Der besondere Moment, für den sich die Mühe gelohnt hat
Lenzburg Vor wenigen Monaten fuhr der Viererbob mit seinem Piloten Michael Vogt und den Anschiebern Mario Aeberhard, Andreas Haas und Amadou Ndiaye an den Olympischen Spielen in Italien zur Bronzemedaille. Ein wunderbarer Erfolg. Der Lenzburger Amadou Ndiaye berichtet, wie er zu diesem spannenden Sport kam und was ihn daran begeistert.
Der Moment, in dem man weiss, wofür sich die Mühe lohnt – dieser Moment war an den Olympischen Spielen in Cortina bei der Siegerehrung. 0,04 Sekunden Vorsprung bedeuteten für die Mannschaft um Michael Vogt die Bronzemedaille. Zusammen mit seinen Teamkollegen bekam Amadou Ndiaye diese Medaille umgehängt. Zwischen Unglauben und überwältigender Freude strahlten die vier Athleten auf dem Podest. «Dort zu stehen, mit dem Blick auf die Alpen, das war wirklich sehr berührend», erinnert sich Amadou Ndiaye nicht ganz drei Monate später. «Dazu waren es ja beinahe Heimspiele und so war es schön, dass auch Familie und Freunde vor Ort mitgefiebert und mit uns gefeiert haben.»
Die Leidenschaft für Sport sei irgendwie schon immer da gewesen, stellt Amadou Ndiaye fest: «Als kleiner Junge bin ich immer gern gerannt. Später war ich beim TV Lenzburg im Bereich Leichtathletik.» Dort habe er sich noch nicht auf eine Disziplin festgelegt. Nach einer Pause begann er während seiner Zeit an der Kantonsschule wieder mit der Leichtathletik. «Erst lief ich Mittelstrecke, bald spezialisierte ich mich auf den Sprint.» Der Schritt von der Leichtathletik zum Wintersport erfolgte vor nicht einmal zwei Jahren.
Erst ein Scherz – dann ein neuer Weg
«Zum Sprinttraining gehört auch die Arbeit mit einem Gegengewicht», berichtet der Athlet und fügt lachend hinzu: «Das funktionierte so gut, dass meine Trainerin eher im Scherz meinte, ich solle doch mal bei den Bobfahrern anfragen.» Es sei allerdings gar nicht ungewöhnlich, dass Bobanschieber aus der Leichtathletik kommen – gerade aus dem Sprint oder dem Werfen. «Jedenfalls bin ich mal zu einem Schnuppertraining gegangen, das verlief wirklich gut. Der Pilot meinte, ich müsse unbedingt in sein Team kommen», schildert Ndiaye.
Ziemlich schnell hatte ihn der Bobsport gepackt. Vor Grossanlässen werde den jeweiligen Bobpiloten das Team zugeteilt, informiert Ndiaye, so sei er Anfang 2025 in die Mannschaft von Michael Vogt gekommen. Das sei für ihn eine ziemlich grosse Wertschätzung seiner Leistung gewesen, die Plätze seien heiss begehrt. «Ich bin gut aufgenommen worden, der Gemeinschaftsgeist beim Bobfahren ist gross, da ist sehr viel Zusammenhalt», erklärt er. Sowohl im Verband als auch im Team gehe es recht familiär zu. «Wenn wir gemeinsam auf Tour sind, dann kochen wir auch mal gemeinsam.» Die Leidenschaft für diese Sportart ist dem Bobanschieber deutlich anzumerken. Gekrönt wurde die Leistung mit EM-Bronzemedaillen sowie dem Erfolg an Olympia. Amadou Ndiaye führt aus: «Etwas, das von aussen weniger wahrgenommen wird: Es ist ein ziemlich vielschichtiger Sport.»
Neben dem sportlichen Anteil gehe es immer auch ums Material: «Das ist schon eine Wissenschaft für sich.» Je nach Eisbahn sowie Wetter- und Temperaturverhältnissen müsse der Schlitten vorbereitet werden. Dazu der junge Athlet: «Wir verbringen vermutlich genauso viel Zeit in der Garage wie im Training.» Zwar habe das Team natürlich Mechaniker, aber die Mannschaft arbeite dennoch selbst viel am Gerät. «Das Kufenschleifen und -polieren nimmt schon viel Zeit in Anspruch. Gehört aber dazu», erläutert er – und auch hier machen sich sein Interesse und die Begeisterung für diese Disziplin bemerkbar. Dazu sagt er mit einem herzlichen Lachen: «Es hat mich einfach gepackt.» Besonders, seit er vor einer Weile selbst einmal pilotiert habe: «Da habe ich noch eine andere Perspektive bekommen.»
Die Schweiz besitzt mit ihrer Bobbahn in St. Moritz die älteste Bahn weltweit, welche noch genutzt wird. «Das Bobfahren war ja damals eher ein Hobbysport für Wintertouristen», erläutert Amadou Ndiaye zur 1904 erbauten Bahn und zum Ursprung der Sportart. Nachteil dieser Bahn sei, dass sie als Natureisbahn meist erst im Dezember einsatzbereit sei. «Die Vorbereitung auf Eis startet im Oktober.» Deshalb seien die Schweizer Bobfahrer oft im Ausland zum Trainieren. «Aktuell ist jeder im eigenen Verein in der Vorbereitung», teilt der Athlet mit. «Fünf bis sechs Tage die Woche, Kraft und Sprint. Erholung muss aber ebenfalls sein.» Ab dem Sommer trainiere die Mannschaft wieder gemeinsam, unter anderem in Trainingslagern. Es gebe unter anderem in Filzbach eine Anlage, an der sie das Anstossen und Einsteigen in den Bob üben. Amadou Ndiayes Position sei die des Bremsers.
Allerdings fordert Sport auf Hochleistungsniveau mitunter auch seinen Tribut. «Wir sind viel unterwegs, da ist es nicht immer einfach, soziale Kontakte zu pflegen», macht der 23-Jährige deutlich. In Bezug auf sein Studium sei es ebenfalls schwierig gewesen, schon aufgrund der Anwesenheitspflicht. Doch so ein Moment wie bei den Olympischen Spielen sei entschädigend und ein wenig bittersüss. «Jetzt freue ich mich schon auf den Sommer, das gemeinsame Training mit meinen Teamkameraden», bekundet Amadou Ndiaye gut gelaunt. Ab dem Herbst startet die neue Saison. Auf die Frage, wie seine Zukunftspläne aussehen, sagt er: «Eine weitere Teilnahme an den Olympischen Spielen könnte ich mir vorstellen, vielleicht mit dem Ergebnis Gold. Und sehr wichtig ist es, gesund zu bleiben.»







