Gedruckte Zeitreisen

Schatzkammer

Marc Philip Seidel

Marc Philip Seidel

Werbeplakat Müllerbräu.Foto: zvg

Werbeplakat Müllerbräu.Foto: zvg

Wie lässt sich das Wesen einer Stadt über Jahrhunderte hinweg festhalten? Die Antwort liegt meist im gedruckten Wort. Wer die Rubrik der Publikationen des Museums Burghalde durchstöbert, merkt schnell: Die hiesige Geschichtsschreibung ist lebendig, tiefgründig und überraschend vielschichtig. Seit ihrer Gründung engagiert sich die Museumsstiftung stark auf dem publizistischen Parkett. Die jüngste Publikation «Pionierinnen, Künstlerinnen, Denkerinnen» lässt erkennen: Die Chronik unserer Region unterläuft gerade einer tiefgründigen Aktualisierung und stellt neue Namen ins Rampenlicht. Die vor bald 100 Jahren erstmals erschienenen Lenzburger Neujahrsblätter – heute ein Organ der Ortsbürger – sind ein Schatz für das kollektive Gedächtnis Lenzburgs und lieferten zahlreiche Fakten und Details zu Persönlichkeiten und Begebenheiten. Dies dank der akribischen, oft ehrenamtlichen Tätigkeit etlicher Schreiberlinge über die Jahrzehnte hinweg. Aus diesen und weiteren Quellen wird klar, wie rasant sich ein Blickwinkel wandeln kann: Denn über Jahrhunderte fand die offizielle Geschichtsschreibung fast ausschliesslich im männlichen Präteritum statt. Die aktuellen Museumsausstellungen und Publikationen werfen nun eine radikal andere – dezidiert weibliche – Perspektive auf die letzten 200 Jahre Lenzburger Frauenpower. Da treten vergessene Namen wieder ans Tageslicht und die kulturelle wie soziale Entwicklung unserer Heimat ordnet sich im Rückblick neu. Es ist das Manifest einer längst überfälligen Aufarbeitung.

Dass gedruckte Werke uns den Raum um uns herum völlig neu erschliessen, zeigen auch Christoph Mosers «Zeitreisen durch Lenzburg» – der dritte Band folgt übrigens im Frühjahr 2027. Ebenfalls offene Augen gefragt sind beim Durchstöbern des stets kostenlos verfügbaren Kunstführers durch Lenzburg – erhältlich im Museum oder im Rathaus. All diese Bücher laden zum Schmökern, zum Nachschlagen und zum Neuentdecken der eigenen Heimat.

«Schatzkammer». Hier stellen Mitarbeitende des Museums Burghalde Lenzburg jeweils spannende Geschichten und originelle Fundstücke vor.

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