Schatzkammer

Marc Philip Seidel

Marc Philip Seidel

Versüssung des Bitteren am «Día de los Muertos», hier in Barcelona im November 2025.Foto: mphs

Versüssung des Bitteren am «Día de los Muertos», hier in Barcelona im November 2025.Foto: mphs

Die Nebeltage um Allerheiligen, Totensonntag, Halloween und Fastnacht machen einem bewusst: Gestorben wird auch heute noch. Des Todes Bitterkeit versüsst und der Ahnen gedacht wird etwa in Lateinamerika mit Blumen, Tanz und Zuckertotenköpfen. Was das Gedenken der Toten in Lenzburg angeht, so wartet die eine oder andere Überraschung auf.

Als vor einigen Wochen 160-jährige Friedhofspläne gewichtiger Bauingenieure in einem Gewölbekeller auftauchten, war das eine nicht alltägliche Entdeckung. Dieses Puzzleteil fügt nämlich verschiedene historische Gegebenheiten zusammen. Die Pläne von 1864 offenbaren etwa die Standortfrage: Neben dem heutigen Rosengarten an der Wylgasse wurden auch die Hendschikerstrasse und die Lage «im Bollberge des Herrn Jakob Salm» in Betracht gezogen. Die Mappe legt wunderbare Aquarellzeichnungen von Stadtbaumeister Hieronymus Hünerwadel (1803–1885) offen und zeigt Wettbewerbseingaben des Badeners Robert Moser (1833–1901). Interessant, weil diese Pläne just in der Zeit entstanden, als jener die benachbarte Strafvollzugsanstalt, die heutige JVA, realisierte. Weiter enthüllt der Fund Eingaben zur Abdankungshalle, an denen sich auch der damals junge Baumeister Theodor Bertschinger (1845–1911) beteiligte. Dass dieses Gebäu und damit die meisterhaften Fresken des Lenzburger Künstlers Werner Büchly (1871–1942) inzwischen nicht mehr sind, zeigt den Lauf der Zeit. Auch der Wandel des heiligen Hains selbst lässt sich nicht aufhalten. Bereits 1896 und 1908 zweimal erweitert, wird er auf Basis eines Masterplans seit 1999 stetig den aktuellen Bedürfnissen angepasst.

Dass die letzte Ruhestätte über die Jahrtausende jede Generation neu beschäftigte, geben archäologische Funde preis. Eine kleine Kulturgeschichte der Lenzburger Totenäcker liest sich übrigens in den bald erscheinenden Neujahrsblättern. Da wird etwa verraten, was es mit der prächtigen Eiche beim Spielplatz am Graben auf sich hat oder warum der 1620 verstorbene Siegrist in seiner 43-jährigen Amtszeit den Friedhof ganze dreimal umgraben musste.

«Schatzkammer». Hier stellen Mitarbeitende des Museum Burghalde Lenzburg jeweils spannende Geschichten und originelle Fundstücke vor.

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