Agnė Kišonaitė in der Villa Sonnenberg

Kunst Mehrmals im Jahr residieren Kunstschaffende aus aller Welt in der Villa Sonnenberg in Lenzburg. Seit September arbeitet dort Agnė Kišonaitė an mehreren ganz unterschiedlichen Kunstwerken. Am 21. und 22. November werden sie in der Ausstellung mit dem Titel «In Motion» zu sehen sein.

Agnė Kišonaitė arbeitet an den Bildern.Foto: zvg

Agnė Kišonaitė arbeitet an den Bildern.Foto: zvg

Die litauische Künstlerin baut an ihrem Werk aus Zweigen und Naturzwirn.Foto: Verena Schmidtke

Die litauische Künstlerin baut an ihrem Werk aus Zweigen und Naturzwirn.Foto: Verena Schmidtke

Im hellen Atelier liegen auf einem der Tische mehrere Äste. Sie sind durch feinere Zweige kunstvoll miteinander verwoben – und erinnern an kleine Wellenbewegungen. Darin platziert die litauische Künstlerin Agnė Kišonaitė gerade einige Vögel, sie sind ebenfalls aus Zweigen sowie Naturzwirn geformt. Die Künstlerin erklärt: «Später werde ich die Vögel auch mit dem Band fixieren, wenn sie ihren Platz gefunden haben.» Die Materialien seien alle aus der Umgebung. «Hier in der Region wachsen viele Rankpflanzen, die Zweige habe ich verwendet», schildert sie den Arbeitsprozess. «Als der Gärtner hier im Garten der Villa die Bäume beschnitten hat, hat er Äste für mich aufgehoben. Daraus sind Vögel geworden.»

Im Gespräch berichtet sie: «Durch ‹In Motion› versuche ich herauszufinden, wie traditionelles litauisches Wissen, lokale Materialien und der Geist dieses Ortes zusammenkommen.» Gerade das Wort Motion – also Bewegung – sei wichtig für sie. «Weil ich oft reise und Projekte an unterschiedlichen Orten entwickle. Jede Umgebung verändert meine Ideen.»

Da ihr Vater ein preisgekrönter Meister von Möbelintarsien sei, kam sie bereits früh mit Kunst in Kontakt und begann sich selbst dafür zu interessieren, teilt die Künstlerin zu ihrem Werdegang mit. «Als Teenager beschloss ich, dass das Zeichnen der menschlichen Figur zu den interessantesten Dingen gehörte, die ich lernen konnte», erinnert sie sich. Sie lernte privat bei verschiedenen Lehrern, am Kunstgymnasium in Klaipėda und später an der Litauischen Kunstakademie. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie zunächst als Angestellte, entschloss sich aber ein paar Jahre später, sich ganz der Kunst zu widmen. Mit Erfolg: Schon vor ihrer ersten Ausstellung sei die Hälfte ihrer Bilder verkauft worden. Diese Erkenntnis habe ihr Selbstvertrauen gegeben und seitdem sei die Kunst ihr Weg.

Von Gemälden bis zu grossen Installationen

Agnė Kišonaitė ist vielseitig, neben der Malerei gehören ganz unterschiedliche Kunstprojekte zu ihrem Repertoire. Aus ausrangierten CDs schuf sie in Vilnius zusammen mit einem Team die Installation «Solstice», also Wintersonnenwende. Die Strahlen der aufgehenden Sonne sind mehrere Meter hoch. Auf ihrer Webseite www.agneart.com ist das beeindruckende Werk neben weiteren Kunstprojekten zu sehen.

In der Villa Sonnenberg hat die Künstlerin den passenden Platz für ihr filigranes Gebilde aus Ästen und Zweigen schon gefunden: gleich neben dem Ausstellungsraum an der Wand. Dieser Raum mit dem Gewölbe habe sie von Beginn an begeistert und zu zwei grossen Gemälden inspiriert: «Also begann ich, zwei Acrylgemälde auf Leinwänden zu 120 mal 160 Zentimetern zu malen – mit dem Ausschnitt eines Stuhls aus der Villa Sonnenberg.» Im Atelier stehen die beiden Bilder, Agnė Kišonaitė nimmt eines von der Staffelei und stellt es neben das andere: Voilà, zusammengestellt ist der Stuhl erkennbar. «Ich arbeite noch an den Bildern», erläutert sie und weist auf den Ring, der sich ebenfalls über beide Leinwände erstreckt.

Die Umgebung als Inspirationsquelle

Die Villa Sonnenberg und überhaupt die Umgebung seien kreativ sehr anregend, berichtet sie lächelnd. Für sie hätten, wie bereits bekundet, alte Handwerkstechniken eine grosse Bedeutung: «‹In Motion› ist inspiriert von den Prinzipien der traditionellen Stroh-Ornamente Litauens – Sodai. Die Unesco listet diese ‹Strohgärten› als immaterielles Kulturerbe», teilt Agnė Kišonaitė mit. «Vor einer Weile lernte ich, wie diese Ornamente angefertigt werden und ihre Philosophie faszinierte mich.» Es sind sehr feine, aus Getreidehalmen gefertigte, präzise geometrische Elemente. In ihrer zeitgenössischen Kunst interpretiere sie dieses Kunsthandwerk. «Christine von Arx, die Stiftungspräsidentin der Villa Sonnenberg, machte mich auf das Strohmuseum in Wohlen aufmerksam, wo mich die Schweizer Handwerkskunst im Umgang mit Stroh beeindruckt hat.» Agnė Kišonaitė zeigt sich erfreut über diese Verbindung der Strohkunstwerk-Traditionen.

Anfang November können Interessierte in einem von der Künstlerin geleiteten Workshop selbst ausprobieren, aus Naturmaterialien wie Efeu und Gräsern oder aus Elektroschrott eigene Vögel entstehen zu lassen. Denn Agnė Kišonaitė hat auch ein Faible für Recyclingmaterial und verwendet es immer wieder für ihre Exponate. Lachend zieht sie im Atelier einen Karton unter einem Tisch hervor: «Christine von Arx hat mit mir einen Werkhof besucht, dort habe ich alte Kabel und mehr gefunden.» Sie habe noch einige Ideen für verschiedene Exponate. «Ich weiß schon jetzt, dass ich sehr schöne Erinnerungen an Lenzburg mitnehmen werde», sagt Agnė Kišonaitė. «Ich hoffe aufrichtig, viele der Menschen, die ich hier kennengelernt habe, bei meiner Ausstellung ‹In Motion› wiederzusehen.»

Die Ausstellung «In Motion» in der Villa Sonnenberg findet am 21. November um 17 Uhr statt. Am 22. November gibt es von 13 bis 17 Uhr ein Pop-up-Café im Garten. Es ist auch möglich, Kunstwerke zu kaufen.

Weitere Artikel zu «Im Gespräch», die sie interessieren könnten

Maurus Kaufmann
Im Gespräch04.11.2026

Obligatorium bleibt vorerst bestehen

post aus aarau Die Grossratsdebatte aus Sicht von Maurus Kaufmann, Grüne, Seon
Horst Hablitz
Im Gespräch04.11.2026

Humor undAchtsamkeit

tipp zum Alltag
Den Matterhorn Ultraks SKY absolvierte Nicolas Wipf trotz Seitenstechen.Foto: zvg
Im Gespräch28.10.2026

Von Fahrwangen zum grossen Rennen um die Welt

Fahrwangen Nicolas Wipf aus Fahrwangen arbeitet an einem Projekt, das ihn nächstes Jahr sportlich und mental an seine Grenzen bringen wird: Am Great World Race…