«Uf und Ab» im Lenzhard
Schulalltag zwischen Selbstfindung und Klassenkampf. Ein Theaterprojekt der Oberstufen Lenzburg im neuen Oberstufenzentrum Lenzhard.

Unter dem Motto «zäme wachse» wurden die Real-, Sekundar-, und Bezirksschulen Lenzburg im August 2016 in einem Oberstufenzentrum (OSZ) zusammengeführt. Was dies für den Schulalltag bedeutet und vor welche Herausforderungen sich Lehrer und Schüler gestellt sehen, thematisiert die Theatergruppe der Sekundarschule nun in ihrem Theaterstück «Uf und Ab». Ihre Rollen finden sie selbst.
500 Kids auf dem Schulhof
Sie kommen aus unterschiedlichen Ländern, sie haben ungleiche Familienverhältnisse, sie sprechen andere Sprachen, sie sind Jugendliche, sie lieben, streiten, passen sich an, fallen aus dem Rahmen, sie altern und gehen alle miteinander im Lenzhard zur Schule. Für rund 500 Oberstufenschüler der 7. bis 9.Klassen startet das neue Schuljahr unter strukturell veränderten Bedingungen, die Lehrer sowie Schüler vor neue Herausforderungen stellen.
Denn im OSZ Lenzhard teilen sich Schüler verschiedenster Herkunft, aus den unterschiedlichsten sozialen Milieus und mit verschiedenem Bildungshintergrund einen Schulhof, auf dem tatsächliche Unterschiede gnadenlos spürbar werden. Hier treffen Anwaltstöchter auf Arbeitersöhne, Drogendealer auf Wohlbehütete, Rebellen auf Duckmäuschen. Auf dem Weg zur gemeinsamen Wertefindung sind Konflikte vorprogrammiert und der Schulhof wird dabei zum Austragungsort sozialer Klassenkämpfe, denn nicht zuletzt haben auch die Eltern noch ein Wörtchen mitzureden.
In ihrem Theaterstück «Uf und Ab» im Rahmen des Freifaches gestalten die 14 Sekundarschüler unter Leitung der beiden Lehrer Herbert Rinderknecht und Fabio Rudolf künstlerischen Raum sozialer Interaktion und werfen Fragen auf wie: Wer sind wir? Wer möchten wir sein? Welche Werte sind uns wichtig? Was macht uns aus? Was haben wir gemeinsam und was unterscheidet uns?
Rollen selbst kreieren
«Unsere Rollen kreieren wir je nach persönlichen Vorlieben selbst», erklärt Nicola Wyss. Er hat sich für die Rolle des Gleisbauersohnes entschieden, der sich mehr oder weniger glücklich in die Anwaltstochter aus der Upperclass verliebt und nicht umhinkommt, um die Gunst der Mutter zu buhlen, welche die Karriere ihrer Tochter auf dem Spiel sieht und die Liebe mit allen Mitteln zu verhindern weiss.
Während einer Intensivwoche werden konkrete szenische Abläufe und gesprochene Texte improvisatorisch entwickelt. Dabei möchten sich die Schüler bewusst nicht an ein geschriebenes Drehbuch halten. «Die Texte kommen aus der Situation heraus. Das hilft dabei, sich mit der eigenen Rolle zu identifizieren», erklärt Sara Ndiaya. Vorgefertigtes komme bei den Schülern nicht gut an. «Vielmehr hemmt es das freie Spiel», weiss Herbert Rinderknecht aus Erfahrung und betont die Bedeutung des Schultheaters. «Ju- gendliche brauchen den Prozess, wollen sich mit ihrer Welt auseinandersetzen, ihre Inhalte mit allen Sinnen erfahren, sie annehmen oder ablehnen, und zwar aus der Beziehung heraus.»
Das Schultheater leiste somit einen wesentlichen Beitrag zur Konfliktprävention durch Imagination im Spiel. Es rege die Fantasie an, erweitere das Verhaltensrepertoire und schaffe zudem kreative Freiräume, die grade in Zeiten immer enger getakteter Lern- und Zeitpläne an Bedeutung gewännen. Für die Schüler und nicht zuletzt auch für die Lehrer.
Samstag, 29.April, 20 Uhr
Sonntag, 30.April, 17 Uhr
Freitag, 5.Mai, 20 Uhr
«Uf und Ab» – ein Theaterprojekt
der Oberstufen Lenzburg
Aula Oberstufenzentrum Lenzhard,
Hallwilstrasse 19, Lenzburg
Kosten: Erwachsene 12 Franken,
Kinder und Jugendliche 6 Franken



