marathons in sieben Tagen und in unterschiedlichen Klimazonen bewältigen? Vor einem Jahr entschied er sich, dass er dieses logistisch durchgeplante Unterfangen angehen will. «Das ist ein riesiges Abenteuer», sagt Wipf. Er ist gespannt darauf, wie der Körper auf die verschiedenen Zeitzonen und Temperaturunterschiede reagiert. Den grössten Respekt habe er vor dem Unplanbaren. Man bereite sich so lang auf etwas vor, aber man könne nicht verhindern, dass man beispielsweise mit dem Fuss umknicke. Er erinnert sich an den Matterhorn Ultraks SKY, den er absolviert hat, einen Berglauf über 49 Kilometer und rund 3600 Höhenmeter. Dort bekam er bereits bei Kilometer 12 Seitenstechen und musste bis Kilometer 35 damit weiterlaufen. Um dabei nicht «mental kaputtzugehen», dachte er stets an den Moment, an dem er durch die Zielgerade läuft. Er ist der Meinung, dass der mentale Aspekt am meisten ausmacht. Zwar ist er körperlich fit, aber der Kopf entscheidet über Sieg oder Aufgeben. Derzeit absolviert er eine Weiterbildung zum Coach, um später junge Menschen zu inspirieren und diese mentale Stärke weiterzugeben.

«Ich bin der einzige Mensch, der darüber urteilen kann, was ich schaffe und was nicht»

Seine mentale Stärke entwickelte er bereits in seiner Oberstufenzeit. Kurz nach Beginn seiner Schulzeit verstarb sein Klassenlehrer. Es folgten ständig neue Lehrpersonen. Viele davon sagten der Klasse, dass sie als Realschüler nie etwas erreichen würden. Wipf erinnert sich noch gut an einen Lehrer, der als ersten Satz sagte: «Aus euch wird nichts. Die Jungen werden Bauarbeiter, die Mädchen Hausfrauen.» Das sei ihm so eingefahren und habe in ihm ein Feuer entfacht. Er wollte zeigen, dass niemand über ihn bestimmen darf. Später wurde er stellvertretender Teamleiter und merkte, dass er mehr kann, als andere denken. «Ich bin der einzige Mensch, der darüber urteilen kann, was ich schaffe und was nicht.»

Wie der Sport sein Leben veränderte

Sport begleitet Nicolas Wipf schon lang. Gestartet habe er mit Fussball, danach ging er in eine Läuferriege. Etwas später machte er eine Sportpause. Als er sich 2024 an einem persönlichen Tiefpunkt befand, begann er, sein Leben neu aufzubauen, und fand zu seiner Leidenschaft zurück. An einem Wochenende sagte er frühmorgens zu seiner Mutter, dass er kurz joggen gehe. Er lief einfach los. Als seine Mutter später anrief, um nach ihm zu fragen, sagte er: «Ich habe gerade meinen ersten Marathon absolviert», und kam nach 48 Kilometern zurück nach Hause. Seither trainiert er regelmässig. Seinen Trainingsplan stellt er selbst auf – einen Sportcoach sei er noch am Suchen. Sein Plan basiert auf einem 4-Wochen-Modell und beinhaltet in der ersten Woche höchstens 5 Stunden Sport, in der zweiten Woche 10, in der dritten 15 und in der vierten 20. Danach beginne er wieder mit 5 Stunden, denn das sei wichtig für die Regenerationsphase. Sportsucht ist etwas, das er stets im Auge behält. Allerdings benötigt er den Sport nicht, um eine Lücke in sich zu füllen. Er kenne aber Personen, die bereits süchtig seien und die ohne ihre geregelten Sportzeiten nicht auskämen.

Vorbereitung auf dasUnvorhersehbare

Als Vorbereitung für November 2027 läuft er im April den Ironmn 70.3 in Valencia und im Juli den Ironman in Thun. Wirklich vorbereiten könne er sich auf das Great World Race allerdings kaum. Zwar könne er das Rennen im Schnee simulieren, viele andere Einflüsse jedoch nicht. «Das Gefühl, in Miami über die letzte Zielgerade zu laufen, trägt mich durch alles hindurch», sagt Wipf über seine Vorbereitungszeit.

Vom teuren Traum und von der Suche nach Sponsoren

Unter Schweizer Flagge sei am Great World Race in den vergangenen zwei Jahren niemand mehr angetreten – in seinem jungen Alter noch keiner. Die Hinreise nach Kapstadt, wo das Briefing stattfindet, und die Heimreise von Miami aus muss er selbst organisieren. Die Teilnahmegebühr beträgt 50 000 Dollar – für das ganze Equipment und die Reise rechnet Wipf mit 120 000 Franken. Um einen Grossteil der Kosten zu decken, ist er derzeit auf der Suche nach finanzieller Unterstützung. Für Gespräche mit interessierten Sponsoren und möglichen Projektpartnern ist er offen.

Er wünscht sich, dass ihn ein Kamerateam beim aussergewöhnlichen Marathon begleitet. Aus den Aufnahmen soll eine Dokumentation entstehen, die er später gemeinsam mit seinen Sponsoren im Kino anschauen kann. Der Projektaufbau und die Sponsorensuche nehmen viel Zeit in Anspruch. Sein Projekt trägt den Namen «Path of Will 2027» – sein Weg des Willens. Der Gedanke dahinter sei nicht allein das Ziel Great World Race, sondern vielmehr, junge Menschen dazu zu ermutigen, an sich selbst und ihre eigenen Möglichkeiten zu glauben. Von den Aufgaben, die «Path of Will 2027» mit sich bringe, sei er sehr begeistert. Er habe schon viel gelernt und Erfahrungen gesammelt: «Ich sehe in andere Welten hinein und kann Bereicherungen für mein ganzes Leben mitnehmen.»

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