Todesangst am Fusse des Lukmaniers
13. September 2016. Eine Gruppe fröhlicher junger Menschen will sich sportlich messen und einige Mutproben bestehen.

Eine Gruppe Oberstufenschüler und -schülerinnen verbringt das Klassenlager während ihres Abschlussjahres in Segnas. Dank Kuchenverkauf ist genügend Geld für einen Ausflug in den Abenteuer-Seilpark über der Schlucht vor Curaglia zusammengekommen. Es ist bereits der vierte Lagertag. Die Stimmung ist auf dem Höhepunkt. Alle fühlen sich wohl und geniessen das Zusammensein. Einem grossen Erlebnis kann also nichts im Wege stehen.
Der Instruktor des Seilparks – die Schüler und Schülerinnen dürfen ihn duzen – gibt erste Anweisungen. Es herrscht Ruhe und Aufmerksamkeit. Er schaut neugierig in die Runde und ermuntert einen Schüler, den Anfang zu machen, die erste Station in Angriff zu nehmen: mit einem Velo auf dem Hochseil über die Schlucht fahren. Der Schüler Loris* erklärt sich sofort bereit. Er ist unerschrocken und vertraut der Anlage auf Anhieb.
Seine Klasse applaudiert und feuert den Kollegen an. Bewunderung auf den Gesichtern der einen. Gedrückte Daumen bei den anderen. Loris steigt auf das Velo, fährt los, jauchzt und wird jäh gestoppt. Das Sicherungsseil hat sich verheddert. Die Klasse schreit entsetzt, Loris ist starr vor Panik.
Der Instruktor verlangt absolute Ruhe und klettert auf dem Seil zu Loris. Alles scheint endlos lange zu dauern. Die Stimmung ist sehr gedrückt. Da gelingt es dem Fachmann, die Seile wieder zu ordnen. Er klopft L. auf die Schulter und lobt sein Verhalten.
Wohlbehalten kommen die beiden auf der anderen Seite an. Es wird gejauchzt, alle winken und freuen sich über den glimpflichen Ausgang des Unglücks. Als L. wieder bei seiner Klasse auftaucht, meint er locker: «Zum Glück ist der heutige 13. kein Freitag, Leute!»
*L: Name geändert



