Nach zwei Jahren Pause sind die Bärzeli bereit

Hallwil Am 2. Januar wird in Hallwil traditionsgemäss das neue Jahr mit viel Lärm und stachligen Umarmungen von den Bärzeli begrüsst. Dies ist jedes Jahr mit viel Arbeit verbunden.

Braucht rund 40 Stunden Arbeit: Das Kleid des Straumaa wird angefertigt.Foto: Andreas Walker

Braucht rund 40 Stunden Arbeit: Das Kleid des Straumaa wird angefertigt.Foto: Andreas Walker

Zu zweit: Späne für das Kleid des Hobuspöönig werden gehobelt. Foto: Andreas Walker

Zu zweit: Späne für das Kleid des Hobuspöönig werden gehobelt. Foto: Andreas Walker

Es ist Mitte Dezember. Im Werkraum des Schulhauses von Hallwil geben vier junge Männer der Bärzeli-Gestalt des Hobuspöönig den Endschliff. Dabei werden von einem Brett Späne abgehobelt, die gleichmässig dick und etwa einen Meter lang sind. Damit dies gelingt, wird der Hobel mit viel Kraft gleich von zwei Männern geführt. Mehrere grosse Schachteln mit Hobelspänen stehen im Raum. Zur Weiterverarbeitung werden jeweils einige Späne zu einem Verband zusammengenäht.

An einem Gestell hängt ein alter Militärmantel. Daran werden jetzt die Hobelspäne genäht. Bärzeli-Chef Roland Urech erklärt: «Allein für das Kleid des Hobuspöönig werden jedes Jahr mindestens 300 Stunden aufgewendet. Die grünen Figuren werden jeweils erst Ende Jahr hergestellt, damit das Material (Tannen- und Stechpalmenzweige) am 2. Januar noch frisch ist. Für diese zwei Gestalten, Stächpaumig und Tannreeesig, sind je etwa 80 Stunden Aufwand zu bewältigen.»

Das Kleid des Schnäggehüslig hängt im Keller und ist bereits fertig. Dafür wurden am Anfang etwa 150 Stunden aufgewendet. Jedes Jahr werden 3 bis 4 Stunden zur Restauration benötigt. Für den Straumaa werden um die 40 Stunden im Jahr fällig.

Roland Urech freut sich auf den 2. Januar und stellt fest: «Nach der zweijährigen Coronapause ist es sehr gut, dass wir den Bärzeli-Brauch wieder durchführen können, das hat unserem Dorf wirklich gefehlt.»

Typische Naturprodukte

Die Materialien, aus denen die Bärzeli gemacht sind, sind auch die typischen Naturprodukte, die die Landwirte schon seit Urzeiten besitzen: Hobelspäne, Stroh, Stechpalmenäste und Tannenzweige.

Der Bärzeli-Brauch in den kürzesten Tagen sollte erreichen, dass das kommende Jahr fruchtbar werden sollte. Dass die Figuren mit Soiblaatere (Schweinsblasen) unterwegs sind, ist kein Zufall, denn früher war dieser Gegenstand bei den Bauern ein Symbol für Wohlstand. Je mehr Soiblaatere ein Bauer hatte, desto mehr Schweine besass er und desto grösser war sein Reichtum.

Nach zwei Jahren Coronapause werden am 2. Januar die Bärzeli wieder ins Freie stürmen und den Zuschauern mit einer Umarmung wie üblich ihre stachligen Neujahrsgrüsse überbringen.

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