Nach 19 Jahren Arbeiterstrandbad auf neuen Wegen
Tennwil Aus dem Arbeiterstrandbad Tennwil ist der Betriebsleiter Marco Fankhauser kaum wegzudenken. Ruhig und freundlich findet er für sämtliche Probleme eine Lösung. Nun hat er beschlossen, sich im nächsten Jahr mit einem Crêpes-House in Koblenz selbstständig zu machen.

Die Bade- und Campingsaison ist vorüber. Kiosk und Restaurant sind geschlossen. Mitte Oktober geht es im Arbeiterstrandbad recht beschaulich zu. Dennoch gebe es immer etwas zu tun, berichtet Betriebsleiter Marco Fankhauser. Lachend antwortet er auf die Frage zu seinem Aufgabenbereich: «Haben Sie Zeit?» Da seien beispielsweise die Flächen mit den 95 Wohnwagenstellen, nach denen er regelmässig schaue.
Während der Saison sei er quasi rund um die Uhr im Einsatz, unterstützt von einigen Mitarbeitenden. «Die Badi vergibt Surfbrettplätze und Bootseinstellplätze. Ausserdem haben wir eine kleine Pedaloflotte. 36 Zeltplätze stehen in der Saison zur Verfügung, die Liegewiese der Badi fasst maximal 1500 Personen.» Da die Anlage inmitten eines Wohngebiets liege, sei es wichtig, auf die Ruhezeiten zu achten. Er ergänzt: «Den Frieden auf dem Platz zu wahren, gehört dazu. Aber das funktioniert meistens gut.» Immerhin gebe es viele Besucherinnen und Besucher, die jedes Jahr wiederkämen. «Einige seit 40 Jahren», erzählt der Betriebsleiter. «Das zeigt uns, dass wir etwas gut machen, es ist eine wertvolle Bestätigung.» Wichtig ist ihm, darauf hinzuweisen, dass das Arbeiterstrandbad von einer Stiftung verwaltet wird.
Start als Koch
In der Anlage in Tennwil arbeitet er seit 19 Jahren. «Angefangen habe ich hier als Koch während der Saison.» Mit der Zeit sei sein Aufgabenbereich umfangreicher geworden, dann habe er als stellvertretender Betriebsleiter ganzjährig gewirkt. Als sein Vorgänger vor fünf Jahren in Pension ging, übernahm Marco Fankhauser die Position.
Zu seinen vielfältigen Aufgaben zählen der Eintrittsbereich, der Kiosk sowie die Stromversorgung, um nur einige Punkte zu nennen. «Zudem ist eine Grillstelle in einer Badi nicht unbedingt üblich und ein spezieller Pluspunkt», erklärt Fankhauser. Dank des engagierten Personals laufe vieles gut ineinander. «Das Schöne an meiner Arbeitsstelle ist: Sie ist enorm vielfältig und abwechslungsreich», macht er deutlich. «Morgens weiss man meistens nicht, welche Aufgaben auf einen warten.» Natürlich gebe es hin und wieder Herausforderungen, zum Beispiel wenn die automatische Ticketanlage auf dem Parkplatz nicht richtig funktioniere oder Renovationen bevorstünden. Hilfreich sei für ihn gewesen, als Kiosk und Restaurantbetrieb voneinander getrennt worden seien: «Die Stiftung hat einen Restaurantleiter eingestellt, für mich ist das eine grosse Entlastung.» Marco Fankhauser betont: «Ich habe immer sehr gern hier gearbeitet und gehe nicht, weil es mir nicht mehr gefällt.»
Zurück zu den beruflichen Wurzeln
Vielmehr beschäftige ihn nun mit 39 Jahren, ob es nicht an der Zeit sei, einmal neue Wege zu beschreiten. «Jetzt ist das noch problemlos möglich», stellt er fest, «wer weiss, wie es in zehn Jahren aussieht.» Relativ spontan habe er sich am Saisonende entschlossen, den Posten als Betriebsleiter auf Ende des Jahres zu kündigen, um einen Traum zu verwirklichen.
Dazu berichtet Fankhauser, dass er während eines Ferienaufenthalts in den Niederlanden ein Pfannkuchenhaus besucht habe. «Ich war so beeindruckt davon – die Einrichtung mit einer kleinen Eisenbahn. Überhaupt das gesamte Konzept, das sehr kinderfreundlich war.» Mit der Zeit reifte die Vorstellung heran, etwas Ähnliches in der Schweiz zu eröffnen. «Inzwischen habe ich mir verschiedene Restaurants angeschaut und entschieden, in Koblenz ein Crêpes-House zu eröffnen», führt Marco Fankhauser aus, dem die Begeisterung für sein Projekt deutlich anzumerken ist. «Am Restaurant gefällt mir, dass es eine Schauküche hat. Das macht es noch interessanter.» Wie in den Niederlanden sei ihm Familienfreundlichkeit sehr wichtig. Das Angebot hat er gründlich durchdacht. «Es wird an die 70 Crêpes-Variationen geben, auch saisonal angepasst.» Er möchte mit seinem Konzept seinen Gästen eine gute Zeit bereiten.
Also kehrt Fankhauser schliesslich nach seiner Tätigkeit als Betriebsleiter zurück zu seinen Wurzeln in der Gastronomie. Wehmut über den baldigen Abschied von seiner bisherigen Arbeitsstelle komme aber jetzt schon auf, erklärt er. Besonders wenn er Mitteilungen von Badigästen und Campern bekomme, die ihm alles Gute wünschten und seinen Weggang bedauerten. Seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin würde er mit auf den Weg geben: «Es ist eine vielfältige, schöne Tätigkeit, aus der sich viele freundliche Kontakte ergeben haben. Mit Herzblut dabei zu sein, das wäre gut.»



