Wenn die Altstadt zur Bühne wird

Gauklerfestival Vom 14. bis 16. August kehrt das Gaukler- und Kleinkunstfestival zurück. Internationale Artistinnen und Artisten verwandeln Gassen und Plätze in offene Bühnen – mit Luftakrobatik, Slapstick, Breakdance, Magie und leisen poetischen Momenten.

Einfach magisch: Das Gauklerfestival verzaubert jedes Jahr aufs Neue.Foto: Romi Schmid
Einfach magisch: Das Gauklerfestival verzaubert jedes Jahr aufs Neue.Foto: Romi Schmid

Ein Ninja, eine Geisha und Akrobatik auf engem Raum: Wenn Heromacro in Lenzburg auftritt, trifft japanische Kultur auf Körperbeherrschung und feinen, bisweilen schrägen Humor. Das Duo mit Hiroshi Usuda und Masako Wada stammt aus Hiroshima und Kyoto und ist seit Jahren auf Strassenkunstfestivals rund um die Welt unterwegs. In seiner Show verbindet es Kraft, Beweglichkeit und waghalsige Partnerakrobatik mit komischen Elementen – selbst Essstäbchen spielen dabei eine Rolle.

Heromacro gehört zu den internationalen Acts, die vom 14. bis 16. August die Lenzburger Altstadt beleben. Drei Tage lang werden Gassen und Plätze zu Bühnen unter freiem Himmel. Gespielt wird auf dem Metzgplatz, in der Rathausgasse und der Kirchgasse sowie auf dem Freischarenplatz und dem Ziegelacker.

Das Programm reicht von spektakulärer Akrobatik bis zu stillen, poetischen Bildern. Für Letztere steht unter anderem die Schweizer Künstlerin Lisa Bögli. Die ausgebildete Bewegungsschauspielerin arbeitet als Clownin, Feuerartistin und Seifenblasenkünstlerin. In ihren Produktionen verbindet sie Wasser, Schaum und Seifenblasen mit Bewegung und Clownerie. Dabei entstehen Figuren und Bilder, die sich fortwährend verändern und ebenso rasch wieder verschwinden. Seit 2022 ist Bögli nach eigenen Angaben als erste Schweizerin Mitglied der Association of International Bubble Artists.

Ihre Kunst lebt nicht von grossen Effekten allein, sondern von der Vergänglichkeit des Materials. Schaumfiguren entstehen, bewegen sich und lösen sich wieder auf; Seifenblasen schweben durch den Raum und zerplatzen. In ihrem Bühnenstück «Endlich Schaumbad» verbindet Bögli diese Bilder mit Clownerie, Tanz und tragikomischen Momenten. Beim Gauklerfestival wird sie zeigen, dass auch leise Darbietungen einen ganzen Platz in ihren Bann ziehen können.

Mehr Tempo verspricht die französische Compagnie Sonel. Im Zentrum ihrer Darbietung steht ein gewöhnlicher Einkaufswagen, der sich unvermittelt in ein Zirkusgerät verwandelt. Sonja Zantedeschi und Ismael Fernandez lernten sich an der Zirkusschule Carampa in Madrid kennen. Später setzten sie ihre Ausbildung am Centre Régional des Arts du Cirque Arc en Cirque im französischen Chambéry fort. Als Duo verbinden sie Akrobatik, Komik, Magie und Bewegungstheater. In ihrer Produktion wird der Einkaufswagen zum Partner, Hindernis und Spielgerät. Gleichzeitig bewegt sich die Geschichte zwischen Vergangenheit und Gegenwart sowie zwischen analoger und digitaler Welt. Der Humor entsteht aus den Begegnungen der beiden Figuren und aus den immer neuen Verwendungsmöglichkeiten des vermeintlich alltäglichen Gegenstands.

Energiegeladen dürfte es bei der Plop Crew aus Spanien werden. Die Künstlerinnen verbinden Breakdance, Tanz, Kontorsion und Zirkus zu einer Hommage an weibliche Stärke. Schnelle Bewegungen treffen auf extreme Körperbeherrschung und akrobatische Elemente. Damit bringt die Gruppe eine urbane und zeitgenössische Form der Strassenkunst in die historischen Gassen Lenzburgs. Dass Zirkus keine Frage des Alters ist, will die italienische Compagnie C’è Chi C’ha Teatro beweisen. Fiorella Oriani und Samuele Vitri gründeten die Gruppe im Jahr 2000. Beide bringen Erfahrungen aus Schauspiel, Clownerie, Tanztheater, Strassentheater und Akrobatik mit. Ihre Ausbildung führte sie unter anderem an die Zirkusakademie in Cesenatico und an die Turiner Zirkusschule Flic.

In Lenzburg treten sie als zwei pensionierte Zirkuslegenden auf, die noch einmal zur grossen Show ansetzen. Ihre Produktion «Diversamente Giovani» – sinngemäss «anders jung» – verbindet Clownerie, Jonglage und Akrobatik zu einer Art geriatrischer Zirkusshow. Das Stück erhielt 2023 an einem internationalen Figuren- und Puppentheaterfestival im sibirischen Abakan eine besondere Erwähnung. Natürlich wird am Gauklerfestival auch jongliert, balanciert und durch die Luft geflogen. Der Anlass lebt jedoch nicht allein von einzelnen Kunststücken. Die Darbietungen finden nicht abgeschirmt in einem Theaterraum statt, sondern mitten im Alltag der Altstadt. Passantinnen und Passanten können spontan stehen bleiben, einer Vorstellung folgen und danach zur nächsten Bühne weiterziehen.

Feste Sitzplätze oder Eintrittskarten gibt es keine. Wer zuschaut, entscheidet selbst, wie lange er verweilt. Aus einem kurzen Halt können so mehrere Vorstellungen und schliesslich ein ganzer Nachmittag werden. Gerade dieses ungeplante Entdecken gehört seit jeher zum Charakter des Festivals.

Das Gaukler- und Kleinkunstfestival findet von Freitag, 14. August, bis Sonntag, 16. August, in der Lenzburger Altstadt statt. Der Eintritt ist frei, die Künstlerinnen und Künstler spielen gegen Hutgeld. Das vollständige Programm und sämtliche Spielzeiten sind unter www.gauklerfestival.ch abrufbar.

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