Tierisch nützlich

Schatzkammer

Daria Moser

Daria Moser

Die Jagdschalen aus der Sammlung.Foto: Christine Seiler

Die Jagdschalen aus der Sammlung.Foto: Christine Seiler

Die Geschichte von Mensch und Tier ist so alt wie die Menschheit selbst. Vom behaarten, noch kognitiv begrenzten Primaten entwickelten wir uns zum aufrecht gehenden, fast haarlosen Planer und Kommunikator – angetrieben von der Ausdauerjagd. Wir liefen stundenlang, kühlten uns durch Schwitzen, lasen Spuren, stellten Jagdwaffen her, jagten im Team und teilten Wissen über Tierbestände und Wanderungen. So überwanden wir Tiere, die uns im Sprint oder im waffenlosen Kampf überlegen sind.

Bald entdeckten wir: Einfangen ist einfacher als stundenlanges Treiben. Wir wählten die zutraulichsten Tiere aus – und mit ihrer Zahmheit kamen oft kleinere Körper, Flecken oder Schlappohren. Domestikation hinterlässt Spuren, nicht nur äusserlich, sondern auch gesundheitlich: Viele Krankheiten, darunter Tuberkulose und die gewöhnliche Grippe, stammen ursprünglich von Nutztieren.

Auch in Lenzburg spiegelt sich diese Verbindung zwischen Mensch und Tier wider. Die ältesten Lenzburger, gefunden in den jungsteinzeitlichen Steinkistengräbern am Goffersberg, wurden mit Pfeilspitzen und Anhängern aus Tierzähnen bestattet – ein Hinweis auf die zentrale Rolle von Wild- und Nutztieren. Im römischen Gräberfeld im Lindwald belegen Figurinen von Hunden, Hühnern und anderen Tieren die Bedeutung der Tiere im Alltag.

Vom Mittelalter bis in die Neuzeit blieb die Jagd ein prägendes Element. Besonders die Hochjagd auf Hirsche und anderes Grosswild war streng reglementiert und der Oberschicht vorbehalten. Zeugnis dieses Elitarismus sind vergoldete Jagdschalen aus dem 17. Jahrhundert: Eine wohlhabende Lenzburger Familie liess sie bei Jean Poulet, einem geflüchteten hugenottischen Goldschmied, fertigen. Vor der Fuchsjagd wurde daraus getrunken – als Ritual für das Jagdglück.

Viele dieser Zeugnisse sind heute im Museum Burghalde zu sehen. Am 19. März um 18.15 Uhr lädt die Veranstaltungsreihe «Kulturdonnerstag» zu einer Führung zum Thema «Tierisch nützlich» ein. Besucherinnen und Besucher tauchen ein in die vielschichtige Geschichte von Mensch und Tier in der Region Lenzburg – von den Anfängen der Jagd bis zu den zahmen Begleitern von heute.

«Schatzkammer». Hier stellen Mitarbeitende des Museums Burghalde Lenzburg jeweils spannende Geschichten und originelle Fundstücke vor.

Weitere Artikel zu «Im Gespräch», die sie interessieren könnten

René Fiechter
Im Gespräch04.03.2026

1. Sitzung nach den Sportferien / gelebte Demokratie

post aus aarau Die Grossratsdebatte aus Sicht von René Fiechter, SVP, Hunzenschwil
Die filigrane und vielseitige Abschlussarbeit im Stein.Foto: Verena Schmidtke
Im Gespräch04.03.2026

Eric Meier: Traum vom eigenen Atelier verwirklicht

Sarmenstorf Naturstein als Arbeitsmaterial fasziniert Eric Meier schon lange. Nun hat er sich nach seiner abgeschlossenen Ausbildung mit einem eigenen Atelier…
Horst Hablitz
Im Gespräch25.02.2026

Achtsam ohne Klagen?

tipp zum Alltag