Gopferdeckel

Romi Schmid

Erst kam der Schraubverschluss, dann Brüssel. Vor 135 Jahren erfand der Brite Dan Rylands den Schraubverschluss. Anders als der Kronkorken zwang das Produkt die Menschen nicht mehr dazu, den Inhalt geöffneter Flaschen sofort zu konsumieren. Alles in allem eine runde Sache. Bis vor kurzem. Schliesslich gilt: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Seit Juli müssen die Deckel nämlich an den Flaschen hängen. Das will Brüssel so, damit die Deckel nicht die Natur vermüllen. Seither kleben die Deckel nicht nur an den Flaschen, sondern regelmässig auch an Wange, Kinn und Nase.

Damit wir uns richtig verstehen: Normalerweise trinke ich aus Gläsern. Aber es gibt Situationen, da nehmen selbst kultivierte Frauen gerne mal einen schnellen Schluck direkt aus der Pulle. Beispielsweise im Flughafen während des zentimeterweisen Vorrückens beim Boarding. Bei Letzterem habe ich mich kürzlich dank des blöden Verschlusses beim Trinken noch mehr verschluckt und noch mehr gesabbert als das Baby vor uns in der Reihe. Mein Mann wollte das Elend beenden und entferne den Deckel. Der Preis dafür war eine verletzte Lippe; ich riss sie mir an dem zurückgebliebenen Verbindungsstück auf.

Ja, ich fremdle mit den neuen Deckeln. Denn sie sind furchtbar unpraktisch, wenn man von der Flasche trinken will und gleichzeitig Nase, Kinn und Wangen hat. Die festgemachten Plastikdeckel gehören in eine ähnliche Kategorie wie der Hinweis auf einer Nusstorte, dass der Inhalt Nüsse enthält. Man sollte meinen, dass der gesunde Menschenverstand auch ohne Amtsschimmel erfassen kann, wie man als Allergikerin mit einer Nusstorte oder als PET-Flaschennutzer mit einem Deckel umzugehen hat.

Aber was tut man nicht alles für die Klimarettung? Vorausgesetzt, es bringt wirklich was für den Planeten. Neulich beantwortete ein hoch angesehener Verpackungsexperte diese Frage gleich selbst: «Nein.» Gut, dass Dan Rylands das nicht mehr erleben muss.

Romi Schmid, Redaktorin

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