Zwischen Dolce Vita und Dialog

Kultur Die ersten Kulturtage Lenzburg sind unter dem Motto «Festa Svizzera Italia» ganz dem südlichen Nachbarland gewidmet. Die Kulturkommission lud ein zu drei Tagen «Festa» zwischen Dolce Vita und kulturellem Dialog.

<em>Vom Schicksal der Einwanderer: </em>Autorin Anna Felder las, begleitet von Moderator Franco Supino, aus ihrem Roman «Quasi Heimweh». Foto: Stefanie Osswald
<em>Vom Schicksal der Einwanderer: </em>Autorin Anna Felder las, begleitet von Moderator Franco Supino, aus ihrem Roman «Quasi Heimweh». Foto: Stefanie Osswald

Der Ende 2017 in Schweizer Kinos angelaufene CH-Dok-Film «Non ho l’età» des 35-jährigen Regisseurs Olmo Cerri erzählt vier Biografien, deren Geschichten von Migration, Träumen, Solidarität, aber auch von Ausgrenzung, Fremdenhass, Schwarzarbeit und Ausbeutung geprägt sind, und ist in seiner Thematik aktueller denn je. Gezeigt wurde er einem interessierten Publikum in Anwesenheit des Regisseurs Olmo Cerri auf dem Zeughaus-Areal Lenzburg im Rahmen der «Festa Italia Svizzera».

Gespräch über Alltagserfahrungen

Zum offenen Gespräch über das Verhältnis Italien–Schweiz kamen Stadtammann Daniel Mosimann, Gaetto Vecchio von der Missione Cattolica sowie Silvia dell’Aquila (42) und Luca Pibiri zusammen und berichteten über ihre Eindrücke und Alltagserfahrungen in der Schweiz.

«Lange Zeit stand auf meinem Ausländerausweis noch ‹eingereist am:…›, obwohl ich hier geboren wurde», berichtet Pibiri. Viele Secondo-Italiener hätten keinen Schweizer Pass und würden teilweise von Schweizer Mitbürgern als im Ausland lebende Italiener wahrgenommen. Das «Fremdsein» sei nach wie vor ein Thema auch bei den jungen Menschen.

Im Rahmen des Café Littéraire las die Autorin Anna Felder aus ihrem Roman «Quasi Heimweh», der vom Schicksal der Einwandererfamilien aus Italien berichtet. Anna Felder wurde 1937 als Tochter einer Italienerin und eines Deutschschweizers geboren. Sie studierte in Zürich und lebt in Aarau.

Moderiert wurde die zweisprachige Lesung von Buchautor und Dozent für Literatur an der Fachhochschule Nordwestschweiz Franco Supino. Supino wuchs in Solothurn als Sohn italienischer Eltern auf und unterrichtet Literatur an der Fachhochschule Nordwestschweiz. In Lenzburg stellte er sein neues Buch «Mino und die Kinderräuber» vor.

Verschiedene Spuren

Mit einer Stadtführung auf den Spuren der Italiener in Lenzburg brachte alt Stadtschreiber Christoph Moser den zahlreichen interessierten Besuchern das Leben der Einwanderer vor Ort näher und führte durch einen Teil der Geschichte Lenzburgs.

Umrahmt wurden die Kulturtage mit zahlreichen musikalischen und kulinarischen Angeboten und Gaumenfreuden, die bei mediterranen spätsommerlichen Temperaturen zum Zusammensein einluden. «Als eine Aufgabe sehen wir die Vernetzung», erklärt Beatrice Burgherr, Mitglied der organisierenden Kulturkommission. «An den Kulturtagen entdecken wir kulturelle Highlights aus anderen Ländern und kommen mittels Kultur miteinander ins Gespräch, damit wir miteinander unsere Zukunft gestalten können.»

Von 10570 Einwohnern in Lenzburg haben 2971 einen ausländischen Ausweis. 680 Einwohner besitzen gemäss Einwohnerregister die italienische Staatsangehörigkeit.

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