Salzkorn: Gebrauchsanweisung als Bilderrätsel

Helene Basler
Helene Basler

Der Kauf eines neuen Geräts im Haushalt setzt Glückshormone frei. Es sieht gut aus, sein Chromstahlteil glänzt. Nicht mehr trüb wie beim alten Gerät, das den Geist aufgegeben hat. Auch die Kunststoffteile sind strahlend weiss. Nicht vergilbt. Und ohne Kratzer.

Doch dann folgt die Ernüchterung. Erst muss die aufwändige Verpackung umweltgerecht entsorgt werden. Plastik da, Karton dort, Styropor-Füllsel woanders. Anschliessend kommt der Augenblick, in dem man sich in die Begleitliteratur vertiefen kann.

Wer Fremdsprachen liebt oder sich damit weiterbilden möchte, kann in allen europäischen Sprachen, aber auch auf Türkisch oder Arabisch erfahren, dass das Gerät nicht in Kinderhände geraten soll. Vor der Reinigung sei der Stromschalter auszuziehen. Die Garantiefrist laufe nach drei Jahren ab.

Erst danach stösst man auf die Gebrauchsanweisung. Da haben die Gerätehersteller an alle, wirklich alle Menschen gedacht. Auch an Analphabeten. Eine ausführliche Anleitung, wie man die einzelnen Teile zusammensetzen oder das Gerät in Gang setzen soll, fehlt. Dafür kann sich der Käufer an gezeichneten Bildchen orientieren. Eine Galerie von nummerierten Miniaturen zeigt auf, wie das Gerät funktioniert. Schritt für Schritt. Idiotensicher? Nicht durchwegs. Bilder ohne Worte sind gelegentlich eigentliche Bilderrätsel.

Was tun, wenn dem Käufer die Bedienung des Gerätes nicht ganz klar ist? Muss er sich an die Herstellerfirma wenden (nur per Mail erreichbar)?

Ist er abenteuerlustig, könnte er einfach einmal am Gerät herumdrücken. Und wenn das nichts bringt, einen technisch versierteren Menschen um Hilfe bitten. Irgendwie wird er es schlussendlich schaffen. Aber mit Unmut, dass die einstigen, sprachlich verfassten Gebrauchsanweisungen – wohl aus Spargründen – jetzt durch simple Bilderbuchseiten verdrängt worden sind.

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