Zeit im Soll und Haben

Christine von Arx

Wir zählen, planen, teilen sie, lassen sie auch gerne einmal verstreichen oder schlagen sie einfach tot. Im nächsten Moment verfliegt sie und geht schon wieder verloren. Im Kalender versucht der Mensch seit jeher, die Zeit zu fassen zu kriegen. Es ist der Versuch, etwas zu fixieren, das eigentlich fliesst.

Alles begann mit einem Blick zum Himmel. Die ersten Kalender waren aus Sternen, Schatten und Stein. Doch der Begriff «Calendarium» taucht erst Tausende Jahre nach Stonehenge auf und bezeichnet interessanterweise ein «Schuldbuch». Darin wurde vermerkt, wann eine Zahlung fällig war – nämlich am ersten Tag des Monats, den die Römer «Kalenden» nannten. Der Kalender als Schuldbuch. So fühlt es sich tatsächlich bisweilen noch heute an. Der Kalender ist Antrieb, strukturiert die Tage, erinnert zuverlässig an Verpflichtungen, Verbindlichkeiten und Deadlines. Zum Glück erinnert der Kalender nicht nur an die Schulden, sondern auch an die Gewinne. An Erlebnisse, Begegnungen, Möglichkeiten.

Selbst schätze ich ja die Vorzüge des Papierkalenders, weil zeitlos schön, multifunktional und frei von Ladekabel, Updates und Datenklau. Dafür mit Freifläche zum Malen, für Kritzeleien und spontane Ideen. Der digitale Organizer hingegen bietet eine Option, die ich insgeheim faszinierend finde: Mit nur einem Klick kann man eine ganze Woche zum Verschwinden bringen. Neustart am nächsten Montag. Aha, so also geht flexible Zeiteinteilung. Aber neu ist das nun auch nicht: Der Kalender war noch nie eine fixe Sache und wurde im Lauf der Geschichte mehrfach angepasst. Bestes Beispiel ist der Monat Februar. Er war einst der letzte im Jahr und bekam nur noch die Reste ab. Julius Cäsar spendierte ihm dann immerhin alle vier Jahre einen zusätzlichen Tag. Ein guter Zeitmanager weiss eben, wie Soll und Haben auszugleichen sind – nämlich mit einem Bonus.

Christine von Arx,

Historikerin

Weitere Artikel zu «Hauptartikel», die sie interessieren könnten

«Das Blut der Erde», wie Udo Jürgens einen Wein besang, kommt nicht nur aus Griechenland, sondern auch vom Lenzburger Schlossberg. An der vergangenen Generalversammlung der Ortsbürger Rebbauern-Vereinigung wurde über die Zukunft des Vereins ents
Hauptartikel01.04.2026

Rebbauern-Vereinigung wird fortbestehen

Lenzburg Die Ortsbürger Rebbauern-Vereinigung soll weiterbestehen – doch in anderer Form. Die Präsidentin spricht von einem «Vernunft-entscheid».
Christine von Arx
Hauptartikel01.04.2026

Aufbruch im Oval

Salzkorn
Führten durch die Generalversammlung: CEO Silvan Hilfiker, Verwaltungsratspräsidentin Marianne Wildi und Moderator Alain Röllin.Foto: zvg
Hauptartikel25.03.2026

Hypi trotzt den Widrigkeiten

Lenzburg Durch die vergangene Generalversammlung «unserer Hypi» führte Marianne Wildi zum ersten Mal als Verwaltungsratspräsidentin. Sie sandte eine klare…