Salzkorn: Meine ­Plattensammlung

Rolf Kromer
Rolf Kromer

Ich bin langweilig geworden. Ich erlebe selten etwas und habe deshalb auch wenig zu erzählen. Das Schlimmste daran ist, ich bin keine Ausnahme. Ich merke je länger, desto mehr, dass in dieser Pandemie meine Geschichten auch die Geschichten meines Gegenübers sind.

Kennen Sie etwa die Homeoffice-Platte? Die geht abgekürzt etwa so: Am Anfang war es ja ganz schön im Homeoffice – keine vollgestopften Pendlerzüge, heimlich Jogginghosen tragen während Meetings und länger schlafen. Aber jetzt vermisse ich das Pendeln, den Schwatz mit den Arbeitskollegen und das Feierabendbier. Dann gibt es noch das Kulinarikgespräch: Anfangs war es ja schön, mehr Zeit zu haben zum Kochen. Wir haben Pizzateig gemacht und Lasagne. Aber jetzt nervt es nur noch, dass man ständig überlegen muss, was man als Nächstes kocht.

Oder kennen Sie die Sportplatte? Die geht so: Ich laufe jeden Morgen auf den Staufberg und mache ein Foto. Das Schlimmste ist, diese Platte kennen sogar schon Sie, liebe Leserinnen und Leser. Ich habe in meinem letzten «Salzkorn» darüber geschrieben.

Neben diesen drei Themen gibt es natürlich weitere Evergreens: Videokonferenz, Impfungen, Massnahmenunlogik, Alain Berset, abgesagte Reisen und schlicht das alte Leben.

Mein neustes Gesprächsthema ist übrigens dieses: Ich habe im Rahmen eines Pilotprojekts eine App eines grossen Detailhändlers aufs Smartphone geladen. Mit dieser App lassen sich Lebensmittel bequem vom Sofa aus bestellen. Am Tag danach stehen fünf gefüllte Papiertaschen vor der Haustüre. Die Lieferung funktioniert einwandfrei und ist ab 80 Franken Bestellwert erst noch gratis. Wäre dies während der letzten grossen Pandemie 1918 möglich gewesen, die Leute hätten sich wie im Schlaraffenland gefühlt. Es wäre weltweit das Thema Nummer 1 gewesen. Heute taugt es gerade noch als Verlegenheitsthema, wenn alle anderen Platten schon abgespielt sind.

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