Eine Jubiläumsfeier für Peter Mieg, einen Künstler mit vielen Facetten
Lenzburg Komponist, Maler und Autor: Der Lenzburger Peter Mieg (1906–1990) zeigte sich in allen drei Bereichen erfolgreich. Zu seinem Geburtstag am 5. September soll der Künstler in der Villa Sonnenberg geehrt werden.
Peter Mieg war ein aussergewöhnlich vielseitiger Künstler. Er ist in einem gutbürgerlichen Elternhaus aufgewachsen und seine musikalische Begabung zeigte sich schon früh. Schon als Jugendlicher begann er zu komponieren. In den 1950er Jahren erlebte er seinen Durchbruch als Komponist. Mehr als 35 Jahre nach seinem Tod werden seine Werke immer noch aufgeführt – weltweit. Doch auch als Journalist und Autor wirkte er, ebenso als erfolgreicher Maler in Aquarell- und Gouachetechnik.
Kreativ nach striktem Zeitplan
Talent allein genügt meist nicht, um erfolgreich zu sein. Markus Hediger, Präsident der Stiftung Peter Mieg, berichtet, dass dieser äusserst diszipliniert gearbeitet hat: «Morgens komponierte Peter Mieg, danach gab es ein Mittagessen. Es folgte am Nachmittag die Korrespondenz und abends widmete er sich der Malerei.» Mieg habe von der Muse mit dem Teppichklopfer gesprochen, erinnert sich Hediger mit einem Lächeln. Der Lenzburger genoss eine umfassende und vielfältige Bildung. Mütterlicherseits war er mit dem alten Lenzburger Geschlecht der Hünerwadel verwandt, die Familie des Vaters kam aus Basel.
Musikalisches Gespür scheint in der Familie Hünerwadel durchaus Tradition gehabt zu haben. «Peter Miegs Grosstante war die talentierte Komponistin Fanny Hünerwadel», schildert der Stiftungspräsident aus der Familiengeschichte. «Leider verstarb sie noch recht jung 1854 in Rom. Bekannt war sie unter anderem mit Richard Wagner und Franz Liszt.» Das Musische sei in Miegs Elternhaus selbstverständlich gewesen. Und so lernt der junge Peter Mieg Klavier spielen und versucht sich in eigenen Kompositionen.
Nach der Matura folgte ein Studium der Kunstgeschichte, Archäologie, Musikgeschichte, deutsche und französische Literatur in den Städten Zürich, Basel und Paris. Hinzu kamen pianistische Studien. Nach seiner Dissertation über moderne Schweizer Aquarellmalerei arbeitete der Künstler als Kulturjournalist im In- und Ausland. Laut der Stiftung seien besonders Aufenthalte während der 1930er Jahre in Paris mit dem kulturellen Flair durchaus prägend für den jungen Peter Mieg gewesen. In Bezug auf seine Kompositionen habe ihm seit 1942 der Komponist Frank Martin beratend zur Seite gestanden.
Mit Werken wie «Divertimento» und «Concerto da camera» gelang Peter Mieg schliesslich zu Beginn der 1950er Jahre als Komponist der Durchbruch. Danach konzentrierte er sich auf Auftragskompositionen von Instrumentalkonzerten, der Kammer- und Klaviermusik, welche sich auch im Ausland grosser Beliebtheit erfreuen. «Zwischenzeitlich war Mieg einer der meistgespielten Schweizer Komponisten», berichtet Markus Hediger. Nun, mehr als 30 Jahre nach dessen Tod, seien es nicht unbedingt die grossen Orchester, die seine Werke aufführen. «Aber bei sehr vielen kleineren Ensembles ist er nach wie vor vertreten.» Besonders erfreut sei er, dass die Kompositionen weltweit zu hören seien. Hediger merkt an: «Beispielsweise gab es Aufführungen in Portugal, Thailand und Italien und natürlich nach wie vor in der Schweiz.» Als Journalist und Autor war Peter Mieg ebenfalls tätig und verfasste Zeitungsartikel, Buch- und Zeitschriftenbeiträge. «Ausserdem kannte er viele Leute und pflegte eine umfangreiche Korrespondenz.» Ein weiterer wichtiger Schaffenszweig war für den Künstler die Malerei.
Auch als Maler erfolgreich
Seit Ende der 1930er Jahre hatte der Komponist seinen Lebensmittelpunkt wieder in Lenzburg gefunden – die Villa Sonnenberg war seitdem sein Zuhause. Der Stiftungspräsident, der Mieg auch persönlich kannte, erinnert sich, wie dieser abends am Ende des langen Flures malte. Seine Stillleben waren beliebt und Mieg verkaufte sie erfolgreich. «Sie entstanden schneller als die Kompositionen», erzählt Hediger. «An einer Sonate arbeitete Peter Mieg mitunter einige Wochen bis Monate.» Er habe an sich einen hohen Anspruch gehabt. Den Esprit des Künstlers machten seine Karikaturen aus. «Da waren sein Feinsinn und sein Sinn für Humor sichtbar. Insgesamt mit der Musik, dem Schreiben und der Malerei kann man ihn durchaus einen Universalgelehrten nennen.»
In Lenzburg wirkte Mieg beispielsweise als Gründungsmitglied der Ortsbürgerkommission und als Kulturpfleger. Markus Hediger über den bekannten Komponisten: «Er war ja auch eine auffällige Erscheinung, nicht gerade klein. Im grauen Mantel mit dazu passendem Filzhut und langem rotem Schal – er war nicht zu übersehen.» Bis heute wird das Andenken an diese Lenzburger Persönlichkeit bewahrt. «Die Stiftung Peter Mieg zur Pflege des künstlerischen Nachlasses gibt es seit 1991», informiert Hediger. «Die Stiftung hat im Müllerhaus Räumlichkeiten, wo die Korrespondenz und die Bilder ihren Platz haben.» Was die Vielzahl an Kompositionen betreffe, so hätten diese in der Paul-Sacher-Stiftung in Basel ihren Platz gefunden.
Am 5. und 6. September feiern die Stiftung und die Villa Sonnenberg mit folgenden Konzerten den Geburtstag von Peter Mieg. Sonate pour flûte et piano (1963), Jean-Luc Reichel und Joyce-Carolyn Bahner, Villa Sonnenberg, Lenzburg, 5. September, ab 15 Uhr und Quatuor (1987) und Les Images d’Epingal (1975), Moser-Quartett und Daniela Roos, Villa Sonnenberg, Lenzburg, 6. September, ab 15 Uhr.









