Wo Kreativität Tradition hat
Kompetenz, Herzlichkeit und kreative Ideen sind gefragt, wenn man als Fachgeschäft überleben möchte. Dies gilt nicht nur für Geschäfte in der Lenzburger Altstadt. Aber auch. Ein Augenschein bei der Metzgerei Häusermann (ehemals Dietschi/Fischer), die heuer ihr 50-Jahr-Jubiläum feiert, davon gut 30 an der Kirchgasse.
Ohne treue Stammkundschaft, den Aussengrill am Wochenende und den Partyservice könnten wir nicht überleben», sagen Walter und André Häusermann. «Seit die Kundschaft nicht mehr vor unser Ladengeschäft fahren und hier parkieren kann, sind Dutzende abgesprungen. Viele reisten aus der Region an. Niemand schleppt seine Einkäufe gerne durch die halbe Stadt. Da waren kreative Ideen gefragt für die verbleibende Kundschaft und potenzielle Neukunden», betonen die beiden. Darauf hoffen, dass irgendwann doch noch ein Güterumschlag in den Gassen während der Ladenöffnungszeiten erlaubt wird, mögen Häusermanns nicht mehr.
So entstand denn die Idee, jeweils am Freitagabend und am Samstag den Aussengrill anzuwerfen. «Die Leute kommen in den Laden, schauen sich die Auslage an und entscheiden dann, was sie gerne grilliert hätten», sagt Juniorchef André Häusermann.
Attraktiver Partyservice
Nicht minder attraktiv der Partyservice. «Wir bieten Gerichte an, die viele wegen des Aufwands selber nicht mehr kochen möchten», sagt Seniorchef Walter Häusermann. Ganz allgemein spüre man den Trend zur «schnellen» Küche. Am liebsten werde Fleisch gekauft, das sich à la minute zubereiten lasse. Die Zeiten, da man zu Hause noch aufwendig Menüs zubereitete, etwa eine gefüllte Kalbsbrust, ein Roastbeef oder gar ein Wildgericht, seien bei den meisten tiefe Vergangenheit. Diesem Trend steht man offen gegenüber, bietet das an, was die Kundschaft wünscht. Offen ist man bei der Metzgerei Häusermann auch dafür, einige Fremdprodukte im Sortiment zu führen. Etwa Brot, Früchte, Gemüse, Milchprodukte, Käse, Pasta, Saucen und Konfitüre.
Ist das nicht ein Widerspruch? «Nein, überhaupt nicht», erklärt der Seniorchef. «Früher gab es drei Metzger, drei Bäckereien und Lebensmittelgeschäfte in den Altstadtgassen. Sie alle gibts nicht mehr, nur noch uns. Und so haben wir entschieden, von jedem Laden, der zuging, ein kleines Sortiment aufzunehmen. Der Kunde findet also nach wie vor alles in der Altstadt, nun sogar in einem Laden vereint, sagt der 68-Jährige mit einem Augenzwinkern. Dem Kerngeschäft, dem Fleisch und den Wurstspezialitäten, bleibt man aber treu.
Nie bereut, die Metzger-Laufbahn eingeschlagen zu haben? «Ich würde diesen Beruf sofort wieder ergreifen. Mir gefällt alles daran», sagt der Seniorchef. Dem schliesst sich Sohn André gerne an. «Ich habe Verschiedenes angeschaut, etwa auch die Ausbildung zum Automechaniker oder Schreiner. Bis heute habe ich nicht bereut, aus freien Stücken in die Fussstapfen meines Vaters getreten zu sein», sagt der 30-Jährige.
So erstaunt denn nicht, dass nebst der kompetenten Beratung auch das Herzblut für den Beruf zu spüren ist. Eigenschaften, die wohl über Gedeih und Verderb eines Fachgeschäfts mitentscheiden dürften.







