Bäume im Trockenstress: ­Herbstfarben so früh wie selten

Herbst Die Sommermonate in der Region waren heiss und trocken. Der Wassermangel setzte den Bäumen zu, weshalb sich bereits im August die ersten Herbstfarben zeigten. Gemäss dem Seoner Förster Marcel Hablützel spielt auch der Wind eine gewisse Rolle.

Frühe Verfärbung wegen Trockenheit: Drohnenbild eines Waldstücks bei Hallwil mit herbstlich eingefärbten Blättern. Foto: Andreas Walker
Frühe Verfärbung wegen Trockenheit: Drohnenbild eines Waldstücks bei Hallwil mit herbstlich eingefärbten Blättern. Foto: Andreas Walker

In den letzten Jahren sind im Sommer immer wieder lange Phasen mit Trockenheit aufgetreten. Auch dieses Jahr fehlte oft der Regen. Nach Angaben von MeteoSchweiz, dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie, fielen in der Region Lenzburg vom 1. Juni bis 25. August nur drei Viertel der Niederschläge, die es im Normalfall regnet.

Dazu wurden überdurchschnittliche Temperaturen und sehr viele Sonnenstunden registriert. Besonders trocken war der Juni. Gerade einmal 39% des Niederschlages wurden in der Region verzeichnet.

Wiederholt sehr trockene Jahre

Marcel Hablützel, seit über 30 Jahren Förster in Seon, erklärt: «Die letzten Jahre waren immer wieder trocken. Besonders die Sommer 2003, 2015, 2018, 2019, 2020, 2022 waren sehr trocken und jetzt auch 2023. Wenn Wasser fehlt, wirft der Baum das Laub ab und die Rinde platzt auf, weil sie nicht mehr vor der Sonne geschützt wird. Dies führt schliesslich zu einem Pilzbefall des Baumes».

Dabei sah es für die Region zuerst ziemlich gut aus. Der Mai brachte überdurchschnittliche Niederschläge, was für die Bäume gut war. Dann folgte ein extrem trockener Juni, in dem etwa ein Drittel der durchschnittlichen Niederschläge fielen. Marcel Hablützel ergänzt: «In den letzten Jahren trat zudem viel mehr Wind auf als sonst. Dieser trocknet den Wald zusätzlich aus. So verstärkt die Bise bei schönem Wetter schnell die Trockenheit.»

Kein Kahlschlag mehr

Ein Teil der Forstbetriebe hat bereits auf die neue klimatische Situation reagiert und bewirtschaftet den Wald nach dem Prinzip des Dauerwaldes.

Marcel Hablützel: «Es gibt in unseren Wäldern seit über 20 Jahren keine Flächen mehr mit Kahlschlag. Wir wollen vielmehr einen gestuften Wald mit allen Baumgrössen. Dies führt auch zu weniger Wind. Zudem werden zum Teil neue Bäume angepflanzt, die trockenresistent sind, wie etwa bestimmte Eichensorten oder Edelkastanien.»

Es sind jedoch nicht nur die Sommermonate mit Hitze und Trockenheit, die bei den Bäumen einen Stress verursachen. Auch die schneearmen Winter zielen in diese Richtung. Lag früher noch Schnee im Mittelland, so wurde bei der Erwärmung der Wald noch eine Zeit lang mit Schmelzwasser versorgt und auf diese Weise bewässert.

In den letzten Jahren fehlte auch der Schnee im Winter, was im Frühling und Sommer schneller zu einer Trockenheit führt. Abschliessend resümiert Marcel Hablützel: «Die Klimaprognosen, die bereits vor 30 Jahren gestellt wurden, sind alle eingetroffen, zum Teil sogar noch extremer.» So wird sich mit dem Klimawandel allmählich auch die Zusammensetzung unserer Wälder ändern.

Weitere Artikel zu «Im Gespräch», die sie interessieren könnten

Marc Jaussi ist neuer Co-Leiter der Musikalischen Begegnungen Lenzburg.Foto: Romi Schmid
Im Gespräch13.05.2026

Vom Solotrompeter zum Festivalgestalter

Lenzburg Marc Jaussi ist neuer Co-Leiter der Musikalischen Begegnungen Lenzburg. Der Trompeter will das traditionsreiche Festival nicht neu erfinden, aber…
Andreas Schmid
Im Gespräch06.05.2026

Gewinnsteuern für Unternehmen: Starkes Signal für Wirtschaftsstandort

post aus aarau Die Grossratsdebatte aus Sicht von Andreas Schmid, FDP, Lenzburg
Wollen die Verantwortung übernehmen: Andreas Schmid, Stadtammann Lenzburg (FDP), bis 2026 Vizeammann und Ressortvorsteher Finanzen, mit Beatrice Taubert-Baldinger, Stadträtin (SP) und Ressortvorsteherin Soziale Dienste.  Foto: Elizabeth Desintaputr
Im Gespräch06.05.2026

Stadträte nehmen Stellung zum Asylkostendebakel

Lenzburg Mit der Rechnung 2025 legte der Lenzburger Stadtrat offen, dass man verpasst hatte, 317 000 Franken Asylkosten beim Kanton zurückzufordern. Wie es…