«Wir werden das Schloss vermissen»
Lenzburg Bald übergeben die Schlossherren das Zepter. Nach 22 Jahren als Schlosswarte beschliessen Renate und Peter Jud kommende Woche ihre letzte Saison. Im Januar 2019 ist Schlüsselübergabe an das neue Geschäftsführerpaar.

Renate und Peter Jud wissen viel zu erzählen über Schloss und Schlossalltag hoch über den Dächern Lenzburgs: über gnadenlose Stürme und ein weggewehtes Dach, mysteriöse Löcher im Burggarten, ein Tagesseminar mit 200 Teilnehmern in Gipfeli-Not, eine aufgelöste Braut oder die erklär- und unerklärbaren Schlossgeräusche. Gut zwei Jahrzehnte haben sie in den historischen Mauern als Schlosswarte gewirkt und gewohnt. Eine lange Zeit, die im Januar 2019 zu Ende gehen wird.
Was tun mit der freien Zeit?
Die letzte Saison ihrer Wirkzeit als Geschäftsführer der Stiftung Schloss Lenzburg war ungewöhnlich für die beiden, aber ein bisschen auch eine Vorbereitung auf die nahende Pensionierung. Während in einer normalen Saison zwischen 160 bis 170 Anlässe auf dem Schloss stattfanden und die Präsenz und den Einsatz des Schlosswartpaars fast rund um die Uhr forderten, reduzierte die derzeitige Bautätigkeit auf dem Schloss die Events in der Saison 2018 auf ein Minimum.
«Zum ersten Mal seit 22 Jahren hatten wir nach 17 Uhr frei», sagt Peter Jud. «Daran mussten wir uns zuerst gewöhnen. Man fragt sich: Und was mach ich jetzt?» Natürlich ist den beiden so einiges eingefallen, was sie tun könnten. Sie nahmen sich Zeit für Konzertbesuche, Feierabend-Runs und Freunde. Dinge, die sie sonst nur montags oder nach Saisonschluss tun konnten.
Während der Saison kümmerte sich das Ehepaar gemeinsam um den Betrieb im Ritterhaus, das Kassenwesen, die Instandhaltung der Anlagen und die Pflege der Parkanlage und des Waldanteils. Die beiden sind ein eingespieltes Allrounder-Team. «Privat und im Job», fügt Renate Jud an.
Kommende Woche startet das «Schlossherrenpaar» in seine letzte Winterruhe. Die Zeit ohne Besucher, in der die beiden abends das Schloss für sich alleine haben. «Im Winter üben wir seit 20 Jahren die Pension», witzelt Peter Jud. Es ist eine ruhige Zeit, in der es aber durchaus zu tun gibt. Das Schloss muss eingewintert werden, Statistiken und Jahresabschluss werden gemacht, wo nötig, wird renoviert und die Anlässe für die kommende Saison werden geplant.
Neues Heim mit Blick aufs Schloss
Diesen Winter kommt noch der Umzug dazu, denn mit der Übergabe des Postens an das neue Schlosswartpaar Christine Ziegler und René Marty im Januar übergeben sie auch ihren Wohnsitz im Schloss. Schwer falle das nicht, meint Renate Jud. «Wir wussten von Anfang an, dass wir eine beschränkte Zeit hier wohnen werden.» Der Stadt Lenzburg bleiben sie treu. Auf das neue Heim und den neuen Lebensabschnitt freuen sich die beiden. Besonders auf das Plus an freier Zeit. «Wir möchten vermehrt reisen und kulturellen Interessen nachgehen.»
Ganz so einfach fällt das Loslassen aber dann doch nicht, gesteht Peter Jud. «Wir waren 22 Jahre mit dem Schloss verbunden und haben unsere Aufgaben mit Herzblut und nach bestem Wissen erfüllt. Das Schloss und die damit anfallenden Arbeiten, aber auch die rund 25 Teilzeitmitarbeiter, die uns tatkräftig zur Seite standen, werden wir vermissen», meint Peter Jud.
Aber wenn das Heimweh zu gross wird, können die beiden in der künftigen 4,5-Zimmer-Wohnung nur zum Fenster hinausschauen. «Wir haben Blick auf das Schloss und den Staufberg.»



