Gartentipp: Engerlinge schützen statt bekämpfen

Arbeitet auf Schloss Wildegg: Gärtnerin Tanya van der Laan.Foto: MA/Pascal Meier
Arbeitet auf Schloss Wildegg: Gärtnerin Tanya van der Laan.Foto: MA/Pascal Meier

Sie sind der Albtraum vieler Gärtner: Engerlinge. Die fleischigen Larven des Blatthornkäfers pflügen sich wie Würmer durch die Erde. Engerlinge bevölkern zunehmend Topf- und Kübelpflanzen, wo mehr torffreie Erde verwendet wird als früher. Blatthornkäfer schätzen Erde ohne Torf als Ablageort für ihre Eier.

Die daraus geschlüpften Engerlinge entwickeln sich in langen zwei bis drei Jahren zu Käfern – die Familie des Blatthornkäfers umfasst mehrere zehntausend Arten. Die Engerlinge werden oft erst beim Umtopfen entdeckt. Oder zu viel Wasser im Topf spült die Larven an die Oberfläche.

Wertvolle Helfer im Kompost

Nach dem ersten Schreck sagen viele Gärtner Engerlingen den Kampf an. Die Larven sehen abstossend aus und haben einen schlechten Ruf. Denn zur Familie des Blatthornkäfers gehören auch die Mai- und Junikäfer. Diese waren früher stark verbreitet und wüteten an Fruchtbäumen sowie auf dem Feld. Sie wurden wegen grosser Schäden in grossem Stil bekämpft.

Nicht alle Blatthornkäfer, die aus Engerlinge verpuppen, sind jedoch Schädlinge. Ein Teil davon ist zudem geschützt. Zum Beispiel der wunderbar metallisch-grün schimmernde Rosenkäfer. Diese Art ist vom Aussterben bedroht und oft in Topfpflanzen zu finden. Als Engerling ernährt sich der Rosenkäfer von abgestorbenem Material, als ausgewachsener Käufer von Pollen und Blüten.

Ich plädiere deshalb dafür, Engerlinge im eigenen Garten umzusiedeln statt zu bekämpfen – auch jene, die Wurzeln fressen. Denn Engerlinge sind generell rar und wichtig für die Artenvielfalt. Ein mögliches neues Zuhause ist der eigene Kompost. Hier erweisen sich einige Engerlinge sogar als wertvolle Gartenhelfer: Der Rosenkäfer zum Beispiel verwertet abgestorbenes Material zu neuer Erde.

Die «guten» von den schädlichen Engerlingen zu unterscheiden, erweist sich jedoch als Knacknuss. Der schützenswerte Rosenkäfer ist glücklicherweise mit folgendem Trick schnell zu bestimmen: Liegt der Rosenkäfer mit dem Rücken auf einer glatten Oberfläche, bewegt er sich wie eine Ziehharmonika langsam vorwärts. Andere Engerlinge können sich in dieser Lage kaum bewegen.

«Gartentipp». Hier schreiben Mitarbeiterinnen der Schlossgärtnerei Wildegg jeweils in der zweiten Ausgabe des Monats über aktuelle Gartenaspekte.

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