Verein «Einfach Gut» bricht die Zelte ab

Experiment Der Verein «Einfach Gut» startete als experimentelles Unterfangen, den Menschen in Lenzburg die Natur näherzubringen. Nach Auslauf der Nutzungsvereinbarung auf der Wilmatte sortiert sich der Verein neu.

Der Verein «Einfach Gut» sieht sich als öffentliches Stadtlabor für ein einfaches und gutes Leben in Lenzburg. Die Idee war simpel und wurde von der Stadt begrüsst. Nun wissen die Mitglieder nicht, ob sie den Verein auflösen wollen. Sie entscheiden im Herbst. Im Moment fokussiere man sich auf den Rückbau der Bauten auf der Wiese neben der Wilmatte. «Einsprachen gegen unsere Baueingabe von den Anwohnenden und das Auslaufen der Nutzungsvereinbarung», meint Daniel Geser vom Verein. Hinzu kommt, dass die Fläche für Schulraum in Frage kommen könnte.

Es spreche einfach zu viel Aufwand gegen die Weiterführung des Stadtlabors, betont er. Vergangene Woche führte der Verein eine Woche lang eine Dernière durch. Ein Sommercamp wurde durchgeführt und auch ein Solarofen wurde installiert. Grosses Highlight sei auch das Velokino gewesen.

Projekt begann vor drei Jahren

Im Mai 2023 nahm der Verein Fahrt auf. Mit der Eröffnung des Infopavillons auf dem Promenadenplatz wurde ein Ort geschaffen mit Holzkuben, Co-Working, Malen, Spiel, Bio-Setzlingsmarkt und gemeinsamer Feierabendküche. Der Verein berichtete von einer «sehr positiven Resonanz»: Der Stil gefiel, Nutzende kamen aus allen Altersgruppen, und es entwickelte sich ein echter Treffpunkt. Das war genau, was erreicht werden wollte. Im Frühjahr 2024 überliess die Stadt dem Verein rund 4000 Quadratmeter auf der «Baumannsmatte», ideal gelegen hinter dem Schwimmbad am Aabach. Nach dem Aufbau des Naturgartenparks mit Infopavillon und modularen Holzkuben auf Pfählen – baubewilligungsfrei bis Ende 2025, später dann mit Baugesuch für bis zu 40 Kuben. Gegen die Pläne des Vereins wurden aber Einwendungen der Anwohnenden laut. Die Einwendungen der Bevölkerung wurden mit 45 Unterschriften eingesendet. Der Verein reagierte dialogbereit, hielt sich an Vorschriften und begann mit genehmigten Strukturen. Die Rückbauarbeiten der genehmigten temporären Bauten wurden bis Ende Juni fristgerecht ausgeführt.

Von Verständnis bis Kopfschütteln

Bei den Einwendungen sei alles Mögliche dabei gewesen, berichtet Daniel Geser. «Es gab Menschen, die befürchteten einen Drogenumschlagplatz, andere meinten, die Anwesenheit des Vereins reduziere den Immobilienwert ihrer Eigenheime.» In den verbleibenden Monaten wird der Verein in Absprache mit der JVA und der Stadt die Wiese wider soweit herrichten, wie nötig. Wie es konkret weitergehen soll, wisse eigentlich man noch nicht so genau, meint Prisca Keel. «Aber der Versuch, etwas Neues nach Lenzburg zu bringen, hat sich trotz allem gelohnt. Wir wünschen uns, dass wenigstens die vier Obstbäume bleiben werden», so Keel.

Vonseiten der Stadt äussert sich Stadtammann Daniel Mosimann. Er bedauert, dass das mit dem Verein wohl nicht so funktionierte, wie es von den Mitgliedern geplant wurde. Die Stadt habe sich aber nicht gegen den Verein ausgesprochen. «Wir müssen uns aber alle an die üblichen Verfahren und Regeln bei Baugesuchen und Einwendungen halten. Dass die Nutzungsvereinbarung auslaufen würde, war auch bekannt gewesen. Positiv zu vermerken ist jedoch, dass durch die Initiantinnen und Initianten die Diskussion über die Nutzung des öffentlichen Raums angestossen wurde und dass Erfahrungen gemacht werden konnten.» Es sei nicht der Stadtrat gewesen, der dem Verein entgegenwirkte. Diesen Eindruck zu erwecken, ist falsch.

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