Freischarenrapport: Wortgefechte, Witz und Weichenstellungen

Lenzburg Der traditionelle Rapport der Freischaren füllte einmal mehr den Saal des Restaurants Krone. Während vier Stunden wurde diskutiert, zelebriert, gegessen – und eine Geheimidee enthüllt.

Stephan Weber übernimmt das Präsidium von Stefan Regli.Foto: DHu

Stephan Weber übernimmt das Präsidium von Stefan Regli.Foto: DHu

Geheimidee: Die Kadetten mit gender- und rassismusfreien Kostümen verwirren. Foto: DHu

Geheimidee: Die Kadetten mit gender- und rassismusfreien Kostümen verwirren. Foto: DHu

Stefan Regli wird Besitzer eines raren Postvelos.Foto: Debora Hugentobler

Stefan Regli wird Besitzer eines raren Postvelos.Foto: Debora Hugentobler

Unter den zahlreichen Gästen waren ehemalige Generalpräsidenten, Mitglieder der Freischarencommission, Ehrenfreischaren und Kadetteninstruktoren ebenso vertreten wie Stadtammann Andreas Schmid, Stadträte sowie Sponsoren und Landbesitzer. Ziel des Anlasses war es nicht nur, organisatorische Punkte zu klären, sondern den Geist der Freischarentradition zu pflegen – Gemeinschaft, Solidarität und Freude. Mit filmreifer Einstiegsmusik eröffnete eine Diashow des Feldfotografen vom letzten Manöver den Abend. Als Schattenseiten des Manövers 2024 bezeichnete Freischarenpräsident Stefan Regli den mangelnden Fitnesszustand der Freischaren sowie die fehlende Wetterfestigkeit – und das, «obwohl der General uns den Sieg versprochen hat!»

Für «Honolulu» 2026 habe der General bereits einen wetterfesten Geheimplan. «Die streng geheime Idee lautet: Die Kadetten mit neuen, gender- und rassismusfreien Kostümen zu verwirren», so Regli. Für grosses Gelächter sorgte das darauffolgende Bild der «prominentesten Models»: als Karikaturen kostümierte Stadträte.

Zwischen Anti-Terror-Sperren, Zollhaus und Pins

Der Säkelmeister übernahm das Wort unter Reglis Anweisung: «Jammern, aber kurz.» Der Finanzverantwortliche bezeichnete das vergangene Jahr als finanziell schwierig. Nicht zuletzt wegen der Streichung der städtischen Zahlung, die nun aber von der Ortsbürgergemeinde übernommen werde. Gleichzeitig präsentierte er humorvolle Lösungsvorschläge für finanzielle Schwierigkeiten der Stadt: Die im Einwohnerrat abgelehnten Anti-Terror-Sperren können durch Freischaren auf dem Platz ersetzt werden – natürlich gegen Entschädigung. Dem teuren Bahnhofumbau stellte er ein Zollhaus mit Freischaren bei steuergünstigen Nachbargemeinden gegenüber. Realistisch seien jedoch einzig die Einnahmen aus den Freischaren-Pins.

Neue Ämter, neuer Präsident

Der Ausschuss habe sich stets bemüht, einer Überalterung entgegenzuwirken – und über die letzten Manöver einen Generationenwechsel bewirkt. Sechs verabschiedete Commissionsmitglieder – darunter der Präsident selbst – erhielten ein gemaltes Bild «als Anerkennung der Sieglosigkeit». Emotional wurde der Abschied bei Sabina Stöckli, Gwandmeisterin seit 2012: «Die Frau, die den BMI jedes Freischaren kennt – und noch schlimmer: die Entwicklung über die Jahre beobachtet hat.» Sie wurde als erste Frau zur Ehrenfreischarin ernannt. Ebenfalls verabschiedet wurde Ferdi Bürgi, der das Manöver seit 2008 als Kommandant der Regionalpolizei begleitet hat.

Gleichzeitig wurden zahlreiche Funktionen neu besetzt. Theatralisch ins Amt ernannte Regli gleich 15 Personen, darunter drei Social-Media-Expertinnen als ersten Aufklärungstrupp. Des Weiteren wurden zwei besondere Ernennungen ausgesprochen: an Urs F. Meier als «Ehrenpräsident des ruhmreichen Freischarentors» und an Stefan Regli selbst, der den Titel «Ehrenfreischar» erhielt. Sein Präsidentenamt übergab er an General Stephan Weber. Zum Dank für sein jahrelanges Engagement wurde Regli mit einem raren Postvelo überrascht und von den Ehrenfreischaren aufgeboten, beim Manöver 2026 damit im Zug mitzufahren.

Von scharfen Sticheleien und siegesgewissen Ausblicken

Die Wortgefechte zwischen Kadetten und Freischaren fielen pointiert aus. Die Stabchefin der Kadetten erklärte: «Die Tech-affinen Alphakadetten werden mithilfe von KI die Freischarenboomer überlisten. Im Gegensatz zu meinem kurzsichtigen Freischarenpendant plane ich weit voraus.» Der Stabchef der Freischaren konterte: «Liebe Kadettlis, mit eurem Jugendwort des Jahres «das crazy» macht ihr uns keinen Eindruck, sondern nur ratlos. Im Jubiläumsjahr von 20 Jahren Freischarenplatz halten uns Crazy-blaue-KI-Zwerge nicht auf.»

Der neue Präsident Stephan Weber verriet seinen «genialen Generalsplan» noch nicht, zeigte sich jedoch siegesgewiss. Stadtammann Andreas Schmid schloss mit den Worten: «Das Freischarenmanöver ist eine der wichtigsten Traditionen in Lenzburg und könnte ohne das Freiwilligenengagement nicht stattfinden – dafür möchte ich euch allen recht herzlich Danke sagen.»

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