Trip von der Geborgenheit zum Nordpol

Mit ihrem Theaterstück «Transit.(home)» lädt das Landschaftstheater Lenzburg ein auf eine theatrale Busfahrt quer durch Lenzburg – ein abenteuerlicher Road-Trip mit ungewissem Ausgang.

Erlaubt überraschende Perspektiven: «Transit.(home)» vom Verein Landschaftstheater Lenzburg.Foto: Mirjam Stutz
Erlaubt überraschende Perspektiven: «Transit.(home)» vom Verein Landschaftstheater Lenzburg.Foto: Mirjam Stutz

«Wir sind die Narren, die nicht Ruhe finden können. Und unbekannten Zielen segeln wir auf unbekannten Meeren entgegen.» Dieses Zitat Lincoln Ellsworths ist bezeichnend: Einerseits für seinen faustischen (rastlosen) Forschergeist und zugleich für seine unstillbare Abenteuerlust, die den Polarforscher und ehemaligen Besitzer Schloss Lenzburgs wieder und wieder an den nördlichsten Punkt der Erde führt.

Seit seiner letzten Nordpol-Expedition ist Ellsworth im Packeis verschollen. Ein skurriles Reiseunternehmen soll seine Frau, die Pilotin Mary Louise Ulmer nun nach Spitzbergen bringen.

Mut zum Scheitern

In ihrer Theaterinszenierung «Transit», gehen die 13 theaterbegeisterten Laienschauspieler des Landschaftstheaters Lenzburg nun selbst auf Reisen, spannen dabei den Bogen zwischen der vertrauten Beschaulichkeit Lenzburgs und den ungewissen Weiten des Nordpols und laden ihr Publikum ein zu einer grotesken Busfahrt nach Spitzbergen.

Rastlosigkeit, Sehnsucht nach Leben, nach Aufbruch und Bewegung, aber auch der Mut zum Scheitern und zugleich das Bedürfnis nach Geborgenheit, werden zu den grossen Themen der neusten Inszenierung des Theaterensembles.

Das Landschaftstheater begleitet sein Publikum auf einer zweistündigen Reise quer durch Lenzburg, bei der Spitzbergen auch zum Synonym wird für stürmische Lebendigkeit des Lebens.

In enger Zusammenarbeit mit der 1988 geborenen Autorin Gianna Molinari und unter Co-Regie von Ruth Huber und Cornelia Hanselmann, inszenieren die Schauspieler ein Wandeltheater an sieben unterschiedlichen Orten in Lenzburg. Dabei führen sie ihre Zuschauer auch an bisher vielleicht unentdeckte Schauplätze des Städtchens und erlauben mit melancholischen Geschichten aus der Feder Gianna Molinaris überraschende Perspektiven auf vertraut geglaubte Orte in Lenzburg.

Auf einer lustvollen Irrfahrt darf man Menschen begegnen, die von Aufbruch träumen: Während der Bahnhofsvorsteher einer längst geschlossenen Station zu Hause um seine Tochter bangt, die durch die Wüste reist. Und während Heimatlose unter einer Autobahnbrücke gar im Nirgendwo feststecken, probt ein Kollektiv in der Sperrzone bereits das Leben ausserhalb dieses Planeten. Spitzbergen scheint plötzlich in weiter Ferne...

Kontraste erfahrbar machen

Verzerrte Realitäten und unwirkliche Szenarien lassen eintauchen in fantastische Welten voller Kontraste.

«Uns interessiert die Frage, inwieweit Weggehen oder Dableiben ein Leben verändern kann», erklärt Regisseurin Ruth Huber. «Mit der Theaterinszenierung möchten wir Kontraste erfahrbar machen, dazu animieren das vermeintlich Bekannte mit neuen Augen zu betrachten, zu hinterfragen und dabei vielleicht auch über die eigenen Grenzen hinauszublicken.»

Seit rund 15 Jahren verwirklicht das Landschaftstheater Lenzburg ambitionierte Bühnenprojekte. Im Fokus der Produktionen stehen stets gesellschaftliche Themen und die Auseinandersetzung mit besonderen Orten in Lenzburg.

Wer will, darf sich gefasst machen auf einen abenteuerlichen Road-Trip mit künstlerischem Anspruch, der alles verspricht und das Gegenteil hält. Denn manchmal liegt das Abenteuer sogar vor der eigenen Haustür.

Aufführungsdaten (jeweils 19.30 Uhr): Donnerstag, 7. September, Premiere; Samstag, 9. September; Sonntag, 10. September; Freitag, 15. September; Samstag 16. September; Sonntag, 17. September; Mittwoch, 20. September; Donnerstag, 21. September; Freitag, 22. September. – Ausgangs- und Schlusspunkt beim Zeughaus. – Reservation: Tourismusbüro Lenzburg Seetal: Telefon 0628864542, t ourismuslenzburg.ch. – Infos unter www.landschaftstheater.ch

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