Humor undAchtsamkeit

tipp zum Alltag

Horst Hablitz

Horst Hablitz

Humorvolle Achtsamkeit. Illustration: zvg

Humorvolle Achtsamkeit. Illustration: zvg

Wie viele Millionen anderer Menschen bin auch ich davon überzeugt, ein humorvoller Zeitgenosse zu sein. Ausserdem bin ich Aktivmitglied der «Achtsamkeits-Bewegung». Mag vielleicht ein bisschen hochgestochen klingen, aber mir gefällt das. Denn das, was da seit den späten 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts (wieder einmal) aus den USA zu uns über den grossen Teich geschwappt kam, ist für mich tatsächlich eine Bewegung. Eine, die bewegt. Ich bin der festen Überzeugung, dass vor einigen Jahren da etwas in Bewegung gekommen ist, dass das Zeug dazu hat, die Welt tatsächlich zu verändern. Und zwar zum Guten. Aber ich wollte ja eigentlich mit Ihnen über Humor sprechen. Humor und Achtsamkeit? Wie geht das zusammen? Hat das etwas miteinander zu tun? Ich glaube ja. In meinem Sprachgebrauch gibt es zu diesem Thema vier Begriffe, die ich mit Ihnen «abschattieren» möchte. Da ist zunächst der Humor selbst, den ich als warmherzig, verbindend und wohlwollend empfinde; geboren aus einer Ich-bin-okay-Du-bist-okay-Haltung. Dann die Ironie, von der Thomas Mann meinte (frei formuliert): «Wer das Leben wirklich kennt, begegnet ihm mit Ironie.» Sie ist für mich immer noch wohlwollend, aber bereits mehr distanzierend und vielleicht umgeben von einer zarten Melancholie. Sie weiss eben um die Schönheit und die Verletzlichkeit unserer Welt. Dann der Sarkasmus: Er ist lieblos und böse, herabsetzend und will verletzen. Er sagt: «Ich bin schon okay – aber du bist nicht okay!» Zum Schluss noch der Zynismus. Er ist der Hoffnungsloseste von allen. Er verletzt nicht nur andere, sondern auch sich selbst. «Ich bin nicht okay – Du bist nicht okay!» Ihm ist nichts mehr heilig, er kennt keine Werte mehr. Es liegt auf der Hand, dass die beiden zuletzt genannten Haltungen nichts mit Achtsamkeit zu tun haben. Es sind a priori unachtsame und rücksichtslose Haltungen. Aber sowohl der aufbauende und verbindende Humor, als auch die zuweilen distanzierende Ironie sind für mich unverzichtbare «Werkzeuge» der achtsamen Lebensführung; sie lassen uns das Leichte geniessen und das Schwere ertragen. In heiterer Gelassenheit.

«Tipp zum Alltag». Hier schreiben Dozenten des CAS-Studienlehrgangs Achtsamkeit in Lenzburg jeweils in der letzten Ausgabe des Monats über psychologische Aspekte im Alltag. Die Autoren wechseln sich ab.

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