Vom stillen Schaffen des Hermann Bob Gelzer – eine Werkschau
Er ist Künstler, Musiker, Geschichtenschreiber, Vater, Zoologe, Psychologe, Lehrer und Pilzsammler und zählt zu den vielseitigsten Schaffern der einheimischen Kreativszene. Anlässlich seines 70. Geburtstages präsentiert die Kulturkommission Lenzburg eine Gesamtschau zum Werk von Hermann Bob Gelzer.

Mit neugierigem Blick sitzt Hermann Bob Gelzer am grossen hölzernen Ateliertisch im dritten Obergeschoss der alten Wisa-Gloria-Fabrik und wundert sich. «Erstaunlich, wie viel ich schon gemacht habe», sinniert er, während er in seinen Werkkatalogen blättert, fast als wären es nicht seine eigenen.
Unzählige Werke hat Gelzer hier fein säuberlich aufgelistet, fotografiert, datiert, beschriftet und seine Arbeitsschritte von der Idee bis zur Fertigstellung seit den Anfängen 1956 bis heute nachvollziehbar dokumentiert. Ein Blick in die Kataloge zeigt die Experimentierfreude Gelzers im Umgang mit Themen, Material, Farben und Formen. Ob mit Aquarellen, Öl- und Acrylmalerei oder experimentellen Holzschnitten: Gelzer überrascht mit Arbeiten aus dem Themenkreis Mensch, Tier und Landschaft, kreiert ganze Landkarten, deren imaginierte Länder Fantasienamen tragen wie Molondin oder Almenalia, ermöglicht mit seinem Wühltischprojekt eine gar entlarvende Sicht auf die Menschen, ihr Geld, die Kunst und ihren Wert und findet mit der Wahl seiner Motive stets zurück zu seinem Interesse für die Natur.
In einer retrospektiven Ausstellung in den fünf Räumen des Gewölbekellers im Müllerhaus Lenzburg präsentieren sich nun rund 110 auserlesene Artefakte diverser Schaffensphasen der breiten Öffentlichkeit und erlauben einen Blick auf das imposante Lebenswerk eines Künstlers mit Forschergeist, der sich selbst nicht in den Mittelpunkt stellt.
«Ich bin ein stiller Schaffer», bemerkt Gelzer beiläufig, um sich gleich wieder seinen Werkkatalogen zu widmen.
Vielseitige Ausbildung
Hermann Bob Gelzer wurde 1947 in Lenzburg geboren. Nach einem Studium der Psychologie und der Zoologie arbeitete er zunächst als Klinischer Psychologe und Schulpsychologe, bevor er in die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen einstieg. Schon früh entdeckte Gelzer seine Leidenschaft für die Musik und «das Kunsten». Zwei Tätigkeiten, die ihn sein ganzes Leben lang begleiten sollten.
Bereits seit dem 15. Lebensjahr wirkt er als Bassist in diversen Jazzformationen. Seit rund zehn Jahren zupft Gelzer die Saiten in seiner Folkgruppe «Saitenfieber», die an der Vernissage aufspielen wird. Seine Faszination für bildnerisches Gestalten intensivierte Gelzer in den Achtzigerjahren und bezog sein erstes Atelier im Lenzburger Brättligäu, bevor er 1997 in die alte Wisa-Gloria-Fabrik umzog, um sich dort losgelöst von wirtschaftlichen Zwängen seit seiner Pensionierung im Jahr 2009 beinahe gänzlich dem kreativen Schaffen zu verschreiben.
Gelzers Werke sind nicht konstruiert, haben nichts Provokatives, wollen weder massregeln noch die Welt verändern. «Wer politisch konkret etwas verändern will, sollte besser wählen gehen.» Die Kunst eigne sich dafür eher weniger, bemerkt Gelzer. Und dennoch wirken seine Werke unmittelbar auf ihre Betrachter.
Kunst auf dem Wühltisch
Das Wühltischprojekt gleicht einem soziologischen Experiment. Zwischen 2009 und 2017 produzierte er Hunderte von kleinformatigen Bildchen mit den unterschiedlichsten Motiven, die er wie Waren auf dem Wühltisch präsentiert. Kunst zum Anfassen, Drehen, Riechen und bereit zum sofortigen Verkauf. Wie entstehen Werte in der Kunst? Welche Rolle spielt die Präsentation für die Kauflust und die Einstellung des Betrachters zur Kunst? Das sind die Fragen, welche sich dabei im Hintergrund abspielen. Was dann geschieht, das kann beobachtet werden, und alles Weitere erzählen die Bilder nur mit Fantasie ihrer Betrachter.
Ausstellung Hermann Bob Gelzer
6.–28. Mai, Arbeiten von 1956–2017
Vernissage: Samstag, 6. Mai, 16 Uhr
Öffnungszeiten: Freitag 17–19 Uhr
Samstag/Sonntag 14–17 Uhr
Finissage: Sonntag, 28. Mai, 14–17 Uhr
Bleicherain 7, Gewölbekeller Müllerhaus



