Stärne Föifi

<em>Stärne Föifi:</em> November-Motiv der Reihe «Lenzburgiana». Illustration: mphs
<em>Stärne Föifi:</em> November-Motiv der Reihe «Lenzburgiana». Illustration: mphs

Man sagt, dass, wer einmal in Lenzburg gelebt hat, irgendwann wieder dahin zurückkehrt. Ach ja? Nun, ein aktuelles Beispiel zeigt, dass es einer Person, ja eigentlich einer ganzen Dynastie, so ergeht – sogar posthum. Diesmal geht es aber nicht um Spukgeschichten, vielmehr klingt die Rückkehr der Künstlerin Clara Müller (1862–1929) nach Lenzburg märchenhaft. Als kleines Mädchen zog Clara mit der Familie aus Densbüren zu und verbrachte hier ihre Kindheit. In der Textilhochburg Bergamo schliesslich liess sie sich zur Malerin ausbilden – bei den Künstlergrössen Enrico Scuri und Cesare Tallone. Der Zugang zur Kunstakademie war ihr als Frau unmöglich; dennoch porträtierte sie in Bergamo, London, Monaco und München die High Society. Der grosse Ruhm blieb ihr bislang verwehrt. Aus Freude über ihre Rückkehr ist ihr die aktuelle kleine Gemäldeausstellung im Burghaldenhaus gewidmet.

«Stärne Föifi» würde da wohl ein ehemaliger Häftling der Justizvollzugsanstalt (JVA) vor Freude rufen. Dieser schnitzte nämlich ein wunderschönes Weinfässlein für die Rebbauern-Vereinigung. Es ist das Prunkstück der Pop-up-Ausstellung zu ihrem 70-Jahr-Jubiläum. Wir rufen freudig «Prosit!» und laden herzlich zur Besichtigung ein.

PS: Die Verbindung der beiden Geschichten? Clara Müllers Vater, Johann Rudolf Müller, war mit der Gründung der JVA im Jahr 1864 erster Direktor. Er, als ehemaliger Pfarrer, revolutionierte das Strafwesen und zollte den Straffälligen Respekt und führte ein Resozialisierungs- und Ausbildungsprogramm ein. Er war es auch, der den Anstoss gab, den Rebberg am Schlosshügel zu bewirtschaften. «Stärne Föifi», diese Koinzidenzen. (mphs)

Plakat finden und Preise gewinnen. Das Projekt «Lenzburgiana» wurde vom Museum Burghalde lanciert. Während eines Jahres werden monatlich humorvolle Grafiken zu Lenzburger Besonderheiten präsentiert. Das Motiv wird in Plakatgrösse irgendwo im Städtli erscheinen. Der Text dieser Kolumne verrät den Standort. Die witzigsten Selfies vor diesem Plakat werden prämiert. Handyfotos mit Name und E-Mail-Adresse senden an: burghalde@lenzburg.ch. PS: Und die Postkarte dazu gibts im Museumsshop.

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