Leidenschaft im Miniaturformat: Puppenstube trifft KultKabine

Lenzburg In ihrer Wohnung erschafft Christin Furter-Hilfiker ganze Welten im Miniaturformat. Ab dem 20. April zeigt sie erstmals ausgewählte Puppenstuben in einer KultKabine in der Lenzburger Altstadt. Was hinter diesem ungewöhnlichen Hobby steckt, erzählt sie mit grosser Freude.

Das persönliche Lieblingswerk von Christin Furter-Hilfiker.Foto: Debora Hugentobler

Das persönliche Lieblingswerk von Christin Furter-Hilfiker.Foto: Debora Hugentobler

Christin Furter-Hilfiker baut auch gerne Überraschungen in ihre Häuser.Foto: Debora Hugentobler

Christin Furter-Hilfiker baut auch gerne Überraschungen in ihre Häuser.Foto: Debora Hugentobler

Christin Furter-Hilfiker an ihrem Arbeitstisch: Die Seniorin baut Welten im Mini-Format. Jedes Puppenhaus beginnt mit der Küche. Foto: Debora Hugentobler

Christin Furter-Hilfiker an ihrem Arbeitstisch: Die Seniorin baut Welten im Mini-Format. Jedes Puppenhaus beginnt mit der Küche. Foto: Debora Hugentobler

Platz ist bei ihr inzwischen Mangelware geworden. Ein Arbeitszimmer ist ganz den Puppenzimmern gewidmet, weitere Werke stehen in Badezimmern und im Schlafzimmer. Vier «Bäbistuben» hat sie bereits verschenkt. «Ich musste mir einen Stopp auferlegen», sagt sie – auch wenn es ihr schwerfällt.

Stück für Stück zur Fantasiewelt

Jede Puppenwohnung beginnt bei ihr mit dem Kochherd. Von dort aus wachsen die Zimmer Schritt für Schritt. Doch wirklich abgeschlossen ist keines ihrer Werke: Immer wieder verändert sie Details, ergänzt oder verbessert. «Es hört nicht auf», erklärt Christin Furter-Hilfiker. Begonnen hat alles mit einer Puppenstube für ihre jüngste Enkelin. Noch heute wird die Stube von den Enkelkindern rege bespielt. Vor wenigen Jahren stiess sie dann auf ein Möbelstück, das sie zu einer Gärtnerei inspirierte – der Startschuss für ihr Herzenshobby. Es folgten Werkstatt, Stoffladen und weitere Räume. Zusammengesetzt aus aufeinandergeschraubten Kisten entstehen so ganze Wohnungen. Ihre Materialien für die Einrichtung findet sie in Brockis, Bastel- und Spielwarengeschäften. Die Accessoires sind oft günstig, die Möbel hingegen kostspielig – mehrere tausend Franken hat sie bereits investiert. Manchmal entdeckt sie zufällig das passende Stück, manchmal sucht sie gezielt danach und «tigert herum».

Vom Puppenstubenvirus befallen

Das Puppenstubenbauen liegt ihr gewissermassen im Blut. Die Puppenstube, die ihr Vater ihr als Kind anfertigte, war für sie das grösste Wunder und ein kleines Paradies. Später baute er für ihre eigenen Kinder ein Puppenhaus, das noch heute von ihren Enkelkindern geliebt wird. Die Fantasiereisen und Geschichten, die daraus entstehen, seien für sie etwas ganz Besonderes. «Es ist ein Virus, der mich gepackt hat», sagt sie schmunzelnd. Im Wohnzimmer stehen ausserdem Puppenstuben, die sie gekauft oder geschenkt bekommen und anschliessend aufgewertet, ergänzt oder verschönert hat. Abends geht sie gerne noch einmal an ihren Werken vorbei, betrachtet sie, saugt die Schönheit ein – und ist glücklich: «Ich könnte dann die halbe Welt umarmen.»

Zwischen Vielfalt und Lebensfreude

Der Stil ihrer Räume ist eine Mischung aus Alt und Neu, wobei sie das Altmodische persönlich vorzieht. Beim Gestaltungsprozess sei die grösste Herausforderung die Feinarbeit, etwa das exakte Zuschneiden von Tapeten. «Ich schaue beim Werkeln nicht auf die Uhr – aber ich bin immer erstaunt, wie schnell die Zeit vergeht. Ich verschwinde regelrecht in diese Welt.» Neben ihrer Freude am Gestalten und Basteln tanzt und malt sie auch gerne. Eine weitere Leidenschaft gilt Hüten: Sie hat mit einer Freundin einen Hutclub gegründet, dessen sechs Mitglieder sich monatlich treffen – natürlich mit Hut. «Wir bekommen viele positive Bemerkungen, aber auch erstaunte Blicke», sagt sie lachend. «Es braucht gar nicht mehr, und ich bin glücklich.»

Von der Kiste zur Kabine

Ihre Puppenstuben – darunter natürlich auch ein Hutladen – versteht sie als Bilderbuch oder Schaufenster in eine andere Welt. Daher entstand die Idee, ihre Werke in einem Schaufenster zu präsentieren. Ihre Tochter erzählte ihr schliesslich von den KultKabinen. Christin Furter-Hilfiker war sofort klar: «Eine Telefonkabine ist die richtige Grösse.» Zehn Wochen lang wird sie dort eine wechselnde Auswahl ihrer Miniaturwelten zeigen – und möchte damit vor allem Kindern eine Freude bereiten. Wie genau die Kabine aussehen wird, ist noch offen. Erste Skizzen und Visionen hat sie bereits. Auch für die Zukunft hat sie Ideen: etwa ein weihnachtliches Puppenhaus mit Tannenbaum und Puppenkindern. Ausserdem wünscht sie sich, ihre Stuben im Altersheim auszustellen, um bei den Bewohnerinnen und Bewohnern schöne Erinnerungen an frühere Zeiten zu wecken. Denn darum geht es ihr: um die kleinen Dinge, die grosse Freude bereiten.

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